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LipDub-Videos in Jugendarbeit und Schule
Still aus “The Grand Rapids LipDub”
Ich habe meine nächste Herausforderung für Videoprojekte gefunden: LipDub-Videos. Bei diesem Genre bewegen die DarstellerInnen ihre Lippen passend zu einem bestehenden Soundtrack als würden sie selbst singen. LipDub-Videos sind aber mehr als nur Musikvideos: Die Filme werden meist in einem Take mit einer Kamerafahrt aufgenommen, außerdem stellt sich oft eine Gruppe vor oder es wird eine Institution oder ein Stadtteil präsentiert.
Meiner Meinung nach empfiehlt sich das Genre gleich aus mehreren Gründen für die Medienpädagogik:
- Es ist eine spaßige und spannende Art, sich mit dem Medium Video auseinanderzusetzen. Die entstehenden Videos präsentieren darüber hinaus das Lebensumfeld von Jugendlichen.
- Planung und Durchführung des Drehs sind eine komplexe Gruppenaufgabe, die erlebnispädagogischen Charakter hat.
- Gruppen können “ihre” Institution oder Gruppe so präsentieren, wie sie möchten: das Jugendhaus, die Schule, die Uni, den Stadtteil usw.
- Dabei können sehr viele Beteiligte eingebunden werden.
- Gerade im Jugendhaus oder der Schule können Bands aus dem Umfeld die Musik beisteuern. Das erhöht nicht nur die Identifikation, sondern löst auch das Urheberrechts- bzw. GEMA-Problem, das sich sehr schnell stellt.
Am anregendsten sind aber die Filme selbst. Hier kommen nun meine Lieblingsbeispiele. Welche kennen Sie noch? Wie halten Sie von LipDub-Videos in der Medienpädagogik? Den ganzen Beitrag lesen
Alle in einer Reihe
Still aus “100″
In Gruppen ist es immer wieder eine Herausforderung, alle miteinander gut bekannt zu machen. Zu meinen Lieblingsmethoden zum Kennenlernen gehört es, die Anwesenden sich nach verschiedenen Aspekten sortieren zu lassen: Alter, Schuhgröße, Anreiseweg, Zahl der Facebook-Kontakte usw.
Auch in Videoworkshops stellt sich manchmal die Frage, wie eine Gruppe vorgestellt werden kann. Wieso also nicht ähnliches machen, allen eine Frage stellen und dann in einem line-up sortieren? Der Filmemacher Jeroen Wolf zeigt wie das geht: In “100” sagen 101 Menschen ihr Alter in die Kamera, die ZuschauerInnen bekommen so einen beeindruckenden Eindruck von der Vielfalt der Menschen in unterschiedlichen Lebensaltern.
Das funktioniert meiner Meinung nach mit Projektgruppen, in Stadtteilen und ganz vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen. Und ist daher mein Inspirationsvideo der Woche für die Medienpädagogik.
[Dank an Jo Gather für den Hinweis!]
The Streets of the Invisibles
Still aus dem Video
Google Maps bzw. Google Earth sind sehr praktische digitale Räume, wo sich ohne großen Aufwand Videos drehen lassen. Das hat mir Remo Rauschers Projekt “The Streets of the Invisibles” einmal mehr gezeigt. Der Filmemacher hat zum Soundtrack der gleichnamigen Serie ein Video ausschließlich bei Google produziert.
Mir persönlich fehlen auf Dauer schon die Menschen im Film, dennoch macht das Video Lust, direkt bei Google Maps die Kamera anzuwerfen. Deswegen ist “The Streets of the Invisibles” mein Beispielfilm der Woche für die Medienpädagogik.
[via Netzfilmblog]
Mit Spaß kritisch fernsehen
Still aus "Landwirt sucht Liebe"
Manche Fernsehformate schreien förmlich danach, in ihrer einfachen Machart auseinandergenommen zu werden, andere – etwa DokuSoaps – danach, dass Kinder und Jugendliche genau über sie bescheid wissen. Da wundert es fast, dass es bisher noch keine Produktionen wie “Walulis sieht fern” gegeben hat.
Die MacherInnen analysieren nicht nur Formate wie ScriptedReality-Dokus, Call-in-Sendungen, Teleshopping und andere – sie persiflieren sie auch sehr gekonnt und lustig, ohne dabei einem verkrampften Aufklärungsgestus zu erliegen. Dass die Beiträge von “Walulis sieht fern” auch noch frei online verfügbar sind, macht sie zu einem Fundstück ohne gleichen für die Medienpädagogik. Bessere Beiträge (und Inspirationen) für einschlägige Videoprojekte oder Vorträge kann es fast nicht geben.
Ach ja: Und dass die Produktion eigentlich selbst mal ein medienpädagogisches Projekt war und nun nicht nur im Fernsehen angekommen ist, sondern auch mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, ist fast wie ein wahr gewordenes Märchen.
[Dank an Jo Gather!]
Die Crowd im Weltall
Still aus Szene 222
Es ist nicht unbedingt ein cineatischer Leckerbissen geworden, sprüht aber vor Enthusiasmus, Kreativität, Vielfalt und Nerdism – und ist eine tolle Inspiration für die Medienpädagogik: “Star Wars Uncut” ist vor drei Jahren kollaborativ durch die Crowd im Netz entstanden. Dabei haben 472 Gruppen je eine Sequenz der Episode IV von StarWars nachgedreht und eingereicht – herausgekommen sind 120 Minuten Spaß und Kreativität.
Nun, knapp zwei Jahre nach der Fertigstellung, ist der Film nach aller rechtlicher Klärung auch im Netz verfügbar und meiner Meinung nach eine Steilvorlage für medienpädagogische Projekte: Wieso nicht mal den Lieblingsfilm dezentral nachdrehen?
[via Netzfilmblog]
Film- und Videoschule
Still aus "Freitag Nachmittag" von cineschool.de
So etabliert die Aktive Videoarbeit mittlerweile in der Medienpädagogik ist, so unerschöpflich ist sie auch, was Thema, Gestaltung und Genre angeht. Deswegen bin ich immer dankbar für alle Materialien, Inspirationen und Beispielsammlungen.
Eine wahre Fundgrube in diesem Sinne ist Cineschool. Das Angebot der PH Freiburg dokumentiert zum Einen Projektergebnisse aus der Videoarbeit mit Kindern und Jugendlichen – mehr als 200, sehr gut nach Schlagworten und Genres sortiert. Zum Anderen ist auf der Website neben einem umfangreichen Filmglossar das Konzept des Freiburger Filmcurriculums zu finden, ein rezeptions- und produktionsorientiertes Filmbildungskonzept.
[via jugend.rlp.de]
Unendliche grüne Weiten
"Shoot Cultureel Centrum" von eelke dekker auf flickr.com (CC BY)
Dass die Wetterkarte im Fernsehen und mittlerweile auch ganze (Nachrichten)sendungen mit Greenscreen produziert sind, weiß inzwischen jedes Kind. Doch auch in der Filmproduktion spielt der digitale Trick mit dem grünen Hintergrund eine große Rolle – wo früher aufwändige Hintergründe gemalt wurden, werden heute Bilder und Filme eingeblendet.
Dank immer einfacherer bzw. umfangreicherer Videoschnittprogramme ist das auch in der Medienpädagogik fast alltäglich geworden und da kann es angesagt sein, als Input für Projekte Beispiele zu zeigen, was denn mit der Technik so möglich ist. Ein Geschenk ist hier das Video “Visual effects in movies“, das eindrucksvolle Beispiele für Greenscreen-Tricks zeigt. Die im Detail nachzumachen ist sicher nicht trivial – aber eine Herausforderung.
Ein Tag, der die Welt bedeutet
Still aus dem Film
Wenn ein Film kollaborativ gedreht, professionell produziert, genial geschnitten und dann noch frei im Netz verfügbar ist, dann ist er absolut ein Glücksfall für die Medienpädagogik. Auf “Life in a Day” haben die ersten Attribute schon immer zugetroffen, nun ist er auch in voller Länge und mit Untertiteln in 25 Sprachen auf YouTube frei verfügbar.
MedienpädagogInnen haben damit nicht nur einen hervorragenden Beispielfilm für die Film- und Videoarbeit, wenn es um den Schnitt dokumentarischen Materials geht, sie haben damit nicht nur ein wunderbares Dokument für die neuen Möglichkeiten durch kollaboratives Arbeiten im Netz, sondern können sich auch jederzeit eine wunderschöne filmische Ode an die Menschheit und das Leben anschauen.
Scan as scan can
Still aus einem Video
Manchmal ist es so einfach: Scanner sind zugegebenermaßen nicht mehr die Standardausstattung für PCs, aber teilweise leichter verfügbar als Kameras. Und sie produzieren Fotos. Wieso also nicht mal ein Animationsprojekt mit Kindern oder Jugendlichen mit dem Scanner durchführen?
Sei es ein klassisches StopMotion-Projekt mit Gegenständen, kreatives Experimentieren mit den Gestaltungsmöglichkeiten oder das Spiel mit einem Effekt – Scanner-Animationsvideos bieten viele Möglichkeiten und der Spaß für die Beteiligten ist quasi garantiert. Eine ideale Inspiration zum Wochenende also für die Medienpädagogik.
[thx Philipp Schumacher!]
Mobile Ästhetik
Still aus "Blickwinkel"
Handyvideoprojekte sind nicht einfach nur andere Videoprojekte, denn Handys bedingen durch ihre Größe, Mobilität und Videoqualität eine völlig neue Ästhetik, mit der gearbeitet werden will.
Beim Projekt “MobileMovie Hamburg” passiert genau das: Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit der spezifischen Filmästhetik und produzieren künstlerische Clips zum Thema Mobilität. Und das Schöne für andere AkteurInnen in der Medienpädagogik: Die Ergebnisse sind online verfügbar und damit schöne Beispielfilme für andere Projekte.
[Dank an Klaus Küchmeister.]


