Digital und nachhaltig – Eine pädagogische Aufgabe

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Klimawandel, Konsumkritik und soziale Ungerechtigkeit – In den vergangenen Jahren hat sich Nachhaltigkeit zu einem zentralen Thema unserer Gesellschaft entwickelt.

Auch Kinder werden schon in frühen Jahren damit konfrontiert, und spätestens seit der „Fridays For Future“- Bewegung ist das Thema bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in aller Munde. Zudem gewinnt Nachhaltigkeit im schulischen und außerschulischen Bildungskontext immer mehr an Bedeutung.

Aber was bedeutet eigentlich Nachhaltigkeit? Wie lässt sich in der medienpädagogischen Arbeit ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit fördern? Was können wir zu einem verantwortungsbewussten und nachhaltigen Handeln und Denken bei Heranwachsenden beitragen?

Exkurs: Der Begriff der Nachhaltigkeit

Der Begriff der Nachhaltigkeit tauchte erstmals im 17. Jahrhundert auf. Damals verwendete der kursächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz aus Freiberg das Wort „nachhaltend“ als er mahnte, dass nur so viel Wald abgeholzt werden darf, wie in absehbarer Zeit wieder nachwachsen kann.

Heute dagegen bezieht sich der Begriff der Nachhaltigkeit nicht mehr nur auf den Bereich der Ökologie, sondern auch auf die Ökonomie und das Soziale. So beschreibt die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (WCED) in ihrem Bericht „Our common future“ (1987) Nachhaltigkeit als Entwicklung „die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“. Ergänzt werden kann diese Definition noch durch den Ansatz der Bildung nachhaltiger Entwicklung, zu dem die UN 2015 eine Globale Nachhaltigkeitsagenda mit 17 Zielen formulierte. Der Bildungsbereich, der das 4. Ziel darstellt, soll die Menschen v.a. zu einem zukunftsfähigen Handeln und Denken befähigen.

Zusammengefasst ist nachhaltig folglich all das, was langfristig für uns Menschen, die Umwelt und die Wirtschaft verträglich ist – und das auf der ganzen Welt und in Zukunft. Für das nachhaltig Handeln bedeutet das, dass wir bei allem, was wir machen, direkt auch an morgen denken. Angesichts komplexer Zusammenhänge in unserer Gesellschaft ist es allerdings nicht immer leicht zu bestimmen, was tatsächlich nachhaltig ist. Fest steht aber, dass bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit alle Handelnden einer Gesellschaft einbezogen werden müssen, auch Kinder und Jugendliche.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Kinder?

Bereits für Kinder spielt nachhaltiges Handeln und Denken eine große Rolle, denn sie besitzen schon ab dem Grundschulalter ein starkes Umweltbewusstsein – meist, weil sie Gesprächen von Erwachsenen lauschen oder etwas dazu vermittelt bekommen (z.B. im Kiga) bzw. wahrgenommen haben (z.B. im TV). Kindern ist durchaus bewusst, dass eine funktionierende Lebenswelt für ihr Leben essentiell ist und unser Planet geschützt werden muss. Allerdings ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit nicht immer direkt greifbar für sie und stellt daher eher einen abstrakten Prozess dar. Das Umweltbewusstsein von Kindern entspricht daher nicht immer ihrem tatsächlichen Umwelthandeln.

Unsere Aufgabe als Pädagog*innen ist es, an das bestehende Umweltbewusstsein und Wissen von Heranwachsenden anzuknüpfen, ihnen handlungsorientierte Konzepte anzubieten und sie in ihrem Handeln zu fördern. Eine Möglichkeit bietet dabei der Einsatz von Medien.

Nachhaltigkeit mit und in Medien

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und Medien zu beschäftigen – einmal auf technischer und zum anderen auf inhaltlicher Ebene. 

Im Kontext von Technik werden v.a. Fragen nach einer nachhaltigen Produktion von Technik (Green Production) und einer umwelt- und ressourcenschonenden Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken (Green IT) gestellt. Daraus lassen sich dann bspw. Nachhaltigkeitsprinzipien entwickeln. Auf der inhaltlichen Ebene greifen v.a. bestehende Medien Themenschwerpunkte auf, die konkrete soziale, ökonomische und ökologische Anliegen ansprechen (z.B. Klimaerwärmung).

Für Kinder sind insbesondere digitale Anwendungen reizvoll, die sich inhaltlich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Ein Grund dafür ist, dass das Technikverständnis bei Jüngeren noch nicht stark ausgereift ist. Besonders gefragt sind Formate, die das spielerische Lernen fördern und damit sowohl informativ als auch unterhaltend sind. 

Leider begegnet man als Medienpädagog*in im gesellschaftlichen Diskurs oft noch der Auffassung, dass „digitale Medien Kinder und v.a. Jugendliche von der Natur entfremden“. Dem ist entschieden zu widersprechen. Auch digitale Medien bieten neben herkömmlichen Naturerfahrungen und erlebnisorientiertem Lernen zahlreiche Zugänge zur Informations- und Wissensaneignung und die Möglichkeit, komplexe Sachverhalte kindgerecht zu vermitteln – eine Vielzahl an Möglichkeiten bieten bspw. Apps.

Nachhaltigkeit in Apps für Kinder: Was können sie leisten?

Die Auseinandersetzung mit nachhaltigen Apps kann das verantwortungsbewusste Handeln und Denken von Kindern anregen und damit zu einem nachhaltigen Umgang mit dem Planeten, den Menschen, den Tieren und den Ressourcen beitragen. Wichtig ist dabei, dass Kinder selbstwirksam werden, sich bewusst für ihre Umwelt einsetzen und ein ökonomisches, ökologisches und soziales Verantwortungsgefühl entwickeln. Mit dem Einsatz von Apps in der Praxis können folgende Ziele erreicht werden:

  • Werte und Moral (weiter-)entwickeln 
  • Zusammenhänge erkennen und verstehen
  • Verantwortung für das eigene Handeln & Denken übernehmen und dieses reflektieren

Auch bei Kindern selbst werden Nachhaltigkeitsapps gegenwärtig immer beliebter. Denn Kinder sind neugierig, wollen die Welt verstehen und komplexe Zusammenhänge begreifen. Bspw. erfahren sie mit „Die Müll AG“ (Bunny & Gnome) wie eine umweltfreundliche Mülltrennung aussieht, erkunden mit „Star Walk Kids“ (Vito Technology Inc.) unser Sonnensystem, erforschen das Klima dank „Mein Wetter – Für Kinder“ (Urbn; pockets), erschließen mit „Die Waldfibel“ (Bundesministerium für Ernährung & Landwirtschaft) den Wald als Lebensraum oder lernen mit den Apps der „Stiftung Haus der Kleinen Forscher“ alles rund um Energieerzeugung und Mobilität. 

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass Apps, Tablets & Co. für unsere medienpädagogische Arbeit und damit die Vermittlung von Nachhaltigkeit und der Ausbildung des kindlichen Umweltbewusstseins wertvolle Impulse liefern können. Denn Apps, wie die oben Genannten, verknüpfen die physische mit der virtuellen Welt. Wichtige Primärerfahrungen in der realen Welt, die die Kinder bspw. durch Naturerfahrungen gesammelt haben, werden in der Medienwelt aufgegriffen, dort erweitert und in Sekundärerfahrungen verarbeitet, wodurch kindliche Bildung angeregt wird. Und ganz nebenbei machen die Apps auch noch Spaß!

(Sophia Kiehlmann, SIN – Studio im Netz)