Live Escape Rooms als Klassenzimmer – #BreakoutEdu 4.0

Foto von Oliver Grünau

Wenn sich die Tür des „eSHKape Rooms“ schließt, wird es ernst. Innerhalb von 30 Minuten müssen die Auszubildenden des SHK Handwerks diverse Rätsel mithilfe ihres Fachwissens knacken. Nur so können sie sich befreien.

Das Projekt des Regionalen Berufsbildungszentrums Technik in Kiel verschmilzt medienpädagogische Methoden mit einem BreakOut-Konzept.

Wie funktioniert eSHKape the Bathroom?

Im Prinzip wie ein herkömmlich gestalteter Escape Room. Ein real nachgebildetes Badezimmer dient als Plattform. Innerhalb dieses Raumes sind verschiedene Rätsel zu bestimmten Berufsinhalten an sanitärtechnischen Anlagen installiert. Jede Rätsellösung bildet einen Teil des Lösungscodes. Der Lösungscode muss innerhalb von 30 Minuten an einem elektronischen Türschloss eingegeben werden, um die Tür öffnen zu können. Nach Ablauf der Zeit oder im Notfall öffnet sich diese automatisch. Sollten die Auszubildenden nicht weiterkommen, können sie ein Teil ihrer Spielzeit für Hilfestellungen eintauschen. Während der gesamten Zeit werden die Teilnehmer auditiv über eine Gegensprechanlage begleitet.

Was steckt hinter der Idee?

Das Ziel von eSHKape the Bathroom ist es, ein immersives Erlebnis für die Schüler*innen zu schaffen und zu untersuchen, ob dadurch Unterrichtsinhalte in besonderem Maße gefestigt werden können. Hierzu steckt das konzipierte Bad voller kniffliger Rätsel, die unter anderem nur durch Fachwissen aus dem Unterricht gelöst werden können.

Was erwartet die Schüler*innen?

Ein ca. 6 qm großer Raum dient als Plattform und ist wie normales Bad eingerichtet. Zur Ausstattung gehören ein höhenverstellbarer Waschtisch, eine bodenebene Dusche, ein Dusch-WC, ein abschließbaren Badschrank, ein Bodenablauf, eine Deckenbeleuchtung und übliche Badaccesoires wie Zahnputzbecher, Wandspiegel, Handtücher, Toilettenbürste, Pflanzen, Wäschekorb, gerahmtes Bild, Seifenspender, Badteppich, Toilettenpapierspender und Wanduhr. Die Sanitärobjekte sind voll funktionsfähig und entsprechen dem Stand der Technik. Zudem verfügt das Bad über einen Bluetooth Lautsprecher. Zusammen mit einer dimmbaren Deckenbeleuchtung lässt sich so die Raumatmosphäre beeinflussen.

Als notwendige Sicherheitseinrichtungen sind eine Videokamera mit Nachtsichtfunktion, eine Gegensprechanlage sowie eine Entlüftung installiert. 

Die Rätsel sind so konzipiert, dass an jedem installierten Sanitärobjekt ein Rätsel zu finden ist, das gelöst werden muss. Zudem sind im Raum verschiedene Hilfsmittel zur Lösung der Rätsel versteckt.

Die Lösungen der Rätsel beruhen auf Fachwissen zum Thema Montagehöhen, Bewegungsfreiflächen, seitlichen Mindestabständen sowie elektrischen Schutzbereichen in Sanitärräumen. Die Breite und Tiefe einer Bewegungsfreifläche kann z.B. den vierstelligen Code für ein Zahlenschloss darstellen oder das richtige Einstellen der Montagehöhe des Waschtisches öffnet ein Geheimfach mit Lösungshinweisen. Zur Rätselerstellung wurden jeweils unterschiedliche Formen von Rätseln wie Bilderrätsel, optische Rätsel oder Puzzle verwendet, wobei das Lösen von Rätsel A zu Rätsel B führt usw.

Warum lohnt sich der Aufwand?

Der Aufbau und die technische Ausstattung sind ohne Frage mit viel Engagement und einem hohen Zeitaufwand verbunden, doch der Einsatz zahlt sich mehrfach und nachhaltig aus. Während der ersten Einsätze des eSHKape the Bathrooms konnten die vielfältigen Emotionen der Auszubildenden über eine Kamera verfolgt werden. Diese zeigten deutlich die hohe intrinsische Motivation und das Engagement beim Aufspüren und Lösen der Rätsel. Darüber hinaus ist der eSHKape Room interdisziplinär nutzbar. Damit ist die Nachhaltigkeit, anders als bei herkömmlichen Live escape Rooms, gesichert.

Wie geht es weiter?

Nachdem die Rätsel des eSHKape Bathroom geknackt sind, ist keinesfalls Schluss. Jetzt können die Auszubildenden zeigen, wie viel Kreativität und technisches Know-How in ihnen steckt, um den Raum mit neuen berufsbezogenen Rätseln auszustatten. Dazu entwickeln diese in Kleingruppen neue Rätsel. Diese werden dann von den Schüler*innen selbst im eSHKape Room installiert und getestet. Die Grundanordnung der Sanitärobjekte bleibt dauerhaft erhalten. Jedoch erhalten die Schüler*innen die Möglichkeit auch neue Ausstattungsobjekte wie z.B. einen Tresor zu integrieren.

Dass dies einen ebenso hohen Unterhaltungswert bietet, wie das Lösen der Rätsel selbst, haben erste Erfahrungen bereits gezeigt.

Somit ist die Nachhaltigkeit nicht nur gesichert und der Aufwand gerechtfertigt, die Schüler*innen identifizieren sich in hohem Maße mit diesem Projekt, da sie für ihre nachfolgenden Kolleg*innen ein ebenso spannendes wie einmaliges Erlebnis geschaffen haben.

Weshalb „BreakoutEdu 4.0“?

Aufgrund der realen Umgebung  sowie der direkten körperlichen Einbindung lässt sich ein noch intensiveres Spielerlebnis im Vergleich zu herkömmlichen BreakoutsEdu erzeugen. Die Förderung von Fach-, Methoden-, Sozial- und Persönlichkeitskompetenzen wird über die ganzheitliche Wahrnehmung nochmals gesteigert.

Über ein solches Erlebnis im Unterricht wird bei Facebook, Twitter und co. geredet. Damit wird ganz nebenbei nicht nur die Attraktivität des eigenen Unterrichtes sondern auch die der Berufsausbildung gefördert – davon profitieren alle Beteiligten.

Ergebnisse der „eSHKape the Bathroom“-Evaluation:

„Sehr gut gestaltet und ausgeführt.“

„….nach wenigen Minuten war man voll im Rätselmodus.“

Link-Tipps:

(Oliver Grünau arbeitet als Berufspädagoge am Regionalen Berufsbildungszentrum Technik in Kiel, mit dem Schwerpunkt Teilzeitausbildung. Dort unterrichtet er vorrangig Anlagenmechaniker*innen im Bereich Sanitär,- Heizung- und Klimatechnik.)

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Oliver Grünau für medienpaedagogik-praxis.de
Oliver Grünau Kurzbio
Oliver Grünau arbeitet als Berufspädagoge am Regionalen Berufsbildungszentrum Technik in Kiel, mit dem Schwerpunkt Teilzeitausbildung. Dort unterrichtet er vorrangig Anlagenmechaniker*innen im Bereich Sanitär,- Heizung- und Klimatechnik.