Social-Media-Fakes selbst erstellen

Fake News sind heutzutage gerade in Social-Media-Kanälen ein ernstzunehmendes Problem und stellen eine Herausforderung an die Medienpädagogik dar: Propaganda und Stimmungsmache verbreiten sich ebenso rasch wie unbelegte Gerüchte und Behauptungen. Zudem ist es unkompliziert möglich, angebliche Postings zu fälschen: Dafür existieren zahlreiche Online-Tools, die das Erstellen von gefakten Social-Media-Postings ermöglichen und falsche Screenshots für WhatsApp, Instagram und Co. generieren. Aus medienpädagogischer Sicht gilt es, darüber aufzuklären, und zugleich bietet sich das Potential der kreativen Auseinandersetzung damit.

 

Tools im Überblick:

  • Generate Status ist eines der umfangreichsten Portale: Hier lassen sich Meldungen für Instagram, Snapchat, Twitter, Facebook und iMessage generieren.
  • Prank me not ermöglicht die Erstellung von Meldungen und Nachrichten für Facebook und Twitter.
  • FakeWhats konzentriert sich auf Fake-Chats, die im Messenger WhatsApp geschrieben sein könnten.

Diese drei Portale funktionieren browserbasiert, ohne Installation von Zusatz-Software oder -Apps. Es existieren noch zahlreiche andere Fake-Generatoren, die jedoch alle ähnlich funktionieren.

 

Wie kann ich Fakes erstellen?

Screenshot von generatestatus.com

Die Handhabung dieser Tools ist kinderleicht: Sämtliche Details, die im späteren Screenshot zu sehen sind, können in den vorgegebenen Feldern eingegeben werden. Auch Profilfotos sowie die angeblich geposteten Bilder können hochgeladen werden, um den Fake perfekt zu individualisieren.

Die Ergebnisse werden als Bilddatei generiert und stehen dann zum Download bereit, sie können somit als angeblicher Screenshot verwendet werden.

 

Wie kann ich diese Tools medienpädagogisch einsetzen?

Die Arbeit mit Fake-Generatoren wirft durchaus Fragen auf: Wecke ich nicht schlafende Hunde, wenn ich Kindern und Jugendlichen zeige, wie ich Fälschungen erstellen kann? Öffne ich damit möglichem Mißbrauch nicht Tür und Tor? Hier ist aus meiner Sicht entscheidend, dass diese Angebote bereits existieren und dass es daher unsere Pflicht ist, darauf hinzuweisen und darüber aufzuklären – nicht nur Heranwachsende, sondern auch Eltern und Fachkräfte. Nicht jeder angebliche Screenshot von einem WhatsApp-Chat, der vorgelegt wird, muss zwingend echt sein, sondern ist kritisch zu hinterfragen.

Zudem bieten derartige Tools aber auch großes Potential für die aktive Medienarbeit: Für Projekte zum Storytelling, zur Darstellung historischer Ereignisse o.ä. sind Fake-Generatoren ein willkommenes Hilfsmittel, um zeitgemäße Materialien zu erstellen. Hierbei können rasch unterhaltsame, witzige, aber auch ernsthafte Ergebnisse entstehen, die sich dann aufbereiten lassen. (Auf die Möglichkeiten, Chat-Geschichten zu erstellen, wurde hier im Blog bereits hingewiesen.)

 

Außerdem interessant:

Ähnliche funktionierende Fake-Generatoren sind die Seiten Paul Newsman und 24aktuelles: Hiermit lassen sich erfundene Nachrichten generieren, die dann in Form von Links oder als Screenshots verbreitet werden können. 24aktuelles wurde im Blog ebenfalls schon vorgestellt, bei Paul Newsman besteht zudem die Möglichkeit, erfundene Zeitungen und Zeitschriften wie das „Kölner Abendblatt“ oder die Fußballzeitung „Grätsche“ als Style-Vorlage zu wählen. Sobald man auf der Zielseite einen Link anklickt, z.B. zu einem anderen Artikel, erfolgt die Auflösung des Fakes.

 

Fazit:

Das Phänomen der Fake-News muss gerade von uns Medienpädagog*innen konstruktiv und gerne auch kreativ aufgegriffen werden. Die Möglichkeit, mit Fake-Generatoren zu experimentieren, ist aufschlussreich und unterhaltsam zugleich und daher in meinen Augen ein wertvoller Beitrag zu einer zeitgemäßen Medienerziehung.

 

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Björn Friedrich für medienpaedagogik-praxis.de
Björn Friedrich Kurzbio
Björn Friedrich arbeitet als Medienpädagoge im SIN - Studio im Netz, München, mit den Schwerpunkten Social Media, mobile Anwendungen und Games. Daneben ist er als Referent für Vorträge und Fortbildungen tätig. Zusammen mit Tobias Albers-Heinemann veröffentlichte er mehrere Elternratgeber, zuletzt im August 2018 "Das Elternbuch zu WhatsApp, YouTube, Instagram & Co." (O'Reilly Verlag, Köln).
Verfasst am 25.06.2019

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