Kinderzeitung

"Kinderzeitung in der Medienpädagogik"Eine Kinderzeitung ist ein lokales Magazin von Kindern für Kinder, in dem junge Redakteurinnen und Redakteure ihre eigenen Themen aufarbeiten können. Hier finden die jungen Leserinnen und Leser Tipps, Anregungen, Hinweise und aktuelle Informationen. Die Kinderzeitung konzentriert sich im Gegensatz zu bundesweit orientierten Kindermedien oder den Kinderseiten regionaler Tageszeitungen mit breiter Zielgruppe auf die Kinder in dem Ort, in dem sie produziert wird. Lokale, speziell aufbereitete Informationen aus dem direkten Lebensumfeld der Kinder sind ein signifikanter Bestandteil des Heftes.

Um eine Kinderzeitung zu gestalten, braucht man ein Kinderredaktionsteam, das mit Hilfe von erfahrenen Medienmachern Inhalte recherchiert und journalistisch aufbereitet – immer mit dem Blickwinkel von Kindern. So kann die Kinderzeitung über die eigentliche Berichterstattung hinaus aktuelle Diskussionen begleiten oder in Gang setzen.Die Arbeit des Redaktionsteams ist dabei nicht auf das Erlangen von journalistischem Grundwissen beschränkt. Die Kinderredaktion arbeitet emanzipatorisch, selbstbestimmt und eigenverantwortlich. Die detaillierte Gliederung der Ausgabe der Kinderzeitung wird mit der Kinderredaktion erarbeitet.

Bei einem ersten Treffen sammeln die Kinder Ideen und schlagen Themen, die sie gern bearbeiten möchten, vor. Gemeinsam werden Rubriken (etwa Informations- und Serviceteil, Adressteil, Magazinteil) festgelegt. Wenn hier bereits mehrere Kinder Interesse an einem The-ma zeigen, können Teams gebildet werden, die dann die Aufgaben wie Recherche, Interviewfragen formulieren, Bilder malen, fotografieren et cetera unter sich aufteilen. Ist der Inhalt der Zeitung erst festgelegt, werden gemeinsam Recherche- und Interviewtermine vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet.

Dabei fahren die mit dem Thema beschäftigten Redakteurinnen und Redakteure mit einem Betreuer zu den Terminen. Wichtig ist, dass vor jedem Termin genau feststeht, welche Informationen gesucht werden, wer die Interviewfragen stellt, wer mitschreibt, wer fotografiert, damit später keine wichtigen Informationen für den Artikel fehlen. Kleine, altersgerechte Workshops zur journalistischen Fortbildung sollten spaßbetont in die Redaktionsarbeit eingebunden werden.

Hat die Kinderredaktion alle Informationen gesammelt, geht es ans Schreiben und Layouten. Die Kinder schreiben die Texte selbst, mitunter auch im Thementeam. Dennoch ist es wichtig, sie zu unterstützen, ihnen auf Nachfrage beim Formulieren zu helfen und die Texte gegebenenfalls gemeinsam zu überarbeiten. Layoutet wird die Zeitung entweder in einem vorhandenen Schreibprogramm, einem Layoutprogramm (OpenSource wie Scribus ist kostenlos) oder ‚klassisch‘, indem die ausgedruckten Texte und Fotos auf einem großen Papierbogen angeordnet werden.

Die fertige Zeitung kann durch Redaktionsteam, Betreuer und freiwillige Helfer an kinderrelevanten Orten (Schule, Hort, Spielzeugladen, Kino, Kinderärzte, Jugendzentrum usw.) verteilt werden. Eine Zeitung kann einmalig und beispielsweise themenbezogen gestaltet werden (etwa eine Zeitung über das Schulfest o.ä.). Noch schöner ist es aber, wenn langfristig immer neue Ausgaben (ggf. mit wechselnder Redaktion) produziert werden, wie dies bei der Kinderzeitung MAGDEWOOD der Fall ist, die regelmäßig erscheint.

MAGDEWOOD erscheint in einer Auflage von 8.000 Stück und wird in Klassensätzen direkt an den Schulen in den Klassenstufen drei bis sechs verteilt. Außerdem werden Exemplare in Jugendzentren, Bibliotheken oder Freizeiteinrichtungen ausgelegt. In so einem Fall muss der Zeitplan sehr langfristig angelegt werden:

Exemplarischer Ablaufplan:

Juni Aufstellen eines Zeitplans und einer Finanzkalkulation (Einholen von Druckangeboten), Beantragen von Fördermitteln
Juli Zusammenstellen des Betreuer- Teams, Absprachen mit Kooperationspartnern
August Kinder finden, Themen erarbeiten, erste Recherchen
September Redaktionstreffen, Recherchen, Text und Bildredaktion, Layout
Ende September Erscheinen der ersten Ausgabe, Verteilung
November Themen erarbeiten, Redaktionstreffen, Recherchen, Text- und Bildredaktion, Layout
Ende November Erscheinen der zweiten Ausgabe, Verteilung
Dezember Nachbereitung der Redaktionsarbeit, Auswerten des Feedbacks, Planung des weiteren Vorgehens


Zielgruppe

  • Kinder

Eingesetzte Medien

  • Foto
  • Audio
  • Classic

Ziele

  • Reflexion
  • Exploration
  • Artikulation
  • Medienanalyse und -kritik

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Um Kosten zu sparen, kann man das Magazin auch als reine Online-Version betreiben. So entfallen die Kosten für den Druck. Wenn es in der Region einen Offenen Kanal oder ein anderes Videoprojekt gibt, ist eine Kooperation sinnvoll, um etwa Videobeiträge zu produzieren und zu senden. Alternativ wäre auch eine Zusammenarbeit mit regionalen Tageszeitungen möglich.

Tipps & Tricks

Kinder, die sie interessierende Themen recherchieren und nach eigenen Vorstellungen journalistisch aufbereiten, setzen sich intensiver mit ihrer Umwelt auseinander. Dabei ist nicht nur der reine Inhalt des entsprechenden Beitrages prägend, sondern eben auch die Umstände, unter denen er zustande kommt. So ist es den Kindern im durchgeführten Projekt aufgefallen, dass das Stadtmagazin offensichtlich schneller einen Termin zum Gespräch mit der angesagten Band bekommt als die Kinderzeitung, oder beobachteten die MAGDEWOOD-Redakteurinnen und -Redakteure sehr genau die lokale Berichterstattung über ein vermutetes Fehlverhalten eines Magdeburger Prominenten und schlossen ihn bei den Überlegungen zu einem Interview nach einer intensiven Diskussion aus dem Kreis der möglichen Partner aus. Hier lernen die Kinder nicht nur, sich mit ihrer Lebenswelt medial auseinanderzusetzen, sondern auch, welche Bedingungen für diese Auseinandersetzung ausschlaggebend sind.

Schwierigkeiten

Als besonders schwierig erweist sich bei der MAGDEWOOD der Umstand, dass mögliche Fördermittel selten pünktlich zur Verfügung stehen. Im Vorjahr für den Projektzeitraum ab Januar beantragte Gelder werden oft erst zum Herbst bereit gestellt. Dadurch kann die Zeitung nicht pünktlich gedruckt werden, was sich mittelfristig ausgesprochen negativ auf die Motivation der Kinderredaktion auswirkt. Daher sollte darauf geachtet werden, benötigte Mittel rechtzeitig zu beantragen und dafür zu sorgen, dass vor allem Drucktermine nicht am fehlenden Geld scheitern. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass eine über den Projektzeitraum beständige Betreuung für die Vertrauensbildung in der Redaktion wichtig ist. Da die Arbeit durch zahlreiche Einzeltermine in der Recherche sehr aufwändig ist, kann je nach Größe der Redaktion ein Betreuerteam sinnvoll sein. Bei der MAGDEWOOD hörten im Laufe des Projekts zwei der drei Betreuer auf, auch dies ist ein Umbruch, der sich auf die Gruppendynamik der Redaktion nachteilig auswirkt. Auch wenn die Kinder die Zeitung inhaltlich gestalten, zeigt die Erfahrung, dass das Layout eine Aufgabe ist, mit der die Kinder überfordert sind. Daher musste dies von den Projektbetreuern geleistet werden.

Feedback

Generell sind die Kinder begeistert und haben viele Ideen. Die Möglichkeit, nach eigenen Wünschen Themen einzubringen und dann auch zu bearbeiten, ist nach wie vor ein Unikum in vielen Kindermedienprojekten. So finden die Kinder gut, dass die letzte Entscheidung über Inhalte immer bei ihnen liegt. Auch die Chancen, Menschen und Institutionen durch die Reporterarbeit so direkt kennen zu lernen, wird immer wieder als positiv bewertet. Enttäuschend ist, wenn die eigentlich fertige Ausgabe mit den recherchierten und aufgearbeiteten Themen wegen Geldknappheit nicht gedruckt werden kann. Hier sind alternative Finanzierungsquellen oder eben die Umstellung auf ein reines Onlinemedium überlegenswert.
"Kinderzeitung in der Medienpädagogik"


Checkliste

Raum und Zeit

  • Raum für Redaktionstreffen, frei zugänglich mit Sitzgelegenheiten und Flipchart
  • Fotoapparate, Diktiergeräte zur Recherche
  • Computer zum Schreiben und Layouten (inkl. Layoutsoftware)
  • Ein Projektnachmittag/-abend pro Woche oder mehrere Tage am Stück

Gruppengröße

  • Unterscheidet sich je nach Seitenzahl und Inhalt, erfahrungsgemäß ist eine Redaktion zwischen 15 und 20 Kindern ideal, je mehr, desto mehr Inhalt kann ‚produziert‘ werden

nötige Vorkenntnisse und Anforderungen an die Projektdurchführenden

  • Interesse an der medienpädagogischen Arbeit mit Kindern
  • Grundkenntnisse in der journalistischen und gestalterischen Arbeit
  • möglichst Erfahrung im Printjournalismus und medienpädagogischer Projektarbeit
  • Gespür für (journalistische) Kinder- Themen und aktuelle Entwicklungen in der Stadt/Region
  • möglichst einen guten, kindgerechten Schreibstil
  • Erfahrungen im Redigieren von Artikeln
  • das Vermögen, Ideen der Kinder aufzugreifen und mit ihnen gemeinsam weiterzuentwickeln, auszuarbeiten und umzusetzen
  • Fähigkeit, die strukturelle und inhaltliche Arbeit der Kinderredaktion zu moderieren

Links & Material

Gut ist die Zeitungswerkstatt im Kinderforum Mellvill. Hier gibt es neben inhaltlichen und journalistischen Tipps auch Gestaltungshinweise.
Das österreichische Kidsweb informiert über die wichtigsten Grundregeln zum Gründen einer Zeitung und verlinkt auf andere Zeitungsprojekte.


About

Jessica Burkhardt, Olaf Schütte
Medientreff zone!
Info@medientreff-zone.de

Der Medientreff zone! in Magdeburg ist die Bildungs- und Freizeiteinrichtung von fjp>media mit Seminar- und Redaktionsräumen. Medienpädagogische Projekte mit Kindern und Jugendlichen gehören ebenso wie der Offene- Tür-Bereich zum Profil des Medientreffs zone! Moderne Multimedia-PC mit leistungsfähiger Software zu Bildbearbeitung und Layout, eine umfangreiche Bibliothek mit Fachbüchern und Zeitschriften und das landesweite Jugendzeitungsarchiv stehen hier zur Verfügung.

Jessica Burkhardt leitet seit 2009 die medienpädagogische Jugendbildungseinrichtung Medientreff zone! in Magdeburg. Hier führt sie zahlreiche Medienkompetenzprojekte mit Kindern und Jugendlichen durch. Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen im Bereich Web 2.0, kreative Videoarbeit und medienpädagogische Fort- und Weiterbildung von Pädagoginnen und Pädagogen.

Olaf Schütte initiierte die Gründung des Medientreffs zone! und war maßgeblich an dessen Konzeption beteiligt. Seit 2001 ist er Geschäftsführer und Bildungsreferent des Trägervereins fjp>media. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte sind die außerschulische Jugendbildung und Kindermedienprojekte.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de

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