Computerspiel-Besprechung

"Computerspiel-Besprechung in der Medienpädagogik"Von Kindern und Jugendlichen selbst verfasste Spielbesprechungen sollen Beteiligungsmöglichkeiten aufzeigen und zum Meinungsaustausch anregen. Grundlage sind Kooperationen von spielbar mit Schulen, Jugendeinrichtungen und Jugendvereinen. Die Einrichtungen sorgen für die Infrastruktur (Hardware) und leisten die (medien-)pädagogische Betreuung der Kinder und Jugendlichen. spielbar bietet als interaktive Plattform der Bundeszentrale für politische Bildung den Veröffentlichungsrahmen für die Projektergebnisse sowie konzeptionelle und redaktionelle Unterstützung.

Kooperationen sind in unterschiedlichem Umfang möglich, grundsätzlich entstehen Spielbesprechung in drei Schritten:

Schritt 1: Spielauswahl
Am Anfang steht die gemeinsame Spielauswahl. Sowohl die redaktionelle Planung von spielbar.de als auch die Wünsche und Interessen der Kinder und Jugendlichen bzw. der Bildungseinrichtung spielen hier eine Rolle. Die Erfahrungen zeigen: Wer eine Wahl hat, arbeitet in der Regel effektiver. Aus dem Grund empfiehlt es sich den Kindern und Jugendlichen bei den Spielen Entscheidungsmöglichkeiten zu lassen. Idealerweise wird ein bunter Mix angebo-ten, bestehend einerseits aus stark medial beworbenen und bekannten Titel. Andererseits gilt es Kindern und Jugendlichen Alternativen aufzuzeigen – Spiele, die sich durch kreative und innovative Spielprinzipien auszeichnen oder bewusst der Wissens- und Kompetenzförderung dienen. Oft sind Kindern und Jugendlichen diese nicht von vornherein bekannt.

Schritt 2: Spiel- und Schreibphase
Es folgt – unter medienpädagogischer Betreuung vor Ort – die Spielphase. Die Kinder und Jugendlichen analysieren und bewerten die Computerspiele anhand von altersadäquaten Fragebögen, die von allen Beteiligten gemeinsam entwickelt wurden und ausdrücklich die Kriterien der Zielgruppe beinhalten. Das stärkt die Identifikation der Kinder und Jugendlichen mit den Fragen. Gleichzeitig können mögliche Verständnisprobleme bereits im Vorfeld vermieden werden. Auf Basis der Stichpunkte, die mit dem Fragebogen gesammelt werden, wird später der Text verfasst. Die eigentliche Schreibphase kann in Einzel- oder Gruppenarbeit stattfinden. Der Bedarf an medienpädagogischer Betreuung variiert in der Schreibphase stark, abhängig von dem Alter und der Vorerfahrung der Kinder und Jugendlichen.

Schritt 3: Veröffentlichung
Um die Authentizität der Texte zu wahren, geht mit der Veröffentlichung eine geringstmögliche redaktionelle Bearbeitung durch spielbar.de einher. Sie beschränkt sich im Idealfall auf die Rechtschreibkorrektur. Formal besteht eine Spielbesprechung bei spielbar.de dabei immer aus zwei Hauptteilen, der Spielbeschreibung und der Spielbeurteilung. Die Beschreibung ist objektiv und neutral, und damit auch Ausdruck der unvoreingenommenen Herangehensweise. Ihr folgen eine oder mehrere Beurteilungen in Form von Kommentaren, die unterschiedliche Meinungen, Sichtweisen und Standpunkte beinhalten können und sollen. Damit regen Spielbesprechungen von Kindern und Jugendlichen ausdrücklich zur Diskussion an, auch zwischen den Generationen. Die Projektergebnisse stehen über spielbar.de sowohl den Peer-Groups als auch Erwachsenen zur Verfügung. Die Spielbesprechungen sollen zur Diskussion anregen und können damit als Ausgangspunkt für weiterführende intergenerative Ansätze genutzt werden.


Zielgruppe

  • Kinder
  • Jugendliche
  • Intergenerativ

Eingesetzte Medien

  • Foto
  • Web
  • Games

Ziele

  • Reflexion
  • Exploration
  • Artikulation
  • Medienanalyse und -kritik

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Das Projekt kann individuell gestaltet werden. Vorgaben, was die Altersgruppen betrifft, mit denen Spielbesprechungen erstellt werden, gibt es keine. Jeder kann mitmachen: Statements zu Computerspielen reichen auf spielbar.de von einfachen (niederschwelligen) Kommentaren bis hin zu vollständigen Spielbesprechungen. Spielbesprechungen müssen keinesfalls in reiner Textform vorliegen. Die Erstellung von Videos ist ebenso denkbar. Let’s Play-Videos erfreuen sich insbesondere bei Jugendlichen zunehmender Beliebtheit und bieten durch die visuelle Aufbereitung einen ganz anderen Anreiz bei der jungen Zielgruppe. Das Erstellen von Videos erfordert im Gegensatz zur rein textlastigen Spielbesprechung neben technischem Knowhow auch die Fähigkeit zum spontanen Kommentieren. Für Aktive Medienarbeit ergeben sich hier neue Anknüpfungspunkte.

Tipps & Tricks

Unsere Erfahrungen zeigen, dass bereits Kinder der fünften Jahrgangsstufe eigene Spielbesprechungen erstellen können. Mit zunehmender Übung (und zunehmendem Alter) werden die Kinder sicherer. Ältere Jugendliche und erfahrene ‚Spieletester‘ können schließlich völlig autonom an Spielbesprechungen arbeiten. Das Verfassen von Texten zu Computerspielen erweitert dabei nicht nur den Horizont hinsichtlich des Angebots an Computerspielen, sondern bietet darüber hinaus Potenziale für eine Vielzahl weiterer positiver Lerneffekte. Dazu zählt insbesondere das soziale Lernen in der Gruppe in Verbindung mit unvoreingenommenem Herangehen an neue Aufgaben. Aber auch Sprach- und Schreibkompetenz ist gefordert, wenn es gilt, die eigene Meinung mündlich gegenüber der Gruppe oder in Textform zu artikulieren. Kinder und Jugendliche lernen in Spieletestergruppen viel, was ihnen auch an anderer
Stelle zu Gute kommt.

Schwierigkeiten

Nicht alle Kinder sind automatisch motiviert, wenn es darum geht, auch aktiv über Computerspiele nachzudenken. Nur wenn sie wissen, dass ihr Projekt keine ‚Spielestunde‘ ist und sie die Beteiligungsform als Chance wahrnehmen, werden sie begeistert bei der Sache sein. Gerade die Differenzierung zwischen der objektiven Beschreibung und ihrer persönlichen Meinung fällt Kindern und Jugendlichen erfahrungsgemäß häufig noch schwer. Auch die Begründung ihrer Meinung ist eine Herausforderung für Kinder. Hier gilt: je jünger die Kinder, desto wichtiger ist die pädagogische Betreuung. Je nach Alter und Vorerfahrung erleichtern Gliederungshilfen für den Text in der Schreibphase die Arbeit. Wie bei allen Projekten mit Computerspielen ist man darüber hinaus mit sich verändernden und wachsenden Hardwareanforderungen konfrontiert. Stets eine gute Alternative sind Browserspiele, die sich meist auch für ältere PCs eignen.

Feedback

Wir arbeiten derzeit bereits mit verschiedenen Institutionen zusammen. Und konnten auch eigene Erfahrungen an einer Berliner Grundschule bei der Durchführung des Projekts „ZilleZocker“ sammeln (gemeinsam mit dem Deutschen Kinderhilfswerk e.V. und dem Computerspielemuseum Berlin). Die Rückmeldungen der Kinder und Jugendlichen sind dabei durchgehend positiv. Sie honorieren, dass sie nach ihrer Meinung gefragt werden:
Junge, ZilleZocker, 11 Jahre: „Gut, dass wir hier die eigene Meinung aufschreiben und die dann auch veröffentlichen. Denn ich möchte auch die Meinung
der anderen wissen.”
Mädchen, Leipziger SpieL.E.tester, 14 Jahre: „Man muss vorher genau überlegen, was man sagen will. Ich mache es aber gern, denn es ist eine gute Gelegenheit, Neues kennen zu lernen und sich mit anderen auszutauschen.“


Checkliste

Raum und Zeit:

  • bei Kindern ein Computerraum und etwa drei Stunden pro Termin
  • bei Jugendlichen flexiblere Gestaltung

Gruppengröße

  • bis zu zwölf Kinder und Jugendliche

Vorkenntnisse
Die Projektdurchführenden sollten medienpädagogisch geschult sein und gute Kenntnisse im Games-Bereich sowie redaktionelles Knowhow haben.

Links & Material

www.spielbar.de
www.uni-leipzig.de/~compsp/spieletester/spieletester.html Leipziger „SpieL.E.tester“
www.blog.total-verplant.de/category/spielbar total verpLANt Blog
www.spielbar.de/neu/category/themen/zillezocker „ZilleZocker“


About

Tobias Miller, Anne Sauer
spielbar.de, Bundeszentral efür politische Bildung
spielbar@bpb.de

spielbar.de ist die interaktive Plattform der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Computerspiele. Sie bietet Tipps und Orientierungswissen zu Computerspielen für Eltern, Anregungen und Austauschmöglichkeiten für pädagogische Fachkräfte sowie Spieleinfos und Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche und fördert den Austausch zwischen Spielenden und Nicht-Spielenden.

Tobias Miller M.A., Projektleiter und Medienpädagoge bei der outermedia GmbH in Berlin. Er leitet die Redaktion von spielbar.de und beschäftigt sich insbesondere mit der pädagogische Beurteilung von Computerspielen und dem Informationsbedarf von Eltern und pädagogischen Fachkräften. Er konzipiert Bildungsangebote und Schulungen im Bereich Medienkompetenz.

Anne Sauer B.A., Medienpädagogin bei outermedia GmbH. Sie übernimmt redaktionelle und konzeptionelle Tätigkeiten für spielbar.de und ist verantwortlich für die medienpädagogische Begleitung von Kinder- und Jugendprojekten sowie die Konzeption und Durchführung von Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Creative Commons-LizenzDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de
GastautorIn
Verfasst am 05.12.2012

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