Blended Learning von und für Studierende

e-Learning in der MedienpädagogikDas medienpädagogische Projekt „TutOn – Blended-Learning-Tutorium von und für Studierende“ schafft, wie der Name andeutet, eine Verbindung zwischen Studierenden und basiert auf dem Peer-to-Peer-Konzept. Es ermöglicht die eigenständige Konzeption, Durchführung und Evaluation eines Lehr-Lernangebots. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwerben didaktische und medientechnische Fähigkeiten. Die Arbeit erfolgt auf einer Lernplattform: Erfahrungsgemäß eignet sich dazu Moodle, dabei können Werkzeuge wie Foren, Wikis und Glossare zum Einsatz kommen.

Insgesamt gliedert sich das Projekt in drei Phasen: eine intensive Vorbereitung, die Durchführung sowie die Evaluation und Überarbeitung. Für jede Phase ist ein Semester einzuplanen.

In der ersten Phase steht neben dem Erwerb von Grundlagenkenntnissen zum Lehren und Lernen mit digitalen Medien (Mediendidaktik, Medienkompetenz) die vertiefende Auseinandersetzung mit den Inhalten, die im Tutorium thematisiert werden, im Vordergrund. Die angehenden Tutorinnen und Tutoren sammeln Erfahrungen mit der Lernplattform Moodle und mit verschiedenen Online- Kommunikationsmitteln, indem sie eigene Forendiskussionen führen und Wikibeiträge erstellen (learning by doing). Auf der Basis dieses Wissens konzipieren sie das Tutorium, das in Begleitung zu einer Medienpädagogik-Vorlesung für Bachelor-Studierende angeboten wird. Die inhaltliche Konzeption orientiert sich an der Zielgruppe und den Themen der Vorlesung.

Alle Teilnehmenden konzentrieren sich dabei auf ein spezifisches Thema, wäh- len, aus der Literaturliste der Vorlesung bzw. durch Recherche, geeignete Texte aus und formulieren konkrete Aufgaben- stellungen. Diese werden sowohl für die Gestaltung des Onlinekurses auf der Platt- form als auch der Präsenztreffen genutzt, (wenn nötig digitalisiert) und auf der Platt- form implementiert.

In der zweiten Phase wird das Tutorium als fakultatives Angebot durchgeführt. Es setzt sich aus drei Präsenztreffen (Aus- tausch und Diskussion) und mehreren Onlinephasen (inhaltliche Arbeit und Bearbeitung der Aufgaben auf der Plattform) zusammen und schließt mit Präsentationen der Arbeitsergebnisse in der Vorlesung ab. Für die Präsentation eignet sich beispielsweise die Durchführung eines Postercafés.

Die Studierenden vertiefen ausge- wählte Inhalte der Vorlesung und erfahren durch den Einsatz der Lernplattform die Möglichkeiten und Grenzen des E-Learning. Die Tutorinnen und Tutoren üben sich in der (Online-)Moderation von Lehr- und Lernprozessen, erklären das Arbeiten mit der Lernplattform sowie die inhaltlichen Aufgaben und geben Hilfestellungen und Feedback. Ziel des Angebots ist es, das rein rezeptive Lernen aufzubrechen und eine aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten zu fördern, die kontinuierlich über das gesamte Semester stattfindet. Parallel zur praktischen Durchführung treffen sich die Tutorinnen und Tutoren regelmäßig und reflektieren die didaktischen Planungen und deren Umsetzung. Kooperatives und kollaboratives Lernen sowie die Reflexion über die Inhalte, Ergebnisse und den eigenen Lernfortschritt stehen stets im Fokus.

In der dritten Phase werden die Ergebnisse der semesterbegleitenden Evaluation genutzt, um das Tutorium sowie die Arbeitsprozesse in der Projektgruppe zu verbessern. Regelmäßig steigen neue Studierende in das Projekt ein. Die Projektgruppe setzt sich damit aus Teilnehmenden mit unterschiedlichem Erfahrungsschatz und verschiedenen Wissensständen sowie der Projektleitung zusammen. Es wird arbeitsteilig vorgegangen, wobei der jeweils ältere Jahrgang die Jüngeren in die Arbeit einführt und sie betreut. Während die Älteren vor allem die Struktur und Anlage des Tutoriums überarbeiten, übernehmen die Jüngeren die inhaltliche Ausgestaltung und technische Implementierung auf der Plattform, bevor sie schließlich selbst aktiv werden. Durch den fortlaufenden Erfahrungsaustausch aller Beteiligten werden die theoretischen Überlegungen vertieft und implizite Erkenntnisse reflektiert.

Dieses Projekt wird derzeit an der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung in Leipzig mit Studierenden im Masterstudiengang Kommunikations- und Medienwissenschaft (KMW) durchgeführt.


Zielgruppe

  • Fachkäfte

Eingesetzte Medien

  • Web

Ziele

  • Reflexion
  • Exploration

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Das Konzept kann nicht nur im Kontext E- Learning, sondern in allen Bereichen des projekt- und handlungsorientierten Lernens Anwendung finden. Grundsätzlich kann es auf beliebige Themen übertragen werden. Es lässt sich beispielsweise im schulischen Kontext anwenden, um klassen(stufen)übergreifenden Unterricht zu ermöglichen. Dabei betreuen Schülerinnen und Schüler höherer Klassen die Jüngeren beim Lernen und fungieren als Expertinnen und Experten. Sie müssen sich im Vorfeld der gemeinsamen Arbeit mit den Themen auseinandersetzen, den Stoff aufbereiten und die Themenkomplexe strukturieren. Daran schließt sich die Entwicklung von Übungsaufgaben an, die dann auf der Lernplattform implementiert werden.

Tipps & Tricks

Das Projekt zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass es zwei Einzelprojekte miteinander verknüpft: ein Projektseminar im MA-Studium und ein Blended-Learning-Tutorium als konkretes Veranstaltungsformat im BA-Studium.

Das angewendete Peer-to-Peer-Prinzip hat sich sehr gut bewährt, da sowohl die Tutorinnen und Tutoren als auch die Teilnehmenden studieren. Die Teilnehmenden scheuen sich nicht, Fragen und Probleme zu artikulieren. Auch im MA-Projekt gibt es flache Hierarchien, sodass Meta- und angehende Tutorinnen und Tutoren gleichberechtigt als Team zusammenarbeiten.

Die Integration des Blended-Learning-Tutoriums als Praxisphase für die MA-StudentInnen ermöglicht den BA-Studierenden, an einem medienpädagogischen Projekt teilzunehmen. Sie erweitern damit neben dem inhaltlichen Wissen auch ihre Medienkompetenz. Die Studierenden werden angeleitet, das Angebot zu reflektieren und tragen damit (unbewusst) zu dessen Weiterentwicklung bei.

Schwierigkeiten

Bei der Arbeit mit der Lernplattform Moodle treten regelmäßig technische Probleme auf. Diese Herausforderungen sind bei der Konzeption zu berücksichtigen, um damit in geeigneter Form umgehen zu können.

Die Tutorinnen und Tutoren verfügen in der Regel über wenige Erfahrungen im Bereich der Leitung und müssen sich immer wieder Rollenkonflikten stellen: Obwohl sie selbst noch studieren, müssen sie eine Dozentinnen- bzw. Dozenten-Rolle einnehmen und sind daher hohen Anforderungen ausgesetzt (ausführliches Feedback geben, Gruppenprozesse koor- dinieren und moderieren, Unterstützung leisten, ohne inhaltliche Hilfe zu geben). Entsprechend sollte auf eine angemessene Ausbildung der Tutorinnen und Tutoren geachtet werden.

Für die Einführung solcher Projekte ist immer ein Initialaufwand nötig. Es ist daher zu gewährleisten, dass die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter für ihr Engagement entschädigt werden.

Feedback

Sowohl das MA-Projekt als auch das darin integrierte Blended-Learning-Tutorium werden regelmäßig evaluiert. Dabei kommen unterschiedliche Methoden wie Fragebögen, Gruppendiskussionen und (Selbst-)Reflexion zum Einsatz.

Für die teilnehmenden BA-Studierenden waren die Erfahrungen mit der Lehr-Lernform Blended Learning bereichernd. Dabei kommen ihnen die Möglichkeiten der freien Zeiteinteilung und des individuellen Arbeitens entgegen. Zudem wird das kontinuierliche Arbeiten über das gesamte Semester, das durch regelmäßig zu erfüllende Aufgaben eingefordert wird, positiv hervorgehoben.

Eine wichtige Rolle spielt die tutorielle Betreuung, die es ermöglicht, bei Fragen und Problemen konkrete Ansprechpartner zu haben, von deren Wissen und Erfahrungen sie profitieren können.

Für die Tutorinnen und Tutoren stellt die Arbeit im Projekt eine Herausforderung und eine Bereicherung zugleich dar: Obwohl sie regelmäßig mit Rollenkonflikten umgehen müssen, sind diese Erfahrungen sowie das positive Feedback der Studierenden und deren Dankbarkeit für die intensive Betreuung Motivationsfaktoren bei ihrer Arbeit. Insgesamt stellt das Projekt eine gute Möglichkeit dar, praktische Erfahrungen im Bereich der Planung, Durchführung und Evaluation von Blended-Learning-Angeboten zu sammeln.


Checkliste

  • Ein Raum/Standort mit regelmäßigen Präsenztreffen, um Nähe zwischen den Beteiligten zu schaffen
  • anderthalb Jahre für einen Projektdurchlauf
  • ausreichend Zeitraum für Konzeption und Planung des Tutoriums sowie Schulungen (inhaltlich und methodisch)
  • Gruppengröße variabel – wichtig: ausgewogenes Betreuungsverhältnis (im Idealfall 15 bis 20 Studierende pro Tutorin bzw. Tutor)
  • Vorkenntnisse der Durchführenden: Kenntnisse im Umgang mit Online-Kommunikation und der Lernplattform, methodisch-didaktische Grundkenntnisse (Zugang zur Zielgruppe, Gestaltung von Lehr-Lernsituationen, Erhebungs- und Evaluationsmethoden) sowie Erfahrungen in der Entwicklung von Aufgabenstellungen
  • Hard- und Software: Computer mit Internetzugang, Lernplattform/Online- Lernumgebung

Links & Material

Weitere Informationen über das Projekt und dessen Verlauf und Weiterentwicklung sind auf dem projektinternen Blog zu finden: etutorium.wordpress.com.


About

Julia Glade, Katarina Riesner, Anett Hübner
Universität Leipzig, Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft, Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung
julia.glade@uni-leipzig.de, katarina.riesner@web.de, anett.huebner@uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/mepaed/projekt/e-learning

Universität Leipzig

Die Arbeit an der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung verfolgt zwei Schwerpunkte: die Forschung in den Bereichen Medienaneignungsforschung, Lehr-Lernforschung und Evaluationsforschung sowie die Ausbildung von qualifizierten Arbeitskräften durch die Durchführung von Modell- und Praxisprojekten. Der Bereich E-Learning stellt dabei einen Schwerpunkt dar, indem konkrete Nutzungsformen von Online-Medien für Lehren und Lernen entwickelt, erprobt und weiterentwickelt werden.

Julia Glade

(B. A.) ist Masterstudentin der Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Medienpädagogik an der Universität Leipzig. Sie arbeitet als studentische Hilfskraft im Projekt E-Learning an der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung. In ihrer Abschlussarbeit beschäftigt sie sich mit der Verzahnung von Online-Angeboten mit Präsenzveranstaltungen in der universitären Lehre.

Anett Hübner

(B. A.) ist studentische Hilfskraft im Projekt E-Learning an der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung an der Universität Leipzig. Dort studiert sie den Master Kommunikations- und Medien- wissenschaft mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik. In ihrer Abschlussarbeit setzt sie sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Verbindung von Online-Elementen mit Präsenzveranstaltungen in der universitären Lehre auseinander.

Katarina Riesner

(B. A.), Masterstudentin der Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Medienpädagogik an der Universität Leipzig, arbeitete im Rahmen des Studiums im Projekt E-Learning. Sie ist freiberuflich in der ComputerSpielSchule Leipzig (CSL) tätig. In ihrer Abschlussarbeit untersucht sie das Konzept des intergenerationellen Spielens und seine praktische Umsetzung in der CSL.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de

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