Digitale (Bildungs)Kultur open alpha

Auf dem Weg zu einem Manifest

Digitale (Bildungs)Kultur in der Medienpädagogik

"Survival Factor" von Samuel Mann auf flickr.com (cc by)

Mit der Digitalisierung der Welt verändert sich nicht nur Technik, sondern auch die Kommunikation und vieles mehr. Das macht sich gerade auch in der Medienpädagogik bemerkbar, wo in jüngster Zeit vermehrt Diskussionen darüber stattfinden, welchen Stellenwert Social Media auf Tagungen, in der professionellen Kommunikation und vor allem in der pädagogischen Arbeit haben soll.

Weil wir finden, dass es hier um viel mehr geht als nur um Technik, sondern um eine Kultur, um Beteiligung und Bildung, haben wir unsere Gedanken zur Digitalen Kultur in der pädagogischen Arbeit aufgeschrieben. Wir hoffen, damit einen Prozess anzustoßen, an dem sich viele (Medien)PädagogInnen beteiligen und an dessen Ende eine Art Manifest steht. Also: Ergänzt, verändert, kritisiert und entwickelt dadurch den Text und den Prozess weiter. Deine/Ihre Beteiligung ist hier ausdrücklich erwünscht. Wir sind gespannt!

Um diesen Prozess optimal zu gestalten, haben wir in den letzten Wochen einen ersten Entwurf erstellt, der unbedingt als solcher zu verstehen ist. Die kleine Runde, die sich aus u.g. Personen nicht zufällig, aber auch nicht strukturiert und schon gar nicht exklusiv zusammen gefunden hat, ist hiermit bemüht eine breite Diskussion anzustoßen. Unserer Erfahrung nach funktioniert dies meist nur strukturiert gut und selten aus dem Nichts. Deswegen gibt es diesen Entwurf, der sich hoffentlich die nächsten Wochen weiter entwickelt.

Wir hoffen auf eine breite Diskussion, wollen diese aber zentralisieren, um an einem gemeinsamen Text zu arbeiten. Zum Start veröffentlichen wir in vielen Blogs gleichzeitig, jedoch alle mit geschlossenen Kommentaren, um die Diskussion nur im hier Medienpädagogik Praxis-Blog gemeinsam zu führen. Der Text kann gerne auch in Deinem/Ihrem Blog veröffentlicht werden mit Nennung der AutorInnen und unbedingt ebenfalls mit geschlossenen Kommentaren bzw. dem Verweis auf die laufende Diskussion an zentraler Stelle! Die Diskussion findet ab jetzt bis 1. Juli statt. Wir wollen die Sommerpause dann nutzen, um Ergebnisse zusammen zu tragen und mit einem zweiten, weiterentwickelten Text eine Kampagne zu starten, um die Diskussion nochmals zu verbreitern.

Das sind unsere Thesen zur digitalen (Bildungs)Kultur:

1. Hierarchiefreiheit, Offenheit und Transparenz sind die Grundkonstanten von Bildungsprozessen der Digitalen Kultur. Sie sind Grundlage und beschreiben die Art der Partizipation und Mitgestaltung sowohl an Lern- und Bildungskultur, als auch an politischen Entscheidungen und damit an gesellschaftlichen Prozessen.

2. Digitale Kultur ist die Weiterentwicklung einer Lern-, Bildungs- und Partizipationskultur, die den Anforderungen und Möglichkeiten einer mediendurchdrungenen Gesellschaft entspricht und sollte nicht auf digitale Technik reduziert werden.

3. JedeR hat ein Bildungsinteresse, alle haben Wissen und Erfahrungen, die sie an andere weitergeben können.Vom Austausch auf Augenhöhe profitieren alle.  Je mehr Menschen eingebunden werden, umso größer das gemeinsame Wissen.

4. Handlungsorientierung sollte nach Möglichkeit kein Selbstzweck sein, sondern Ergebnisse hervorbringen, die der Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden, um von dieser emanzipierend genutzt zu werden.

5. Es gibt kein Analoges ohne Digitales, die Trennung ist aufgehoben. Kommunikation, Partizipation und Dokumentation in sozialen Netzwerken während Bildungsprozessen sind daher selbstverständlich und fördern die Grundkonstanten

6. Lernen durch Machen. Die zunehmend komplexeren Systeme, ermöglichen eine verständnisvolle Auseinandersetzung nur dann, wenn man sich aktiv mit den Systemen auseinandersetzt und sie damit reproduziert.

7. Digitale Medien sind in alle Lebenszusammenhänge eingebettet und gehören deshalb ebenso selbstverständlich auch in alle institutionalisierten und informellen Bildungszusammenhänge. Digitale Medien müssen allen zur Verfügung stehen, damit sie bei Bedarf eingesetzt werden können und nicht allein denjenigen vorbehalten bleiben, die sie sich leisten können.

Die AutorInnen

Guido Brombach ist Kompetenzzentrumsleiter für den Bereich digitale Kommunikation, Lernen und Medien beim DGB Bildungswerk Bund. Dort konzipiert und verantwortet er Seminare zur Medienbildung in der politischen Bildung. Er ist zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung für die Webseite pb21.de verantwortlich, die sich mit der Integration digitaler Medien in Bildungsprozesse beschäftigt.

Rüdiger Fries arbeitet als freier Mitarbeiter für das Medienkompetenzzentrum der Landesmedienanstalt Saarland. Insbesondere führt er Seminare & Workshops zur Medienbildung für Senioren und Schulkinder durch. Außerdem konzipiert er zusammen mit dem „Netzwerk Entwicklungspolitik Saarland“ das Projekt „Chat der Welten“ für saarländische Schulen.

Kerstin Heinemann arbeitet als Dipl. Religionspädagogin (FH) in der Katholischen Fachstelle für Jugend- und Bildungsarbeit in Freising, ist Medienpädagogin und Mitglied der Expertenkommission Neue Medien der Deutschen Bischofskonferenz. Ihre Schwerpunkte sind Social Media und Medien in Bildungs- und Partizipationsprozessen.

Eike  Rösch arbeitet als Medienpädagoge beim Institut für Medienpädagogik im Landesfilmdienst Rheinland-Pfalz e.V. Im Medienpädagogik Praxis-Blog schreibt er zu Entwicklungen, Materialien und Methoden der Medienpädagogik, insbesondere in Bezug auf Video und Social Media. Er ist einer der Sprecher der Fachgruppe „fast forward“ der GMK –  Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur.

Daniel Seitz arbeitet als Medienpädagoge beim Medienkulturzentrum Dresden und Mediale Pfade. Seine Schwerpunkte sind mobiles Spielen und Lernen sowie Game Design. Er ist einer der Sprecher der Fachgruppe „fast forward“ der GMK –  Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de

28 Kommentare

  1. marc am 07.06.2011:

    schöne idee, diese diskussion hier anzustossen.

    hier mal mein kommentar zu den punkten, zu denen mir direkt was eingefallen ist. Ich freue mich schon auf die diskussion und das ergebnis.
    „1. Hierarchiefreiheit, Offenheit und Transparenz sind die Grundkonstanten von Bildungsprozessen der Digitalen Kultur. Sie sind Grundlage und beschreiben die Art der Partizipation und Mitgestaltung sowohl an Lern- und Bildungskultur, als auch an politischen Entscheidungen und damit an gesellschaftlichen Prozessen.“
    ich denke, dass dies eine schöne vorstellung ist, aber leider nicht der realität entspricht. Vielleicht sollte man an dieser stelle das ganze eher als ziel formulieren.
    Letztendlich taucht an dieser Stelle ja schon das grundlegende Problem von Bildungs- und Erziehungsideen auf, nämlich das Verhältnis von Freiheit und Zwang.

    Vorschlag: „Hierarchiefreiheit, Offenheit und Transparenz sind Ziel von Bildungsprozessen der Digitalen Kultur. Sie sind zugleich eine wichtige Grundlage und beschreiben die Art der Partizipation und Mitgestaltung sowohl an Lern- und Bildungskultur, als auch an politischen Entscheidungen und damit an gesellschaftlichen Prozessen, die es zu erreichen gilt.

    „6. Lernen durch Machen. Die zunehmend komplexeren Systeme, ermöglichen eine verständnisvolle Auseinandersetzung nur dann, wenn man sich aktiv mit den Systemen auseinandersetzt und sie damit reproduziert“ – hier könnte man ergänzen: „und weiterentwickelt.“

    viele grüße
    marc

  2. Heidi Schließer-Sekulla am 07.06.2011:

    Hallo,

    finde Eure Initiative toll und gehe bei allen aufgezählten Punkten so weit mit. Gebe aber marc recht, dass einige Punkte nach wie vor „Ziele“ sind und vielleicht auch bleiben!?

    Meine Erfahrung der letzten Jahre ist, dass „unter ungünstigsten Bedingungen“ die digitalen Entwicklungen in Bezug auf Kommunikationsvielfalt und Partizipation die Gräben, die zwischen gesellschaftlichen Schichten bestehen, sogar verschärfen und vertiefen. Das heisst aber nicht, dass ich es nicht gut fände, wenn es einen Konsenz gäbe, in dem das, was ihr inhaltlich schreibt, grundlegend umgesetzt wäre gesellschaftlich und kulturell. Klingt kompliziert- ist es wahrscheinlich auch.

    Ich würde vielleicht einfach nicht voraussetzen, dass a) die Gruppe an Menschen, die mittlerweile social media bewusst nutzt- die „Masse“ ist, sondern eine ganz bestimmte Zielgruppe (mit Schwerpunkt auf die schreibende Zunft) und b) man auch davon ausgehen muss, dass nicht alle Menschen per se bereit sind in dieser Konsequenz (also mit Haut und Haar) sich auf eine digitale Kultur einzulassen.

    Andersrum gewendet: wir können als Medienpädagogen so viel Wünsche äußern wie wir wollen- die gesellschaftliche Entwicklung lässt sich – aus meiner Sicht- nicht beschleunigen. Es werden sich bestimmt auch digitale Innovationen wieder „aussortieren“. Das ist sogar sehr wahrscheinlich.

    Den medienpädagogischen Bildungsauftrag sehe ich hier in der „Schaffung einer Balance“ und der Stärkung von Orientierungskompetenz.

    Bin gespannt, wie die Diskussion hier weiter geht.
    Viele Grüße,
    Heidi

  3. Björn am 07.06.2011:

    Die Digitale Kultur, wie wir sie heute erleben, wird meist von kommerziellen Anbietern wie Google, Facebook, Apple & Co. dominiert. Unkommerzielle Gegenangebote wie Diaspora, WordPress, Wikipedia usw. werden von der breiten Masse nicht wahrgenommen, von Kindern und Jugendlichen schon gar nicht. Vielleicht sollte man als Punkt 8 einen Hinweis auf die Förderung der kritischen Auseinandersetzung mit den Anbietern aufnehmen? Vorschlag:

    „8. Bei der Nutzung digitaler Medien ist ein kritischer Blick auf die Angebote und die dahinterstehenden Anbieter von grundlegender Bedeutung. Die informationelle Selbstbestimmung der Nutzer/innen muss in der pädagogischen Arbeit respektiert und gefördert werden, beispielsweise durch die Verwendung freier, quelloffener und unkommerzieller Angebote.“

  4. Michael am 07.06.2011:

    Hallo,
    ich kann mich in den genannten Punkten eigentlich überall wiederfinden. Das Bildungssystem wird sich zwangsläufig komplett verändern müssen, die Frage ist nur wie und in welche Richtung. Das Verhältnis formeller und informeller Bildung ist heute schon (für Privilegierte praktisch und für alle zumindest theoretisch) ein völlig anderes als noch vor wenigen Jahren.

    Das Problem bzw. die Trägheit sehe ich eher bei den vorhandenen Bildungsinstitutionen. Wo sind bspw. die mit öffentlichen Mitteln geförderten und in ausreichendem Maße vorhandenen freien Bildungsinhalte (OER)?
    Die Frage ist ob solche Forderungen auch in das Manifest sollten.

    Die Transformation des Bildungssystems wird spannend weil bestimmte etablierte Konzepte der Aus- und Weiterbildung obsolet werden und welcher Pädagoge sieht schon gerne den eigenen Gegenstand (scheinbar) davon schwimmen.

  5. Lars Gräßer am 07.06.2011:

    @ Michael: „Digitale Medien müssen allen zur Verfügung stehen, damit sie bei Bedarf eingesetzt werden können und nicht allein denjenigen vorbehalten bleiben, die sie sich leisten können“ verstehe ich als Plädoyer für offene Bildungsrresourcen.
    @heidi: „Den medienpädagogischen Bildungsauftrag sehe ich hier in der “Schaffung einer Balance” und der Stärkung von Orientierungskompetenz.“ Völlig richtig! Daher würde ich für eine Neubelebung medienökologischer Ansätze eintreten. Vor dem Hintergrund von Social Media sollten die Konzepte aus den 80er und 90er Jahren weiter entwickelt werden.
    @Björn: Digitale (Bildungs)Kultur darf nicht gegen Konzepte einer informationellen Selbstbestimmung ausgespielt werden.
    @all: Unerwähnt scheint mir die Zielperspektive – der Eintritt in den normativen Diskurs. An anderer Stelle habe ich mich schon mal für „Lebensqualität als Zielperspektive“ stark gemacht (http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/gapski_graesser_medienkompetenz/gapski_graesser_medienkompetenz.pdf). Ob das ausreicht? Und.

  6. Sabine Hueber am 07.06.2011:

    Na endlich. 🙂 Ich dachte schon, die allgemeine Diskussion rund um den Open Course würde gar nicht weiter gehen. Vielen Dank für diese interessanten Thesen. Ich bin mal so frei, diesen Blog als Lesetipp zu Twittern. Da war es so still die letzten Tage.

    Und ich hoffe, dass sich an der Diskussion neben Medienpädagogen auch andere Berufsgruppen beteiligen können.

    Die Thesen zur (Bildungs-) Kultur würde ich unbedingt noch durch solche Dinge ergänzen wie „Nettiquette“ und Medien-Ethik.

    Und ich frage mich: Was bedeutet denn eine neue Bildungs-Kultur für unser Menschenbild? Welche Eigenschaften bzw. Kompetenzen benötigt der Homo-Medialis, um sich in seiner Umwelt zurecht zu finden? Vielleicht gehört das nicht unbedingt in ein Thesenpapier? Vielleicht könnte man es etwas allgemeiner formulieren? Ich weiß es nicht…. Noch nicht.

    Nun bin ich gespannt, wie es weiter geht.

  7. Arne Busse am 07.06.2011:

    Herzlichen Dank für diese sehr gute und wichtige Initiative! Gerne will ich den Weg zu einem Manifest mitgehen: ich unterstütze Marcs Vorschlag, statt Grundkonstanten besser von Zielen zu sprechen. Ich bin auch eher vorsichtiger und würde gerne Formulierungen vermeiden, die den Eindruck erwecken könnten, dass das Manifest an eine digitalen Medien innewohnende Qualität glaubt (eben Hierarchiefreiheit …). Dementsprechend finde ich es wichtig zu betonen, dass Technik, Technologie den Bedürfnissen der Menschen zu dienen hat. Vorschlag: Digitale Medien sollen allen Menschen ermöglichen, ihr Bedürfnis nach Kommunikation und gesellschaftlicher Teilhabe besser zu erfüllen. Digitale Technologien müssen menschlichen Anforderungen insoweit gerecht werden, dass jeder Mensch unabhängig von Bildungsgrad und sozialer Situation in die Lage versetzt ist, diese nutzen zu können.

  8. Olli am 08.06.2011:

    Hallo an alle,

    gut, dass hier diese Thesen zusammengefasst zur Diskussion gestellt werden. Im Wesentlichen kann ich voll mitgehen, wobei mir bei 5. noch nicht ganz aufgeht, weshalb es kein Analoges ohne Digitales geben sollte. In vielen Bereichen geht dies sehr wohl, wenn man sich bewußt dafür entscheidet.

    Ich glaube, dass es gerade der Ausbildung eines Bewußtseins bedarf (bei allen jeweils Beteiligten), um die progressiven und kreativen Möglichkeiten der Digitalisierung unseres Lebens zu erkennen und sinnbringend zu nutzen. Genauso bedarf es des Bewußtseins, welches Maß für mich dabei sinnvoll und nötig ist. Dieses Maß kann, wird und sollte für jeden individuell sein! Für mich bedeutet Kompetenz nicht nur die maximal nützliche Beherrschung und Verwendung des Möglichen sondern unbedingt auch die Fähigkeit, dass sinnvolle Maß dessen für mich zu bewerten und zu praktizieren.

    Ich finde mich bei den Gedanken von @Heidi wieder, in der Beschreibung von Gefahren einer möglichen Verschärfung gesellschaftlicher Gräben und in der Zielrichtung Balance und Orientierung.
    Solange unzählige Schulgebäude baufällig, Lehrer ausgebrannt und inkompetent sind und Kids auf Schulessen oder eigenes Obst verzichten müssen, wirkt der Wunsch z.b. Schulen komplett digital auszustatten etwas oversized.

    Es gibt viele Kollegen aus den Jugendbereichen,die nach wie vor sehr zurückhaltend (oft auch bewußt nach eigenen Erfahrungen) gegenüber z.b. Sozialen Netzwerken und einer schnellen Digitalisierung sind und erleben das auch teilweise bei ihren Jugendlichen. Es wäre fatal, all diese Menschen in den gegenwärtigen Entwicklungen zurückzulassen, auch wenn das bedeutet, dass manch einer aus unseren Kreisen die Entschleunigung als unerträgliche Verlangsamung empfinden mag.

    In Erwartung spannender Diskussionen und Input,

    Euer Olli 😉

  9. Andre am 08.06.2011:

    Hallo,

    ich bin gespannt wie sich das hier weiter entwickeln wird und geben gern meine Gedanken dazu …

    zu 3. finde ich wichtig den Eltern den momentan stattfindenden Paradigmenwechsel zu erklären –> Kinder wissen mehr über Internet und den Computerkrams als sie selber. Eltern können und müssen von den Kindern lernen –> das ist eine Chance und führt uns zu einem veränderten Bild / Verhältnis in der Erziehung / Bildung. Eltern müssen nicht immer allwissende Vorbilder sein, die den Kindern sagen wo es langgeht, aber sie müssen Interesse für das haben was die Kinder bewegt / interessiert und wo sie gerade sind (im Internet) … gemeinsam können sie das dann bewerten und Regeln für den Umgang festlegen

    zu 5. das sehe ich anders … für viele Menschen wird es auch sehr gut ohne das digitale gehen –> das Eine wird das Andere nicht komplett ablösen / es wird immer beides geben –> das erlebe ich gerade in der Schulung meiner KollegInnen aber auch bei einigen Jugendlichen, die ja eigentlich „digital-natives“ sein sollten, es muss nur Hand in Hand gehen … beide Welten müssen berücksichtigt werden .

    @ Björn –> deinen Punkt 8. finde ich gut –> der sollte mit aufgenommen werden; ich benutze in der medienpädagogischen Arbeit mit den Kindern / Jugendlichen auch immer freie Software

    @ Michael –> sehe ich auch so … das Schulsystem wird sich komplett ändern müssen

    @ Olli –> ich will mich nicht aufhalten lassen von denen die lieber an den dem festhalten was sie kennen und nicht offen sind für neues / da sind mir die Maximen „learning by doing“ und „learning am Modell“ wichtig –> ich selber lerne die ganze Zeit dazu, das macht Spaß und eröffnet völlig neue Möglichkeiten und dadurch werde auch ich zum Modell von dem dann auch wieder andere lernen können

  10. herrlarbig am 09.06.2011:

    @1 Hierarchiefreiheit: Ist immer relativ. In Bildungsinstitutionen ist dieser Begriff nicht umsetzbar.
    @2 Verstehe ich nicht.
    @3 „Jeder hat ein Bildungsinteresse“ – ????
    „Austausch auf Augenhöhe“ – Mehr Floskel als Metapher
    @4 Bezug zu „digitaler Kulur“?
    @5 Verstehe ich nicht.
    @6 Verstehe ich nicht.
    @7 Ich erkennen keinerlei kritische Auseinandersetzung mit dem Zentrum des Artikels..

  11. Tobias Albers-Heinemann am 09.06.2011:

    Moin zusammen
    Ich denke, zwei Punkte sollen nicht ausser acht gelassen werden:
    1) die Kluft zwischen Medien nutzen können und nicht können ist nicht immer eine Frage des Geldes, sondern auch eine Frage der Infrastruktur. Solange es Regionen gibt, in denen es kein DSL gibt (z.B. die ganzen rheinhessischen Dörfer im Rhein-Main Gebiet), ist eine verallgemeinende Definition von digitaler Kultur schlecht möglich.

    2) Zum Thema digitale Kultur gehört auch die digitale Lebenswelt. Kinder und Jugendliche kennen kein Aufwachsen ohne Internet, ohne PC, ohne Handy. Ganz im Gegensatz dazu deren Eltern (und Lehrer), denen oftmals das Verständnis fehlt, dass diese Medien zum Lebensalltag dazu gehören. Diese Kluft gilt es zu Bedenken.

  12. Anu Pöyskö am 09.06.2011:

    Danke, Leute, für die interessanten Thesen!

    Ich schließe mich alljenen an, die in den vorherigen Postings schon dafür plädiert haben, statt von Grundkonstanten z.B. von Zielen zu sprechen. Alles andere kann – und ich weiß, dass das eure Denkeweise nicht ist – als Technikoptimismus missverstanden werden.Kommunikationstechnologien wohnen große gesellschaftsverändernde Potentiale inne, aber es bedarf medien- und bildungspolitischen Gestaltungswillen, damit sich diese auch entfalten können. Besonders Bildungssysteme zeigen sich dem Druck „von außen“ gegenüber (leider) extrem resistent; würden sie (quasi automatisch) verändern, wenn sich das kommunikative Umfeld radikalst ändert, müsste dies längst geschehen sein.

    Ich stimme mit Björn und Heidi überein, dass digitale Kommunikationsräume/systeme keinesfalls ad automatum hierarchiefrei, offen und
    transparent sind. Es mangelt ihnen neben Transparenz derzeit auch an Verlässlichkeit. Wir richten unsere Art zu kommunizieren und zu arbeiten nach Plattformen ein, die – worst case – mir nichts, dir nichts morgen abgedreht werden oder ihre Geschäfts(=Mitmach)bedingungen grundlegend ändern können. Demokratisierung der relevanten digitalen Kommunikationsmittel und -räume ist daher m.E. eine zentrale Forderung.

    Die Thesen beschreiben das qualitativ Neuartige in digitalen Bildungskulturen. Gleichzeitig sehe ich drin aber auch viele Anknüpfungspunkte an (medien-)pädagogische Diskurse mit langen Traditionen. Nicht-hierarchische Bildungsverhältnisse sind eine uralte – deswegen nicht weniger relevante! – Forderung vieler reformpädagogischer Bewegungen. Wo handlungsorientierte Medienarbeit in Bezug zu freien, nicht-kommerziellen Medien steht (und hier gibt/gab es häufig eine enge Bindung), dort ging es nie um „Kommunikation spielen“, sondern stets um eine echte Teilhabe an gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen. So etwa seit Brecht ;-). Ich meine dies jetzt nicht als Kritik, sondern nur als Hinweis, dass es gerade in unserem Bereich, wo so viel (meist negative) Aufregung über „noch nie da gewesene Dinge“ gibt, wichtig ist, auch auf die Kontinuitäten zu achten.
    Insgesamt irritiert mich die Formulierung im Punkt 4. ein wenig: wieso richtet sich die Forderung, das Entstandene emanzipatorisch zu nutzen, an die Gesellschaft und nicht an das einzelnen handelnden Subjekt?

    Und dann zum Schluss noch ein Plädoyer für einen ganzheitlicheren Medienbegriff. Mit „digital“ hat „analog“ nicht aufgehört zu existieren, sondern beides ging ein stückweit ineinander auf. In den Lebenswelten von (nicht nur) Kindern und Jugendlichen haben analoge, haptische Medien von Kleidung über Zeichnungen bis Tanz/Bewegung ihren fixen Platz und Bedeutung. Den Punkt 7 fände ich daher ohne „digital“ stimmiger. Medien, und damit meine ich alle Zeichensysteme für Ausdruck, Kommunikation und Verständigung, gehören in die Mitte von Bildungsprozessen; und zwar alle, die uns heute zur Verfügung stehen, und alle die erst im Entstehen sind.

  13. Conny am 09.06.2011:

    Hallo,
    klasse Sache hier. 🙂
    Stimme den Zielen zu. (sind für mich auch eher Ziele als Grundsätze)
    Schön fände ich allerdings auch, wie mein Vorschreiber, die direkt augesprochene Forderung jedem Bürger (bzw. Haushalt) das Recht auf einen Internetanschluss zu gewähren, denn selbstverschuldet ist doch die mangelnde Aufklärung nur, wenn man auch die Möglichkeit hatte. Die Hürden um auf ländlichen Gebieten online zu sein ist in Deutschland noch zu hoch!
    Ansonsten tolle Sache! Ich binn Dabei. 🙂

  14. Eike Rösch am 09.06.2011:

    Wow, ich bin beeindruckt von der breiten Resonanz und den sehr wertvollen und umfangreichen Ergänzungen. Danke!

    Bei der Hierarchiefreiheit nur von Zielen zu sprechen, greift mir zu kurz. Ihr habt recht, wenn Ihr schreibt, dass die Forderung danach schon seit langem zum pädagogischen Repertoire gehört. Das Besondere ist ja nun, dass nun immense Bewegung in die Sache kommt: Ein Grund (aus meiner Sicht) für die Diskussionen und Konflikte in der jüngsten Vergangenheit war ja, dass zwei Kulturen aufeinandergeprallt sind – die ‚traditionelle‘, wo es „ReferentInnen“ und „TeilnehmerInnen“ gibt und die ‚digitale‘, wo alle mitreden und mitgestalten wollen.

    Das die Hierarchiefreiheit nicht erreicht ist, das sehe ich auch so (gewisse und noch so kleine Hierarchien werden immer zu finden sein). Aber das Grundverständnis ist ein anderes geworden: Alle zusammen. Gemeinsam. Auf Augenhöhe.

    „Ziel“ ist mir daher viel zu wenig. „Grundkonstante“ triffts vielleicht auch nicht. Aber vielleicht versteht Ihr, um was es mir geht und wir finden einen besseren Begriff. „Selbstverständnis“ wäre eine andere Möglichkeit.

  15. Katja Friedrich am 09.06.2011:

    Wie immer tue ich mich schwer, so komplexe Themen in einem Kommentar abzuhandeln… Deshalb tue ich es so selten. Auf jeden Fall möchte ich aber die Anmerkung in die Diskussion einspeisen, dass Punkt 4 aus meiner Sicht sehr problematisch i…st. („Handlungsorientierung sollte nach Möglichkeit kein Selbstzweck sein- (warum nicht?) -, sondern Ergebnisse hervorbringen, die der Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden – (wer ist „die Gesellschaft“? warum ist das gut, das zu tun?) – um von dieser emanzipierende genutzt zu werden.“). Darüber könnte man sehr sehr lange diskutieren! Was ist mit Schillers „homo ludens“, der zweckfrei spielt und dadurch Freiheit erlangt? (bin gerade von den Mannheimer Schillertagen inspiriert! 🙂 )Mehr anzeigen

  16. Tobias Hübner am 09.06.2011:

    Hier mein Kommentar zu dem Manifest:

    http://medienistik.wordpress.com/2011/06/09/uber-sinn-und-unsinn-von-bildungs-manifesten/

  17. Daniel Seitz am 09.06.2011:

    @Tobias Hübner:
    Zu deinen Fragen:
    Warum hatte das Medienpädagogische Manifest keinen Erfolg?
    Was soll das Manifest bewirken? Wie zeigt sich diese Wirkung?
    Was ist das Neue an dem Manifest?
    Wer ist die Zielgruppe?

    a) Woran machst du das fest? Ein breites Bündnis medienpädagogischer Institiutionen und der Schulterschluss, der uns die letzten vielen Jahre aufgrund alter Geschichten gefehlt hat, sind riesen Erfolge. Und die Kampagne geht hoffentlich weiter, die Frage, wie die Kampagne deutlich größere Erfolge haben könnte, sollte man deswegen weiter stellen, da geb ich dir Recht!

    b und d) Zielgruppe sind (erstmal) MedienpädagogInnen, das hatten wir eingangs erwähnt und im ersten Schritt auch so adressiert. Die Erfahrung, zum Beispiel beim Kongress zu KBOM hat uns nochmals deutlich verstärkt, dass es einen großen inhatlichen Diskussionsbedarf in der Medienpädagogik gibt, den ich weder als Graben beschreiben will, noch Lager aufmachen in dem ich zwischen alt und jung oder Theorie und Praxis unterscheide, denn beides würde es nicht treffen. Dies ist ein Versuch, die Diskussion positiv und vor allem konstruktiv und gemeinsam zu gestalten. Du bist herzlich eingeladen.

    c) Zum Beispiel die Art der Entstehung – wir bitten dich (und alle anderen) nicht, zu unterzeichnen. Wir bitten dich (und alle anderen), ein Manifest zu formulieren, dass uns gemeinsam in unserer Arbeit unterstützt.

  18. Tobias Hübner am 10.06.2011:

    @Daniel Seitz

    a) Den mangelnden Erfolg des Medienpädagogischen Manifests mache ich daran fest, dass es trotz hochkarätiger Partner recht wenig Berichterstattung in der Presse gab. Auch wurde soweit ich weiß keine der genannten Forderungen erfüllt und ich kenne auch keinen Plan, wie man diese erreichen will. Mir ist zudem bislang kein einziger konkreter Erfolg bekannt, den die Initiative erreicht hat. Und gab es auf dem Kongress wirklich ein breites Bündnis und einen Schulterschluss? Ich war dort und da wurde auch ziemlich viel Unmut geäußert, der in dem offenen Brief treffend dokumentiert wurde.

    b) Wenn das Manifest nur dazu dienen soll, Medienpädagogen zur Diskussion anzuregen, dann halte ich es für überflüssig, denn eine Diskussion über Social Media in der pädagogischen Arbeit braucht keinen Anstoss, sie läuft bereits. Ich weiß auch nicht, was es bringen soll, mit vielen Leuten um Formulierungen zu ringen für ein Manifest, das nur dazu dienen soll, eine Diskussion anzuregen. Ein Manifest ist nicht in der Lage, eine Diskussion „positiv und vor allem konstruktiv und gemeinsam zu gestalten“. Ein Manifest formuliert Forderungen und gestaltet keine Diskussion.

    c) Wir haben auf dem KBoM-Kongress stundenlang um unser Gruppenstatement gerungen und da waren wir nur drei Leute. Über Kommentareinträge so ein Manifest zu formulieren halte ich für nicht praktikabel – am Ende werden doch zwei oder drei Leute die Endredaktion übernehmen müssen. Und mal ehrlich: Warum sollte dieses Manifest die Kraft haben, mich bei meiner Arbeit unterstützen?

    Ich sage damit nichts gegen die Ziele und Absichten, die hinter dem Manifest stecken, aber ich halte die Vorgehensweise bzw. die Bezeichnung „Manifest“ für unangemessen.

  19. Daniel Seitz am 10.06.2011:

    @Tobias Hübner: „Ich sage damit nichts gegen die Ziele und Absichten, die hinter dem Manifest stecken, aber ich halte die Vorgehensweise bzw. die Bezeichnung „Manifest“ für unangemessen.“

    Zur Kenntnis genommen, wir werden sehen..

  20. Eike Rösch am 11.06.2011:

    Ich finde Tobi (Hübner)s Fragen gut: Ziel, Zielgruppe sowie praktische Ideen können dazu beitragen, die Idee klarer zu machen.

    Dass eine Diskussion in der Medienpädagogik überflüssig sein soll, das bezweifle ich allerdings stark. Ich möchte mit der ganzen Aktion deutlich und positiv (!) das Neue an der digitalen Kultur in Bezug auf pädagogische Tätigkeit formulieren, um diese Kultur in der (Medien)Pädagogik fester zu etablieren.

    Sicher ist das für einige (Medien)PädagogInnen nicht unbedingt was neues – dass aber einiger Bedarf besteht, offen darüber zu reden, das hat unter anderem der Eklat auf dem KBoM-Kongress gezeigt.

    Mir gehts um sowas wie „digital mainstreaming“. An der „Basis“ ist das mehr und mehr eine Selbstverständlichkeit – in anderen Bereichen der Medienpädagogik aber immer noch ein NoGo. Das möchte ich ändern. Ob „Manifest“ der richtige Begriff ist, darüber lässt sich streiten. Seine Inhalte sind aber wichtig und alles andere als trivial.

  21. Tobias Hübner am 11.06.2011:

    Hi Eike,

    danke für die Klarstellung, jetzt weiß ich besser, was das Ziel der Aktion sein soll. Ich kritisiere auch nicht eure Intention oder eure Standpunkte. Da weiß ich, dass wir nicht so weit auseinanderliegen. Ich will auch keinen positiven Tatendrang ausbremsen. Mein Anliegen betrifft die Form & Vorgehensweise.

    In der jetzigen Form (die ist nicht endgültig, ich weiß, aber ich gehe mal davon aus, dass die finale Version so etwas wie eine Ausformulierung der vorgegebenen Punkte ist) wäre das Manifest FÜR MICH wertlos, es sei denn, es würde dazu führen, eine Gruppe von Leuten zu formieren, die gemeinsam an etwas arbeiten. Aber das geschieht ja momentan schon und das ist etwas, was ich als ungemein bereichernd empfinde.

    Aber genug gemeckert – nun mal konstruktiv: Was ich mir wünsche, was mich wirklich bei meiner Arbeit unterstützen und sicherlich auch das Manifest weiterbringen würde, wären glasklar formulierte (keine Buzz-Words), provokante & innovative Antworten auf folgende drei Fragen:

    WAS IST MEDIENPÄDAGOGIK?

    WAS TUT EIN MEDIENPÄDAGOGE?

    WIE VERBESSERT MEDIENPÄDAGOGIK DIE WELT?

    Und jetzt seid ihr dran!

  22. Wilhelm Rinschen am 23.06.2011:

    • WAS IST MEDIENPÄDAGOGIK?
    • WAS TUT EIN MEDIENPÄDAGOGE?
    • WIE VERBESSERT MEDIENPÄDAGOGIK DIE WELT?

    Die heranwachsende Generation nimmt die neusten Entwicklungen im Bereich der IT Technik meist mit einer enormen Begeisterung auf und versuchen sich ihrer zu bedienen. Mit großer Neugier und Freude betritt sie die „Cyber-Welt“ und versucht hier neue Möglichkeiten zu erkunden. Kinder und Jugendliche betreten hier eine für sie „rechtsfreie Welt“ in der die Ordnung und Werte des „normalen Lebens“ keine Gültigkeit haben. Die heutige Pädagogik (in der offenen und schulischen Jugendarbeit) tut sich sehr schwer auf die neuen Anforderungen in der Erziehung einzugehen! Selbst wenn dieses ihr jedoch gelänge, wird sie auf das (von Hartmut Rosa in seinem Buch beschriebenen) Phänomen der „Beschleunigung“ stoßen! Die Geschwindigkeit der Entwicklungen in unserer technischen Welt wird immer schneller und scheint dabei zu sein, unsere Gesellschaft, mit ihren Regeln und Werten, zu überholen.
    Meines Wissens gab es in der Menschheitsgeschichte noch niemals eine Epoche, in der besonders die nachfolgend heranwachsende Generation derartig alleingelassen und überfordert war, wie das heutzutage zu beobachten ist.
    Bei einer Diskussion um „medienpädagogische“ oder sonstigen schulischen „Interventionsprojekten“ sollte man sich über die begrenzten finanziellen Ressourcen im Bildungsbereich im Klaren sein. Hoch subventionierte Modellprojekte werden hier wenig ausrichten können. Meines Erachtens kann hier nur ein struktureller Wandel in der (schulischen) Bildungslandschaft nützlich sein.
    Weite Teile der Gesellschaft scheinen sich nicht darüber im Klaren zu sein, in welch einem gesellschaftlichen Umbruch wir leben! Gut ausgebildete Medienpädagogen könnten in diesem Szenario als Multiplikatoren unterstützend tätig werden und Hilfestellungen zu leisten. Gelänge es die klassischen statischen Elemente eines Manifestes um eine neue mediale Dynamik zu bereichern, wäre man schon einen erheblichen Schritt vorangekommen!
    Wilhelm Rinschen

  23. Olli am 25.06.2011:

    Bald ist der 1. Juli – deshalb noch ein paar Gedanken zum Kontext:

    zu 1.) Offenheit und Transparenz ja, Hierarchiefreiheit in Bildungsprozessen ist wohl unvermeidbar, sollte aber auf ein Mindestmaß reduzierbar sein.
    zu 2.) Digitale Kultur(techniken) durchdringen Lernen/ Bildung eher auf einer neuen ebene, als dass sie diese weiter entwickeln. weiterentwicklung sehe ich beispielsweise bei Partizipation, durch den Wegfall analoger/ regionaler Schranken unter Orientierung am individuellen Nutzen.
    zu 3.) Digitale Bildungskultur erweitert den Kreis der Beteiligten, Aktiven und Rezipienten. Die dadurch enstehende Direktheit und vielfalt befördert ggf. Bildungsinteressen.
    zu 4.) Handlungsorientierung/ Didaktik dürfen nicht Selbstzweck sein, sondern sich an Partizipation, Emanzipation und Befähigung zur relativen Selbständigkeit messen.
    zu 5.) Die gegenseitige Durchdringung analoger und digitaler Welten sollten zur Selbstverständlichkeit werden, ohne sich gegenseitig auszuschliessen oder zu reduzieren.
    zu 6.) Digitale Bildungskultur ermöglicht oft eine schnellere und anschaulichere Ergebnisgewinnung und sollte sich dabei an den Nutzerinteressen orientieren. Oberstes Ziel sollte sein, (noch) komplexe Steuerungssysteme soweit möglich, für eine breite Nutzbarkeit zu vereinfachen.
    zu 7.) k.A.

    Zusammenfassend noch ein paar Grundgedanken:
    – MedPäd muss alle Menschen erreichen
    – MedPäd muss einfach und anschaulich sein
    – MedPäd muss den Menschen im Blick haben, die Technik ist nur Mittel zum Zweck
    – MedPäd ist Basisarbeit für Nachhaltigkeit und Multiplikation
    – MedPäd arbeitet im alltäglichen Erleben und erreicht die Nutzer unter Berücksichtigung ihrer individuellen Ausgangssituationen
    – MedPäd ist (auch) Wertevermittlung und Charakterbildung
    – MedPäd findet ihren Erfolg in unzähligen Mikroprojekten statt in wenigen Leuchtturmprojekten
    – MedPäd benötigt für den Erfolg eine (auch niederschwellige) Zusammenarbeit aller Bereiche der Gesellschaft und deshalb eine breite ressortübergreifende Finanzierung

    Ich gehe auch mit den Aussagen von Wilhelm Rinschen mit, wobei ich die „Rechtsfreiheit“ und die „fehlende Wertegültigkeit“ so nicht sehe. Jeder Nutzer hat ein mehr oder weniger ausgeprägtes, individuelles Rechts- und Wertebild. Vor einem Rechner ensteht infolge eines fehlenden „realen“ Gegenübers aber der Scheineindruck von „Anonymität“, die abhängig vom Charakter ggf. zu Überschreitungen der Norm verleitet.
    Deshalb sind m.M.n. eher Wertevermittlung und Entzauberung der „Anonymität“ in der Mediennutzung zielführend.

  24. Angelika Beranek am 27.06.2011:

    Hallo,
    erst mal danke für die Initiative 😉 –
    leider kam ich erst recht spät dazu mir das hier alles durchzulesen. Vieles ist schon gesagt…aber zwei Punkte würd ich auch gerne nochmal aufgreifen:
    zu 4. Handlungsorientierung sollte nach Möglichkeit kein Selbstzweck sein,
    – je nachdem, ob ich die Aussage richtig verstehe oder nicht…finde ich Handlungsorientierung zwar nicht als Selbstzweck, aber als Lernmethode sehr schön. Je nach Gruppe mit der gearbeitet wird, kann ich nicht erwarten tolle Ergebnisse zu erzielen sondern muss im Verlauf des Projektes das Ergebnis sehen. Steht bei euch Handlungsorientierung als Synonym für Prozessorientierung oder wie wird das genau verstanden??? ( mir fehlt eine genaue Definition)
    zu 5. Es gibt kein Analoges ohne Digitales, die Trennung ist aufgehoben.
    Schreibt ihr hier selbt…beim Lesen der Punkte hat man jedoch den Eindruck, dass digitales als besser und wertvoller angesehen wird als „analoges“. Besser als ein “ die Trennung ist aufgehoben“ würde ich ein „beides ist gleichwertig zu betrachten“ sehen. Ich versteh,was ihr mit dem Satz meint, denke aber er wird von Leuten die nicht aus dem Feld der Medien/pädagogik kommen nicht verstanden, sondern führt so eher zu einem verständnislosen *ähm*. Leider hab ich grad auch keine tolle Alternativformulierung im Kopf- versuch aber noch eine zu finden.
    So und nochmal Danke 😉

  25. Cybwiz am 28.06.2011:

    Kurz vor knapp, aber heute habe ich doch mal Zeit gefunden, mich mit dem „Manifest“ zu beschäftigen und musste mich doch ziemlich durch die teilweise „verschwurbelten“ Thesen kämpfen. Es wird mir nicht so ganz klar, worauf ihr bei dem ganzen hinauswollt. Ich denke, daran ist der oft benutzte Begriff der Kultur (Digitale Kultur, Bildungskultur, Lernkultur, Partizipationskultur etc.) Schuld. Eigentlich müsstet ihr dann vor allem erstmal anfangen zu definieren, was eine „digitale Kultur“ ausmacht (und dann auch noch „Digitale (Bildungs-) Kultur“). Im Text jedenfalls finde ich das nicht. In einer digitalen Kultur leben wir m.E. noch lange nicht (wollen wir das überhaupt?), eher schon in einer digitalen Gesellschaft. (Zur digitalen Kultur führt vielleicht erst ein neues Bildungssystem) Ich finde da im Text sowohl Thesen einer digitalen Gesellschaft, wie auch Forderungen nach einem veränderten Bildungssystem. Den Kulturbegriff würde ich erstmal raus lassen, dann wird das Manifest verständlicher. Digitale (Bildungs) Kultur hört sich vielleicht erstmal ganz wichtig an, im Grunde geht es doch eher um die Transformation des Bildungssystem in einer digitalen Gesellschaft.

    Ich finde es einen guten Vorschlag unbedingt die Zielperspektive voran zu stellen, die Lars und Arne da schon so schön genannt haben: Lebensqualität und Erfüllung des Bedürfnis nach Kommunikation und gesellschaftlicher Teilhabe. Hier spielen digitale Medien eine große Rolle oder könnten eine große Rolle spielen, wenn unser Bildungssystem sie adäquater einbeziehen würde.

    Im einzelnen:

    Zu 1. Hierarchiefreiheit, Offenheit und Transparenz sind immer gut. Ob sich das in einer digitalen Kultur quasi von selbst ergibt, bezweifele ich.

    Bei 2. geht es mir wie Herrlarbig: Verstehe ich nicht.Brauchen wir nicht erstmal eine neue Lern-, Bildungs- und Partizipationskultur bevor wir eine digitale Kultur schaffen. Oder ist hiermit gemeint: Bildung in einer digitalen Gesellschaft bedeutet nicht nur den Einsatz digitaler Technik, sondern eine veränderte Lern-, Bildungs- und Partizipationskultur.

    Zu 3.: Vielleicht besser: Digitale Medien schaffen die Möglichkeit mehr Menschen in einen Austausch auf Augenhöhe einzubinden.

    Zu 4.: Ich finde die Latte hier sehr hoch gelegt. Sehe ich genauso wie Katja Friedrich: Hier werden gerade Formen spielerischen Lernens ausgeschlossen.

    Zu 5.: Es gibt kein Digitales ohne Analoges! Fördert allein die Nutzung sozialer Netzwerke Hierarchiefreiheit, Offenheit und Transparenz???

    Zu 6.: Aktive Auseinandersetzung ist immer gut

    Zu 7.: Das wäre eine gute erste These!

    Letztendlich: Wenn es um eine Änderung des Bildungssystems geht, könnte so ein Manifest konkreter werden und eine radikale Änderung des Schulsystems (oder struktureller Wandel, wie es Wilhelm Rinschen netter formuliert) deutlicher benennen. Das würde ich sofort unterschreiben. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum sich das Manifest nur an Medienpädagogen (Daniel) bzw. (Medien)pädagogik richtet. Klar fehlt hier teilweise auch das Bewusstsein, letztendlich muss es aber um politische Forderungen gehen.

    Ansonsten danke für den Anstoss zum Nachdenken und Austausch und ich bin sehr gespannt auf eine nächste Version 2.0 ;-)) des Manifests.

  26. JFF - Institut für Medienpädagogik am 29.07.2011:

    Obwohl die Frist abgelaufen ist, möchten wir uns jetzt noch für den Manifest-Entwurf bedanken. Aufgrund von Pfingstferien und zahlreichen Aktivitäten vor der bayerischen Sommerpause, sind wir spät dran. So oder so, auch wir haben den Entwurf gelesen und diskutiert. Es ist eine super Anregung zum Weiterdenken und Weiterentwickeln. Vielem von dem, was von all jenen geschrieben wurde, die schneller waren als wir, stimmen wir zu. Es gilt auf jeden Fall, Zieldimensionen zu entwickeln und zwischen Grundlagen und Zielen zu differenzieren. Nachdem man bei Grundlagen davon ausgeht, dass sie vorhanden sind, würde sich sonst das Streben nach Hierarchiefreiheit, Offenheit und Transparenz erübrigen.
    Auch stellt sich die Frage, ob die Ziele in ein Gesamtkonzept eingebunden sind. Geht es noch um die Förderung von Medienkompetenz und damit um die Orientierung an erprobten Konzepten im normativen Rahmen von kommunikativen Kompetenz oder bedarf es völlig neuer Konzepte und worauf begründen sich diese? Viele angesprochene Prinzipien sprechen dafür, dass die Theorien von Habermas u.a. nach wie vor Bestand haben. Wenn es beispielsweise um Handlungsorientierung und die Rolle des entstehenden Produkts geht oder auch um Emanzipation. Die Betonung der aktiven Auseinandersetzung mit Medien findet sich auch in der aktiven Medienarbeit wieder, die bis heute die Arbeit des JFF fundiert. Vielleicht bedarf es hier Aktualisierungen, vielleicht können aber auch zentrale Prinzipien übernommen werden?
    Ausgangspunkt für handlungsorientierte Theorien muss immer der Mensch als handlungsfähiges Subjekt sein. Dies wird im Text und auch in vielen Kommentaren als gemeinsame Grundlage deutlich. Bei der Diskussion und Weiterentwicklung der Medienpädagogik hinsichtlich digitaler Jugendbildung scheint es uns aber nochmal besonders wichtig zu betonen, dass wir uns an alle Kinder und Jugendlichen richten. Zielgruppen sind somit die technikaffinen aktiven Gestalterinnen und Gestalter in sozialen Netzwerken ebenso wie all jene, die noch unsicher und weniger aktiv mit Medien umgehen.
    Ein Spannungsfeld sehen wir zwischen der These 5 und der These 7. Während wir die Notwendigkeit, dass soziale Netzwerke in allen Bildungsprozessen jederzeit präsent sein müssen, nicht sehen und gerade auch eine reflektierende Auseinandersetzung mit sozialen Netzwerken für wichtig erachten, sehen wir es als unabdingbar für eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft an, dass sie über Medien, ihre Angebote und Strukturen verfügen können und sie je nach ihren Bedürfnissen souverän einsetzen können. Hier schließen wir uns auch dem Gedanken an, dass diese These an den Anfang gestellt werden sollte. Dies setzt voraus, dass Medien über eine Infrastruktur, die nicht von bestimmten (z.B. kommerziellen) Interessen geprägt ist , allgemein zugänglich sind. Zudem setzt es Erfahrungs- und Reflexionswissen auf Seiten der Subjekte voraus, die letztendlich die Entscheidung treffen, wann welche Medien für welchen Zweck nötig sind. Medienpädagogische Arbeit hat die Aufgabe, für diese souveräne Entfaltung der Einzelnen unterstützende Strukturen zu schaffen.

  27. Eine Facebook-Page als Präsentationstool bei Vorträgen nutzen | Medienpädagogik Praxis-Blog am 12.12.2011:

    […] Social Web verändert die Gesellschaft und damit auch die Bildungsarbeit. In dieser Situation sind neue Veranstaltungsformate gefragt, die andere Sozialformen und […]

  28. Menschen! | von unten gesehen am 17.03.2013:

    […] gibt es endlich den öffentlichen Aufruf in den Tagesmedien, dass alle Kitas, Schulen, Vereine, Kommunen, Behörden und Politik […]

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