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Das GamesLab – Methoden, Materialien und Tools

In den letzten beiden Jahren wurde am JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis unter der Leitung von Dr. Ulrike Wagner und Sebastian Ring das GamesLab als integrierte Praxis-Forschungs-Aktivität aufgebaut. Unter der Leitfrage, wie 12-16 Jährige Jugendliche souveränen mit digitalen Spielwelten umgehen können, wurden eben mit diesen Zielgruppen Praxisprojekte wie Werkstätten, Jugendtagungen und Fortbildungen umgesetzt. Dabei wurde das Projekt wissenschaftlich begleitet, Expertisen und Evaluationen erarbeitet und der Forschungsschwerpunkte “Vielspielen” etabliert.

Am 28. Februar diesen Jahres wurde auf der Abschlusstagung nicht nur ein durchweg positives Resümee gezogen, sondern auch die über die Projektzeit erarbeiteten Methoden, Materialien und Tools der Öffentlichkeit Online und frei zur Verfügung gestellt. Die Materialien sind sehr gut aufbereitet und auch für medienpädagogische Einsteiger verständlich beschrieben.

Ich würde mir nun noch wünschen, dass dem Material klare Aussagen zur Nutzung und Verbreitung (z.B. per Creative Commons) hinzugefügt werden, um den positiven Gesamteindruck des GamesLab abzurunden.

Retro[Gaming] als [Wieder]Einstieg

Ok, die ersten guten Vorsätze für 2014 sind erfolgreich über Bord geworfen worden? Dann wird es Zeit sich neue Ziele zu setzen! Wie wäre es, bezogen auf meinen Aufruf zu mehr direkten Spielerfahrungen, mit der ein oder anderen nostalgischen Gamingsession?
“The Internet Archive” stellt mit “The Console Living Room” über 1000 sogenannte Retrogames von 6 verschiedenen Konsolentypen aus den 70er und 80er Jahren zur Verfügung, welche sich dort online im Browser spielen lassen. Auch wenn die Soundfunktion im Emulator noch nicht funktioniert, was wohl in Arbeit ist, lässt es sich dabei nicht nur in Erinnerungen zu der guten alten Zeit (ja auch diese Diskussion gibt es im Bereich der Computerspiele immer häufiger) schwelgen, sondern auch in medienpädagogischen Projektkontexten handeln. Dabei lassen sich nicht nur die Geschichte von Games oder die des Jugendschutzes (das Titelbild dieses Artikels stammt aus einem der ersten (1984) indizierten Games überhaupt “Battlezone”) bearbeiten, sondern auch Spielmechaniken oder auch Anforderungen an die Spieler_Innen gut hinterfragen und mit aktuellen Games vergleichen.

Game Recorder for free

Im Games-Bereich gibt es ja nicht so viele Tools, über die man berichten könnte wie in anderen Medienbereichen. Meist beziehen sich meine Tipps auf Projekte rund um das Medium bzw. Kulturgut Computerspiel. U.a. haben wir schon häufig über Machinima, oder Let’s Play hier berichtet. Für beide kreativen Methoden in der medienpädagogischen Arbeit braucht es Recording Tools, die es erlauben das Gespielte auch aufzuzeichnen. Gerade im Freeware-Bereich gibt es da leider nicht all zu viele Tools, welche man uneingeschränkt empfehlen kann.

Mit dem LoiLo Game Recorder kommt ein neues Aufnahme-Tool für PCs ab Windows 7 ins Spiel, welches auf den ersten Blick die wichtigsten Features mit sich bringt, die Mensch in oben genannten Projekten benötigt:

  1. Kostenlos
  2. Nimmt sowohl In-Game Bild und Ton, als auch Audiokommentare auf
  3. Verbraucht wenig Ressourcen

 

Zwei Wermutstropfen sind mir dann doch aufgefallen:

Zum einen wird mit der Installation auch die Videoschnittsoftware LoiLoScope2 als Testversion installiert. Diese kann man aber direkt nach der Installation wieder deinstallieren.
Ein größeres Problem könnte sein, dass scheinbar nicht jedes Game zu 100% mit dem Recorder kompatibel ist. So konnte ich in einem Test zwar das Spiel “Portal” reibungslos aufnehmen (mit FPS und Zeitanzeige), obwohl es nicht in der auf der Webseite angegebenen Kompatibilitätsliste stand, bei “Limbo” funktionierte dies jedoch erst im zweiten Anlauf und ohne jegliche Kontrollanzeige im Bild.

Im Zweifelsfall einfach ausprobieren würde ich sagen – gerne mit euren Erfahrungen hier in den Kommentaren…

„Das nennt man Flow…“

Das-nennt-man-Flow…hört man oftmals MedienpädagogInnen sagen, wenn sie in Vorträgen, bei Elternabenden und Fortbildungsveranstaltungen über die Faszinationskraft von Computerspielen und deren SpielerInnen sprechen. Was gab es in den letzten Jahren nicht alles an Veröffentlichungen zum Themenbereich Games in unserer Gesellschaft, vor allem natürlich in Bezug auf Kinder und Jugendliche. Kein Wunder, bestätigen doch alle Studien und Befragungen (ganz aktuell die BITKOM-Studie) in diesem Segment, dass das Medium Computerspiel und dessen Peripherie [Gaming-Technik, Gaming-Communities, Gaming-Journalismus, usw.] bei den meisten 6 – 19 Jährigen – direkt oder indirekt – großes Thema ist.

Soweit so gut!

Nun wurde vor kurzem ein Artikel von Thomas Lindemann aus dem WASD Magazin auf Zeit Online veröffentlicht, welcher sich eigentlich „nur“ [mal wieder] mit dem Thema Computerspiel als Kulturgut beschäftigte. Bitte nicht falsch verstehen, der Artikel ist super und sollte Pflichtlektüre für alle MedienpädagogInnen sein, die sich im ersten Absatz angesprochen fühlten [aber auch für allen anderen ;-)]. Dennoch greift er mit bekannten und einigen neuen Aussagen und Intentionen eine seit Jahren immer wiederkehrende Debatte auf, deren Akteure sich scheinbar im Kreise drehen. Was den Artikel für mich aber so wertvoll macht ist ein ganz bestimmter Abschnitt. In diesem berichtet der Autor über eine Anekdote, wo ein Artikelvorschlag von ihm zu BioShock Infinite von einer Redakteurin abgelehnt wurde, mit der Aussage, dass die „spielaffinen“ Kollegen in der Redaktion das Spiel für weniger wichtig erachteten. Unabhängig von der Qualität dieser Aussage, bemängelt er vor allem einen Fakt: die Redakteurin konnte sich selbst keine Meinung bilden, da sie keinerlei Bezug zum Medium Computerspiel hatte! Er zieht an dieser Stelle noch einige Vergleiche zu den Kulturgütern Musik, Architektur und Literatur und ist sich sicher, dass die besagte Redakteurin sofort, oder nach kurzer Recherche sich ein Urteil über diese hätte herleiten können.

Was für Lindemann eine Anklage in Richtung „Meinungsbildner“ und deren Prioritätensetzung in Bezug auf das Kulturgut Computerspiel war, eröffnete für mich die Frage nach der Profession Medienpädagogik und dem Selbstverständnis derer, die sich mit Medien in Bildungs-, Familien- und Freizeitkontexten auseinandersetzen! Den ganzen Beitrag lesen

Alles in Game-Life-Balance oder was?

Dein Spiel. Dein Leben.Die Kampagne “Dein Spiel. Dein Leben. – Find your level!“, von Beginn an als Peer-to-Peer Projekt konzipiert, bekam ihr Gesicht durch die Zusammenarbeit von über 100 Jugendlichen. Offline [in Workshops] und Online [per EtherPads] machten sie sich Gedanken darüber, was eine adäquate Balance des Computerspielens zum sonstigen Alltag auszeichnet, um damit einem exzessiven bzw. missbräuchlichen Spielen vorzubeugen. Wie können Prioritäten erkannt und gesetzt werden? Gibt es Tipps und Erfahrungswerte und wie können diese vermittelt werden? Ein Ergebnis dieser Arbeit war der Aufruf zu einem Multimediawettbewerb, in dem jugendliche Spielerinnen und Spieler aufgefordert waren ihre ganz persönliche Game-Life-Balance zu skizzieren, um damit das Gesicht und die Message der Kampagne zu formen. Die Beiträge sind seit einigen Tagen Online und können wertvolle Impulse in medienpädagogischen Projekten aber auch im Familienalltag und natürlich in der Peergroup liefern.

Ein weiteres Ergebnis sind die sozialen Gütekriterien für Computerspielgemeinschaften (Teams, Clans, Gilden usw.). Wo sonst kann ein Peer-Projekt besser wirken, als in den Gemeinschaften, die sich zunächst vor allem wegen des gemeinsamen Interesses am Spielen zusammengeschlossen haben? In deren potentiellen Funktion als “Vereine 2.0” übernehmen diese Gemeinschaften auch Verantwortung für ihre Mitglieder, die über das Spiel hinaus wirkt – die Gütekriterien können dies nun auch für Außenstehende erkenntlich machen.

Für die direkte medienpädagogische Arbeit mit Jugendgruppen hat das Institut Spielraum zudem ein Arbeitsmaterial erstellt, welches (auch ohne den Wettbewerbsbezug) aufbauend auf den Intentionen der Kampagne eingesetzt werden kann.

Material: “Computerspiele in der Grundschule”

Computerspiele in der Grundschule

Aus dem Unterrichtsmaterial @ Medienpass NRW

Im Rahmen der Initiative “Medienpass NRW” haben sich die Autoren Fileccia / Fromme / Kohring / Lüpke / Wiemken dem Thema “Computerspiel” für die 3. und 4. Klasse gewidmet. Hierbei haben sie ein 76 Seiten starkes Unterrichtsmaterial zusammengetragen, welches sich im ersten Teil der Vermittlung von aktuellem Hintergrundwissen widmet. Vor allem Lehrerinnen und Lehrer sollen so auf den neusten Stand in Sachen Computerspiel und dessen Stellenwert in unserer Gesellschaft gebracht werden. Dabei gibt es zu den verschiedenen Aspekten kurze Informationstexte, die um weiterführende Links ergänzt sind.

Im zweiten Teil des Materials werden konkrete Unterrichtseinheiten in Form umfassender Curricula zu folgenden Themen angeboten:

  1. Computerspiele – ein Medium wie jedes andere?
  2. Werbung und Computerspiele – Strategien erkennen, Mechanismen durchschauen.
  3. “Nur noch 5 Minuten!” – Regeln für den Umgang mit Computerspielen.
  4.  ”Das sind meine Lieblingsspiele!” – Vorlieben erkennen und begründen.
  5. Vom Rollen- bis zum Sportspiel – Unterschiedliche Computerspielgenres und ihre Merkmale.
  6. Lara, Mario & Co – Darstellung und Wirkung von Helden in Computerspielen.

In der medienpädagogischen Projektarbeit mit Computerspielen ist es wichtig über entsprechendes Basiswissen zu verfügen. Das vorliegende Material bietet einen sehr guten Einstieg in das Thema und ermöglicht durch die detailliert aufbereiteten  Unterrichtseinheiten auch medienpädagogisch unerfahrenen Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit dieses spannende Medium zu bearbeiten.

Machinima

"Machinima in der Medienpädagogik"Vorbereitung
Die Vorbereitung zu einem Spiel-Film-Festival konzentriert sich zunächst auf die zu erreichende Zielgruppe. Hier sind vor allem das Alter, die Homogenität und die potentiellen Vorerfahrungen der Teilnehmenden im Hinblick auf den Umgang mit Programmen und Games zu hinterfragen. Ist dies geklärt, können die zum Einsatz kommenden Tools vorbereitet werden. Die meiste Vorbereitungszeit wird dementsprechend in die Auseinandersetzung mit den Games und deren Möglichkeiten im Workshop gesteckt. Hierbei sind neben Lizenzfragen und Altersfreigaben vor allem Grundkriterien zur Machinima-Erstellung zu hinterfragen. Dabei wird schnell deutlich, dass es mindestens drei Möglichkeiten gibt, Machinimas zu erstellen. Den ganzen Beitrag lesen

Handbuch – Lernen mit Computerspielen

Lernen

“Lernen mit Computerspielen” @ www.bmwfj.gv.at

Computerspiele als Bildungsmedium einzusetzen ist uns schon länger ein wichtiges Anliegen. In verschiedenen Artikeln [1;2;3;4] haben wir bereits auf Konzepte und Möglichkeiten hingewiesen.

Das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend bietet zu diesem Thema nun eine lohnenswerte Publikation zum Download an. Im jüngst veröffentlichten Handbuch “Lernen mit Computerspielen” für Pädagoginnen und Pädagogen, welches u.a. auf dem Katalog des europäischen Projektes ENGAGE (www.engagelearning.eu) beruht und um aktuelle Titel ergänzt wurde, findet sich eine umfangreiche Zusammenstellung von Games und deren Einsatzmöglichkeiten. Dabei werden die Spiele nach Lern- und Kompetenzgebieten eingeordnet und jeweils mit einer Beschreibung, den Lernmöglichkeiten und Links zu weiteren Ressourcen aufgelistet.

Besonders interessant ist für mich die gute Mischung aus klassischen Lernspielkonzepten bzw. Serious Games und ganz “normalen” kommerziellen Titeln, die mit ihren Lehr- und Lernmöglichkeiten dargestellt wurden.

Auch das deutsche Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlicht regelmäßig (unterstützt durch die Kolleginnen und Kollegen vom ComputerProjekt Köln e.V.) die Broschüre “Spiel- und Lernsoftware pädagogisch beurteilt” ein Unterschied liegt hier aber vor allem in den Intentionen die Spiele pädagogisch zu beurteilen, als ihren pädagogischen Einsatz in Lehr- und Lernsituationen darzustellen.

Gun-Shot-Sound – Da ist Musike drin!

Gun-Shot-Sound – Da ist Musike drin!

Screenshot aus “Ballad of Black Mesa” von Zachariah Scott auf You Tube

Bestimmte Computerspielgenres haben es schwer – eines davon ist sicherlich der gemeine Shooter. Wird er doch gerade wegen seiner Inhalte und Darstellungsweisen nicht selten als Sinnbild und medialer Spiegel einer verrohenden Jugend, wenn nicht gar Gesellschaft wahrgenommen bzw. dargestellt.

Nicht nur deshalb ist der Shooter in pädagogischen Kontexten immer wieder präsent und wird auf unterschiedlichste Art und Weise bearbeitet. Abseits von Jugendschutz-, Moral- und Wirkungsdiskussionen trifft man den Shooter dann auch immer mal wieder in kreativen Gestaltungsprozessen der medienpädagogischen Praxis. Hier sind es vor allem Machinima- und  Artwork-Projekte, die sich mit diesem umstrittenem Genre hervorragend umsetzen lassen.

Ein weiteres Betätigungsfeld könnten die sogenannten „Gun-Shot-Sound“ Projekte sein. Vor allem ambitionierte Spieler produzieren Musikstücke, indem sie im Spiel Sounds aufnehmen, als Samples abspeichern und dann (mehr oder weniger melodisch) neu arrangieren. Hauptbestandteil sind hierbei, wie der Name schon vermuten lässt, das was den Shooter zum Shooter macht – die Schussgeräusche der im Spiel vorhandenen Waffen. Zusammen mit weiteren „in Game“ Sounds gemixt und häufig unter die gleichfalls aufgenommen Videosequenzen geschnitten, werden die Songs dann als Musik-Machinima veröffentlicht. Den ganzen Beitrag lesen

Studie: EXIF – Exzessive Internetnutzung in Familien

EXIF - Exzessive Internetnutzung in Familien

BMFSFJ Studie zum Dialog Internet

Ok, mal wieder eine Studie zum exzessiven Medienkonsum könnte Mensch jetzt denken und im Prinzip hätte Mensch damit auch recht. Dennoch gibt es in der durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegeben Studie einen wesentlichen Unterschied zu anderen derzeit auf dem Markt befindlichen Erhebungen – den (Sozialisations)Faktor Familie.

Untersucht wurde hier vorrangig der Einfluss von und die Auswirkungen auf exzessive Computer- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen im Konstrukt Familie. Für Praktizierende der Medienpädagogik bestätigt die Studie vorrangig, dass die seit Jahrzenten umgesetzten Projekte der medienpädagogischen Arbeit mit Eltern wichtig sind. Gleichzeitig wirft sie jedoch auch die Frage auf, warum die jahrelangen Bestrebungen in der Medienpädagogik ‚Elternmedienkompetenz‘ zu forcieren – zumindest laut Statistik – bei so ‚wenig‘ Eltern greifen? Oder wie sonst muss man zusammenfassende Aussagen der Studie wie diese interpretieren?:

„Generell ist von Familien, deren Kinder eine unproblematische Computer- und Internetnutzung zeigen, bis hin zu Familien, in denen gravierende Probleme bestehen, ein dringlicher Bedarf an medienerzieherischer Aufklärung und Unterstützung zu erkennen.“

Andererseits macht für mich die Studie aber auch deutlich, dass vor allem die Eltern die einen adäquaten Erziehungstil für ihre Familie gefunden haben, in denen Zufriedenheit und Kommunikation eine wesentliche Rolle spielen, scheinbar (auch wenn sie das Gegenteil formulieren) ganz gut ohne „medienerzieherische Aufklärung und Unterstützung“ ihr familiäres Leben meistern. Das sind dann diese Momente, in denen ich mich frage, ob nicht gesunder Menschenverstand, Liebe und Kommunikation in der MedienErziehung ausreichen, um am Ende sehr gut mit den Anforderungen dieser von Medien geprägten Gesellschaft klar zu kommen?

Hier finden Sie die Studie in einer Zusammenfassung und hier im Original.

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