Actiongeladene Trailer auf dem iPad produzieren

iMovie Trailer in der MedienpädagogikIn Bezug auf medienpädagogische Arbeit ist die scheinbar natürliche Anziehungskraft der Tablet-PCs von besonderem Vorteil. Nach dem Motto „alle kennen es, nur wenige haben es“ fühlen sich Kinder und Jugendliche davon angezogen und sind fasziniert. Somit besteht das Interesse der SchülerInnen bereits und auch der Wille sich mit der neuen aufregenden Technik auseinanderzusetzen. So verhält es sich auch mit Apps zum Produzieren von Filmen, die bereits auf dem Markt zur Verfügung stehen.

Mit den Apps „iMovie“ und „Action Movie FX“ produzieren Kinder und Jugendliche ihre eignen Kurzfilme und können diesen in einzelnen Szenen einen Hauch von „Mission Impossible“ oder „Star Trek“ verleihen. Besonders diese Kombination von Apps und das Einfügen von Spezialeffekten mit der Overlay-Funktion können die Mitwirkenden dazu bewegen, den eigenen Medienkonsum und die Faszination an Action Movies zu reflektieren. Die im Folgenden beschriebenen Arbeitsschritte beziehen sich ausschließlich auf Apple-Geräte/iOS.

iMovie

Die iMovie App ist eine speziell für iPads hergestellte Anwendung und kostet im App Store 4,95€. Nach dem Öffnen von iMovie erhalten die NutzerInnen direkt unter dem Icon „+“ die Auswahl zwischen einem „neuen Projekt“ und einem „neuen Trailer“. Der Unterschied hierbei liegt allein bei den Vorgaben: während der neue Trailer bereits genrespezifische Storyboards als Vorlagen anbietet, sind in einem neuen Projekt, die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten der Szenen völlig frei zu wählen.

Trailer-Funktion

Für AnfängerInnen im Produzieren von Filmen bietet sich die Trailer-Funktion besonders an, da Design und Musik vorgegeben sind und die Filmmachenden den Drehplan „nur befüllen“ müssen. Sie bekommen ein Gespür für unterschiedliche Einstellungsgrößen (Vorgaben werden angeboten) und einen Eindruck wie wichtig es ist, unterschiedliche Aufnahmen zu machen. Die ProduzentInnen können auch bereits vorhandene Aufnahmen verwenden indem sie Fotos oder Sequenzen aus der Bibliothek des iPads über das „Foto Icon“ oder „Filmband Icon“ einfügen. Die Aufnahmen sind entsprechend der Trailer-Funktion kurz und der Ton kann vollständig durch die Musikgrundlage ersetzt oder eingeblendet werden (> Tonfunktion in der entsprechenden Szene ein- oder ausschalten).

Die hier zum Download angebotene Anleitung beschreibt die Schritte bis zum fertigen iMovie-Trailer. Sie wurde von Christopher Leetz aus der Medien-AG in Oppenheim als Reflexion seiner eigenen Arbeit mit dem iPad zusammengestellt.

iMovie-Projekt

Entscheiden sich die ProduzentInnen für ein „neues Projekt“, so starten sie mit einer völlig leeren Arbeitsfläche auf der freie Fahrt für kreatives Arbeiten ist. Sie können direkt über das Icon „Kamera“ eigene kleine Sequenzen aufnehmen und diese entsprechend bearbeiten. Auch hier können sie bereits vorhandene Clips, Fotos oder Audiodateien aus der Bibliothek über das Icon „Film- und Noten“ einfügen. Verschiedene Designs stehen zur Verfügung, um den Film beliebig zu schneiden und unterschiedliche Sound-, Montage- und Schrifteffekte hinzuzufügen. Hier ist eigenständige Gestaltung gefragt und notwendig.

„Action Movie FX“ bringt Kracher in den iMovie-Film

Eine weitere interessante Möglichkeit zur filmischen Gestaltung bietet die App „Action Movie FX“, diese ist im App Store kostenlos zu finden. Mit dieser Anwendung können die NutzerInnen kleine Filmszenen mit beeindruckenden Actionszenen versehen. Diese sehr kurzen Szenen eignen sich hervorragend um sie in einen iMovie- Film beispielsweise als Spezialeffekt, Höhepunkt oder Finale einzufügen.

Action Movie FX in der Medienpädagogik

Diese Clips erscheinen jedoch nicht von alleine in der Bibliothek der von iMovie. Um sie verwenden zu können, gilt es folgende Schritte zu beachten:

  • Szenen mit der „Action Movie FX“ App drehen.
  • Über das Icon „Gallery“ in die Bibliothek der „Action Movie FX App“ gehen und entsprechenden Clip auswählen.
  • Szene anklicken und im Vollbildmodus erscheint in der rechten unteren Ecke der „share“-Button (= engl. teilen).
  • Anklicken und „share“ als Option auswählen.
  • Dann „save to camera roll“ anklicken.

Das Video wird dadurch für „iMovie“ zugänglich gemacht und die Produzenten der Action-Szene können es über die Bibliothek auswählen.

Auf medien-bilden.de sind filmische Beispiele zu finden:

Sie entstanden 2013 am Otto-Schott-Gymnasium in Mainz und wurden von Christian Gottas und Corinna Famulla mit den SchülerInnen im Angebot der Ganztagsschule umgesetzt.

Die ist ein Gastbeitrag von Maren Risch, Christian Gottas und Corinna Famulla.

Maren RischMaren Risch ist seit 2007 als Medienpädagogin in Mainz beschäftigt. Sie hat Soziale Arbeit an der Fachhochschule in Hildesheim studiert und in der Jugendhilfe ihre ersten Erfahrungen mit medienbegeisterten Jugendlichen gemacht. Ein zweites Studium in Göttingen hatte die Schwerpunkte Medien- und Kommunikation und Pädagogik. Diesem Arbeitsfeld ist die auch während ihrer selbstständigen Tätigkeit beim Blickwechsel e.V. und heute bei medien+bildung.com in Rheinland-Pfalz treu geblieben.

Christian GottasChristian Gottas ist Medienpädagoge bei medien+bildung.com im Regionalbüro Mainz. Der Einsatz von Apps ist einer seiner Arbeitsschwerpunkte im Bereich praktischer Jugendmedienschutz und innovative Technologien.

Corinna Famulla hat Filmwissenschaften und Pädagogik an der Johannes Gutenberg Universität studiert und absolvierte eine Praktikum bei medien+bildung.com.

Creative Commons-LizenzDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de
GastautorIn
Verfasst am 24.06.2013

6 Kommentare

  1. Hans Schloetel am 24.06.2013:

    Krieg- und Actionfilme gehören für mich nicht zur medienpädagogischen Arbeit. Mit den Tablets wird z.Z. nur herum gespielt – es gibt allerdings IPad-Schulklassen in
    Erprobungen. Für Musik und Kunst gibt es interessante Apps. Bleibt im allgemeinen zu hoffen, dass Tablets & Co sinnvoll eingesetzt werden und nicht als Spielzeug irgendwo landen.

  2. Sandra Schön

    Sandra Schön am 24.06.2013:

    Kommentar zu Action Movie FX: Nachdem wir es nicht mehr ausgehalten zuzuschauen, wie die Geschwister, Freunde oder Unbeteiligte explodierten, trotz aller Erklärungen (…) ist dass die erste App gewesen, die wir wieder deinstallierten, weil nicht absehbar schien (9 Jahre alt, ein Junge), dass es zu einem halbwegs “vernünftigen” Umgang kommt. Ich vermute, dass die Kids auf die hier referiert sind (“Gymnasium”) schon ein wenig älter waren?

  3. Maren Risch

    Maren Risch am 24.06.2013:

    Das Thema Krieg- und Action gehört bei älteren Kindern und Jugendlichen u.a. zu den Top 3 der Computerspiele (siehe http://www.mpfs.de/index.php?id=530). Die beschriebene Methode und Kombination von iMovie + Action Movie FX kann ein medienpädagogischer Ansatz sein, um mediale Gewalt, sowie Film- und Spielevorlieben mit Schüler/innen zu thematisieren. Die Orientierung an handlungsleitenden Themen der Zielgruppe gehört für mich unbedingt zur medienpädagogischen Praxis und kann daher auch Bestandteil eines Filmprojekts sein. Dazu gehören u.a. das Vermitteln von filmtechnischem Wissen (Einstellungsgrößen, Perspektiven, Effekte) und die Reflexion des eigenen Medienkonsums. Genau dafür ist die beschriebene Methode geeignet. Ich freue mich über weitere Anregungen und Austausch!

  4. Beat Küng am 30.06.2013:

    Auch ich kann plattgedrückten und explodierenden Schülern wenig abgewinnen. Natürlich gehören die Themen Krieg und Action Movie zur Lebenswelt der Jugendlichen, aber dieses Projekt greift mir für die medienpädagogische Arbeit zu kurz. Ich bin überzeugt, für die Kids steht in diesen Arbeiten der coole Effekt im Mittelpunkt. Die kurze Story wird auf diesen (vorgegebenen) Effekt hin angelegt. Da muss ja (wie man in den Beispielen sieht) der Inhalt vernachlässigt werden.
    Gerechterweise müsste allerdings noch wissen, wie denn die Medienreflexion in diesem Projekt ausgesehen hat.
    Wie wäre es, wenn Alternativen zu diesen gewalttätigen Szenen umgesetzt würden? Witzige Effekt-Einsätze ohne Tote? Dies wäre eine Herausforderung und eine echte medienpädagogische Auseinandersetzung. Und es wäre mir wesentlich sympathischer.

  5. Christian Gottas am 01.07.2013:

    Ach Gott, treffen sich hier denn nur die Freunde von Manfred Spitzer?
    OK. Es geht aus Marens Bericht nicht hervor, aber natürlich waren diese Filme eingebettet in einen konzeptionellen Rahmen, der als Ziel die Aufschlüsselung von Realität und Fiktion in audiovisuellen Medien hatte. Zeitlich umfasst das etwa 8 AG Stunden mit 90 Minuten.
    Beginne ich meinen Unterricht direkt mit einem theoretischen Input zu CGI und VfX Technik in moderen Filmen sind die Kinder zwar gebannt und interessiert was heute alles am Computer und mit Videooverlays möglich ist, aber sie verstehen es nicht. Und ich findes es vollkommen legitim, dass sie sich bei eigenen Produktionen erst einmal an das halten, was sie kennen. Und ganz ehrlich, nach sechs Stunden Unterricht und dann 90Min AG verlange ich von Schülern dieses Alterns, die sich zum Teil nicht untereinander kennen, nicht mehr, dass sie sich über Wochen an einen Tisch setzen, nur um ein Storyboard zu entwerfen, das möglichts gewaltfrei daherkommt.
    Diese bewahrpädagogischen Ansätze sind in Zeiten des Web 2.0. mit unendlich vielen Streamingseiten für Gewalt und Pornografie, kostenlosen Spielen jedweden Genres- doch echt vorbei.
    Hallo, Lebenswelt der Kinder und Jugenlichen. Medien als Anknüpfungspunkt um die Brücke zu deren Verstand zu schlagen und nicht als Allheilmittel. Klar kann man auch weiter rosa Watte rumwerfen und die Kinder schön damit einpacken, dass hilft ganz gewiss. lol. Dann haben sie auch bestimmt kein Interesse mehr daran, wenn ihre Eltern sie ins Kino in den neuen James Bond mitnehmen oder ihnen das neue GTA oder CoD schenken.
    Ich lasse sie dann lieber erst eiman ein paar Erfolgsgefühle haben, reflektiere dann mit ihnen ihren Film, frage nach den Opfern, vergleiche mit Filmen, die sie kennen und Handlungsmodellen die dort vorgeschlagen werden etc.
    Aber jeder von Ihnen darf es machen wie er/sie will.

  6. Mandy am 31.07.2013:

    Also die Möglichkeiten der App sind zwar aus pädagogischer Sicht vielleicht nicht besonders wertvoll, aber die Möglichkeiten der App sind schon faszinierend und auch die Umsetzung ist ganz ordentlich.

    Ich finde es sehr wichtig, dass Kinder und Jugendlche frühzeitig an neue technologien herangeführt werden, sei es meinetwegen spielerisch wie in diesem Beispiel… Die oben genannten Apps sind jetzt wirklich nicht gewaltverherrlichend und daher aus meiner Sicht vollkommen unbedenklich

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