Mobiles Lernen drinnen und draußen – online und offline – mit QR-Codes

QR-Codes in der Medienpädagogik

“QR_HOBO_CODE example” von Golan Levin @ flickr.com (cc by)

Kleine viereckige Kästchen, zweidimensional und meist in schwarz/weiß gehalten: Das sind QR-Codes. Die Kurzform von Quick Response, die durch Einscannen mit einer Kamera eine schnelle Antwort versprechen. Diese Form der Codes wurden schon in den 90er Jahren für die Autoindustrie entwickelt, um Teile für die Fertigung schneller identifizieren zu können.

Heute ist es tatsächlich überraschend, was sich im Alltag hinter den Codes verbirgt und wo sie zu finden sind. Besonders auf Printmedien wie Zeitungen, Plakate, Covern, Verpackungen, Flyern und Veranstaltungshinweisen sind sie zu finden. Inzwischen blenden auch Fernsehsender Codes im Untertitel ein und geben weiterführende Informationen an die Zuschauer weiter. 
Problematische Aspekte von QR-Codes können Umleitungen auf Webseiten sein, die zu nicht jugendfreien Webseiten oder Schadsoftware führen. Es ist wichtig, nur Codes einzuscannen, deren Urheber bekannt sind und zusätzlich für Schutzprogramme (z.B. Zoner AntiVirus) auf dem Gerät zu sorgen.

QR-Codes sind inzwischen den meisten Kindern und Jugendlichen bekannt. Sie wissen wie ein solcher Code einzuscannen ist, jedoch oftmals nicht, dass sie diese QR-Codes auch selber herstellen und für eigene Zwecke nutzen können.
Im Folgenden gibt es eine Sammlung von Lernszenarien, in denen Interessierte QR-Codes erstellen und nutzen. Dabei ist die Anwendung für verschiedene Lern- und Projektformen offen und PädagogInnen können sie für schulisches Lernen und informelle Aneignungsprozesse in der medienpädagogischen Projektarbeit nutzen.

Lernszenario 1: Das Einlesen von QR-Codes

Um einen vorgefunden Code einzulesen ist ein mobiles Gerät wie ein Handy, Smartphone oder Tablet mit Internetzugang plus eine entsprechende App (engl. Kurzform von Application, deutsch Anwendung) notwendig.

Die verschiedenen Apps dazu können größtenteils kostenlos – beispielsweise im Playstore von Google – gesucht (Suchbegriff QR-Code Reader) und installiert werden. Die Installation ist in wenigen Minuten abgeschlossen und die eingebaute Kamera des mobilen Geräts wird zum „Scanner“.

Tipp: Es lohnt sich, die Beurteilungen der Software im Playstore zu lesen, um eine für das eigene Gerät passende Anwendung auszuwählen.

1) Test-Contest 
Welche Software ist besonders bedienerfreundlich? 
Die TeilnehmerInnen installieren und testen die Reader in Eigenregie. Ihre Erfahrungen über die Funktionalität und das korrekte Entziffern bspw. von Umlauten können sie in einem Weblog oder einer Lehr-Lern-Plattform wie Moodle dokumentieren.

2) Scannen & bewerten

Der Arbeitsauftrag beinhaltet das Sammeln und Einscannen beliebiger Codes im Alltag. In Einzel- oder Gruppenarbeit bewerten die TeilnehmerInnen die Inhalte der Codes, nehmen Gruppierungen nach Themen vor und bewerten Inhalte nach eigens aufgestellten Kategorien (bspw. Medium, Ziele des Codes, Qualität der Inhalte). Die Ergebnisse können sie auf Plakatwänden oder per Mindmap auf einer Whiteboard-Software sammeln und (auch im Web) präsentieren. Diese Einheit lässt sich sehr gut an Themen wie Werbung und Medienkunde in schulische Bildungsprozesse einbinden. Hier könnte auch der Aspekt Schadsoftware und entsprechende Schutzprogramme behandelt werden.

Lernszenario 2: Codes erstellen

Zum Code erstellen bietet sich ein Laptop oder Tablet an – gerne auch als Klassensatz. Der schnellste Weg zu einem sog. QR-Code-Generator ist eine Suchmaschinenabfrage bspw. bei Google oder iXQuick. Über die Eingabe des Suchbegriffs „QR Code Generator“ sind verschiedene Anbieter zu finden. Zu nennen sind hier BeeTag, Kaywa, QRCode-Generator etc. Über diese Seiten können Kinder und Jugendliche kostenlos Codes mit eigenen Inhalten erstellen – dies können auch Grundschulkinder mit Anleitung. Mit dem Generator können die SchülerInnen QR-Codes generieren. Ein Code kann einen Text oder einen Hyperlink enthalten. Inzwischen können Codes auch mit einem eigenen Logo, Schriftzug oder Icon gestaltet werden – diese Angebote sind zwar schick, jedoch meist kostenpflichtig und für die Projektarbeit nicht zwingend notwendig.

1) QR-Codes-Check
Welche Software ist besonders bedienerfreundlich? 
Auch hier können die SchülerInnen verschiedene Seiten testen, um die Bedienerfreundlichkeit zu bewerten. Dieses Erproben kann in Einzelarbeit stattfinden und mit einem Austausch im Plenum abgerundet werden.

2) QR-Codes mit eigenen Inhalten generieren
Die Nutzung eigener Codes ist vielfältig und kann als offline oder online Variante zum Einsatz kommen. Als „Wegweiser“ in einem Spiel kann ein Code Hinweise zu einen Versteck geben oder im Rahmen einer Rallye Fragen enthalten, die die TeilnehmerInnen beantworten müssen. Fachbezogene Inhalte für schulische Bildungsprozesse können ein Bestandteil der Arbeit mit QR-Codes sein, beispielsweise Fragen in einer Fremdsprache oder konkrete Arbeitsaufträge.
Der Einsatz des Codes ist auch mit Online-Material möglich. Diese sind beispielsweise der Link zu einer Lehr-Lern-Plattform, ein Verweis auf ein Video oder zu anderen webbasierten Inhalten. Die ist eine Flatrate auf den Geräten oder eine WLAN-Zugang notwendig.

Lernszenario 3: QR-Code-Rallye als Offline-Variante

Diese Idee ist bei einem Museumsprojekt entstanden – eines dieser Museen, die zwar sehr viele interessante Exponate präsentieren, aber in den Ausstellungsräumen komplett ohne Netzempfang sind. Der Einsatz mobiler Geräte kann aber dennoch funktionieren – auch offline. Eine QR-Code-Rallye kann ein einfacher Nachbau einer Schnitzeljagd sein und die TeilnehmerInnen legen auch tatsächlich Papierschnitzel aus – in Form ausgedruckter QR-Codes.

In der offline Variante erhalten die Codes nur Text und keine Links. Um einen gut lesbaren QR-Code zu erhalten sollten nicht mehr als 300 Zeichen verwendet werden. 
Zum Erstellen der Codes im Museum selbst ist eine „Insel“ notwendig. Hier können die Gruppenmitglieder auch ohne Internetzugang Codes erstellen und ausdrucken. Die Software “XRen QR-Code” ist kostenlos und generiert auch ohne Netzzugang die Codes. Einzige Vorbereitung ist es, die Software vor dem eigentlichen Projekt auf beliebig viele Rechner zu installieren. Weiter im Einsatz sind Drucker, Handys, Smartphones oder Tablets, eine 1:1-Ausstattung ist nicht notwendig. 
Die QR-Codes werden offline am PC/Laptop erstellt.

Besonders gut geeignet für Kleingruppenarbeit von 3 bis 5 TeilnehmerInnen.

Eine gute Grundausstattung für das beschriebene Vorhaben besteht aus Druckerpapier, Drucker, verschiedenen Markern und Stiften, Klebeband/Tesafilm, aktuell der Software “XRen QR-Code”, mindestens zwei („Insel“-) Rechnern oder Laptop, ggf. Mehrfachsteckern, mobilen Geräten mit QR-Code Reader für die Rallye selbst, geladenen Akkus, ggf. Ladegerät für die mobilen Geräte und dem Zugang zu altersgerechtem Informationsmaterial.

Vorbereitung in einem Museum: 

Für eine Rallye ggf. mit Videodreh müssen Genehmigungen vorliegen. Weiter ist zu klären, mit welchem Material Codes an Vitrinen oder Wänden befestigt werden dürfen. Informationsmaterialien für Schulklassen können möglicherweise erfragt werden und auch Raum-/Abteilungspläne sind für das Erstellen einer Rallye hilfreich. Die Ergebnisse aus dem Projekt können auf Wunsch vor Ort bleiben, so dass andere Gruppen von den Inhalten profitieren.

Eine eigene Online-Rallye gestalten? 
Für die Erstellung neuer Touren sind keine Programmierkenntnisse mehr notwendig. Ein Schüler-Team arbeitet derzeit an einem „Baukasten“ mit dem Interessierte ganz einfach eigene Touren entwickeln und online zur Verfügung stellen können. Die App fungiert in diesem Fall nur als eine Art „Player“, die Rätselfragen kommen von der Projektseite im Internet. Das Projekt versteht sich als offenes Angebot von Schülern für Schüler/-innen und soll mobiles Lernen ermöglichen ohne dafür eine eigene App erfinden zu müssen.

QR-Codes in der Medienpädagogik

Maren RischDies ist ein Gastbeitrag von Maren Risch. Die Autorin ist seit 2007 als Medienpädagogin in Mainz beschäftigt. Sie hat Soziale Arbeit an der Fachhochschule in Hildesheim studiert und in der Jugendhilfe ihre ersten Erfahrungen mit medienbegeisterten Jugendlichen gemacht. Ein zweites Studium in Göttingen hatte die Schwerpunkte Medien- und Kommunikation und Pädagogik. Diesem Arbeitsfeld ist die auch während ihrer selbstständigen Tätigkeit beim Blickwechsel e.V. und heute bei medien+bildung.com in Rheinland-Pfalz treu geblieben.

Ihre beruflichen Ausflüge führten sie als Drehbuchautorin zum ZDF (“1, 2 oder 3″), in eine Mädchenschule nach Abu Dhabi und zum Senioren-Computer-Kurs auf “das Traumschiff”. Ihre aktuellen Arbeitsschwerpunkte sind die Promotion zu “Medienkompetenz und Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung”, sowie das Erproben neuer Medien, insbesondere mobiler Geräte als Lernwerkzeug im schulischen Kontext.

Kontakt:
risch@medienundbildung.com
Tel. 06131/4987763

Creative Commons-LizenzDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de
GastautorIn
Verfasst am 14.01.2013

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