Bürgermeister vor dem Eiffelturm explodiert? – Greenscreen-Technik mit Mobilgeräten

CC BY-SA Sandra Schön

CC BY-SA Sandra Schön

Neben dem Trickfilm ist die Greenscreen-Technik eine Möglichkeit, auch in medienpädagogischen Projekte zu zeigen, wie auch „großes Kino“ und „Fernsehen“ funktioniert. Mit Apps an Tablet-Computern (und Smartphones) ist nun die Realisierung auch für kleine Budgets und mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich.

Wie funktioniert die Greenscreen-Technik?

Die Grünwand oder auch Blauwand-Technik wird als „Chroma Keying“ bezeichnet. Chroma Key bedeutet farbbasierte Freistellung. Damit ist gemeint, dass der Hintergrund einfarbig ist und dadurch die Person, etc. im Vordergrund einfach freizustellen ist. Als Hintergrundfarben für die Aufnahmen werden grün bzw. blau verwendet, weil man festgestellt hat, dass diese beim Menschen am seltensten vorkommen und der Hautfarbe am unähnlichsten sind.

Die Technik wurde das erste Mal im Film „King Kong“ im Jahre 1930 eingesetzt und ist somit schon seit Jahrzehnten im Einsatz in der Filmproduktion. Beim Wetterbericht stehen die Moderatoren so vor Blauwänden, die bearbeitet werden und digital durch die Wetterkarten ersetzt werden. So erklärt sich auch, dass die Handzeichen der Moderatoren manchmal vage wirken oder auch falsch sind.

Greenscreen-Einsatz im medienpädagogischen Projekt

Im Zug des medienpädagogischen Praxisprojekts „Ich zeig es Dir – HOCH 2“ (IZED2) wurden mit iPads Lernvideos erstellt. Dabei wurde auch zur Gründwandtechnik ein Workshop mit den 9- bis 12-jährigen Teilnehmern durchgeführt. Dabei wurde ein iPad und entsprechende Apps eingesetzt.

Schon beim Start staunten die Teilnehmer/innen über den großen grünen Filz der, raumbreit und bodenlang, auf eine lange Holzlatte gepinnt war und zwischen zwei Regalen hing. Dies ist wohl die kostengünstigste Variante für den notwendigen grünen Hintergrund.

Nach einer kurzen Einführung und Video-Beispielen zum Einsatz der Grünwand-Technik wurden gleich wichtige Voraussetzungen für gelungene Produktionen erklärt:

  • So ist ein einfarbiger, nicht reflektierender Hintergrund ohne Wölbungen und Falten notwendig (für Aufnahmen von ein bis zwei Kindern war unser 3 mal 4 Meter großer Filz ausreichend). Bei Oberkörperaufnahmen von Kindern ist auch ein kleineres Stück Filz (1,5 mal 1,5 m), beispielsweise auf eine Pinnwand gespannt, ausreichend.
  • Außerdem muss die Szene muss gut ausgeleuchtet sein; am besten dazu den Hintergrund mit zwei Leuchten (Streulicht statt punktförmigem Licht, farblos) und den Protagonisten mit einer 3-Punkt-Beleuchtung ausstrahlen. Wir haben uns mangels entsprechender professionellen Ausrüstung mit zwei Standleuchten geholfen, dass war nicht optimal aber ausreichend.

Ziel der Greenscreen-Technik ist es eine Person oder einen Gegenstand vor einen beliebigen Hintergrund zu setzen, quasi „an jeden Ort der Welt“ zu schicken, vorausgesetzt natürlich, man hat eine Bild oder Video davon. Schnell war den Teilnehmer/innen klar, dass man durch diese Technik die Möglichkeit besitzt, den Bilder zu präsentieren, die in Wirklichkeit gar nicht möglich sind.

Als Aufnahme- und Produktionsgerät verwendeten wir iPads (mit Stativ und Halterung) und Greenscreen-Apps. Mit diesen kann man jeweils Filmen, Freistellen und einen Hintergrund einfügen, also alles was für den Anfang gebraucht wird – und alles findet an einem Gerät statt. Gearbeitet wurde mit der App „ Green Screen Movie FX Studio“. Alternativ könnte man die App „Green Screen Mobile Effects (iPhone-App)“ verwenden (für Standbilder im Hintergrund). Nach einer kurzen Einführung in die Funktionsweise der App legten die Teilnehmer los. Da die App einige Hintergründe vorinstalliert hat, wurden drei Themen zur Bearbeitung vorgegeben:einen Bericht über „den Eiffelturm“, „den Mount Everest“ oder „die Niagara Fälle“ Zu diesen Themen wurden kurze Texte für den Sprecher des Berichts ausgeteilt, damit sich die Teilnehmer voll auf die Erstellung des Videos konzentrieren konnten.

Am Ende der Einheiten führten die 2 Gruppen die Ergebnisse mit Hilfe eines Beamers vor und alle waren begeistert davon. Hier ein Beispiel eines erstellten Videos:

Eine Doku vom Workshop gibt es hier:

Bei der Abschlusspräsentation der Projekts IZED2 zeigten die Kinder, was sie bei dem Workshop gelernt hatten und demonstrierten live, wie die Greenscreen-Technik funktioniert. Der Oberbürgermeister von Bad Reichenhall stellte sich als Motiv zur Verfügung. Im Blog zum Projekt gibt es den Bericht darüber, im Video zur Abschlusspräsentation kann man sich die Explosion auch anschauen:

Zielgruppe

  • Kinder
  • Jugendliche
  • Erwachsene

Eingesetzte Medien

  • Video
  • Audio

Ziel

Die Greenscreen-Technik erklären, bewusst machen und selbst ausprobieren

Tipps

  • Je besser die Ausleuchtung, desto besser das Ergebnis.
  • Die App vorher unbedingt ausführlich testen. Manchmal funktioniert sie nicht, wie man es erwartet und es wird mehr freigestellt als gewünscht. Hier braucht man ein wenig Fingerspitzengefühl.
  • Gegebenenfalls Texte für die Videos vorbereiten. So können sich die Teilnehmer/innen auf das Erstellen des Videos und den Einsatz der Greenscreen-Technik konzentrieren.

Checkliste für die Arbeit mit ca. 10 Personen

  • Grüner Filz für 2 bis 3 Arbeitsplätze
  • 2 bis 3 iPads mit Stativ und Halterung zum Filmen und Bearbeiten
  • genügend Lichtquellen zur guten Ausleuchtung der Szene (pro Arbeitsplatz 2-5 Leuchten, z.B. schwache Baustellenscheinwerfer)
  • abgedunkelter bzw. mit künstlichem Licht beleuchteter Raum, in dem genügend Platz ist
  • Arbeitsgruppen von 2-3 Teilnehmern
  • Zeitliche Dauer: mindestens 2 Stunden

Quellen

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Bluescreen-Technik
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Keying
  • http://www.robvegas.de/2010/03/01/greenscreen/
  • http://www.expi.at/expiweb/index.php?q=de/node/43
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Mount_Everest
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Eiffelturm

Mehr zur Erstellung von Lernvideos:

Autoren

Dies ist ein Gastbeitrag von Gerald Geier, Sandra Schön und Martin Ebner.

Gerald GeierGerald Geier, BSc, ist angehender Informatiklehrer und studiert derzeit an der Technischen Universität Graz. Im Rahmen seiner Projektarbeit „Informationssysteme“ evaluiert und unterstützte er das Praxisprojekt „Ich zeig es Dir – HOCH 2“ (IZED2). Im Projekt produzieren Kinder frei zugängliche Lernvideos mit iPads.

Sandra SchönDr. Sandra Schön arbeitet als Senior Researcher bei der Salzburg Research Forschungsgesellschaft und ist leitete beim BIMS e.V. das Praxisprojekt IZED2, dass eines von deutschlandweit zehn im Rahmen der Peer3-Initiative geförderten Projekten ist.

martinebnerUniv.-Doz. Dr. Martin Ebner ist Leiter der Abteilung Vernetztes Lernen an der Technischen Universität Graz und ist für sämtliche E-Learning-Belange zuständig. Zudem forscht und lehrt er als Medieninformatiker am Institut für Informationssysteme Computer Medien rund um technologiegestütztes Lernen. Bei IZED2 war er u.a. Kooperationspartner für die Begleitforschung.

Creative Commons-LizenzDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de
GastautorIn
Verfasst am 15.04.2013

2 Kommentare

  1. Erschienen: Videoproduktion mit der Gründwandtechnik und Mobilgeräten. | Sandra Schön am 16.04.2013:

    [...] Medienpädadogik Praxisblog sind wir wieder als Gastautoren aktiv geworden und berichten über unsere Erfahrungen mit der [...]

  2. Green Screen Apps | brigarantie am 25.11.2013:

    […] Movie FX Studio (Einbinden von Videos)   s. auch Praxisprojekt ich zeig’s dir hoch 2  http://www.medienpaedagogik-praxis.de/2013/04/15/burgermeister-vor-dem-eiffelturm-explodiert-greensc… […]

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