Visuals: kreativer Mix in Bildern und Musik

"kreativer Mix in Bildern und Musik in der Medienpädagogik"WORKSHOP
DJs machen Musik die Visualistinnen und Visualisten machen die Bilder! Um die Zusammenhänge zur Kunstform ‚Visualkultur‘ zu verstehen, ist zu Beginn eine kleine Einführung sinnvoll.

Kurze Einführung zu Party und Visualkultur
Bevor wir über VJ-Kultur und Visuals reden können, ist es wichtig zu klären, was eine Party ist. Eine Party ist eine cultural performance wie: Konzerte, Theateraufführungen, Messen, Hochzeiten et cetera. Bei Partys treten verschiedene Künste gleichzeitig auf. Tanz, Musik, Schauspiel, Film, Mode, Licht treffen sich in einem Raum – eine gute Party ist von allen diesen Künsten abhängig. Ein/eine DJ braucht ein Publikum, das tanzen will und die Tänzerinnen und Tänzer wollen tanzbare Musik hören. Raumgestaltung und Licht ist genauso wichtig wie die Platten, die der/die DJ auflegt. Wer will denn auch in einem grellhellen Club tanzen?

Bei einer Party werden verschiedene Rollen aufgeteilt: Tänzerinnen und Tänzer, Modeträgerinnen und -träger, Security, DJs … und VJs (Videojockeys). Hier geht es nun um eine Rolle auf diesen Happenings/Parties, nämlich die von einem oder einer VJ. Ein/Eine VJ ist die Person die Laufbilder zur Musik mischt. Ein DJ mischt Musik. VJs mischen Filme, Videoclips, Fotos, Grafiken. Dieser visuelle Mix, der live entsteht ist nicht wiederholbar und wird als Visual bezeichnet. VJs übersetzen die Musik in Visuals, orientieren sich am Rhythmus, an der Melodie der Musik. VJs malen, fotografieren, machen Filme, Grafiken… sie arbeiten mit verschiedenen Künsten und dadurch entsteht eine neue Kunst: VISUALS. Diese Momentkunst wird auf eine Leinwand projiziert und ist besonders bei Partys mit elektronischer Musik sehr beliebt.

Die Idee der Visualisierung von Musik ist nicht neu. Ihre Geschichte geht zurück bis ins 16. Jahrhundert und wahrscheinlich noch viel weiter. Aber die Visuals, von denen wir heute sprechen, sind zwischen 1960 und 1980 entstanden. Sie sind parallel zum Aufstieg der elektronischen Musik entstanden. Sie kommen aus den USA und über England auch nach Zentraleuropa. Künstler wie Andy Warhol, Bands wie Pink Floyd und der Musiksender MTV haben Visuals bekannt gemacht.

Produktion der Visuals
In der Arbeit mit Kindern (und Jugendlichen) spielt der aktive, schöpferische Zugang eine zentrale Rolle. Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder ihre Bilder für die Visuals selbst finden und drehen. In der Einführung werden Laptop und Beamer zusammengeschlossen und die VJ-Software gezeigt. In der Erklärung sind wenige wesentliche Funktionen ausreichend, die in dieser komplexen Software in einer kurzen Zeiteinheit bewältigbar sind.

  • Wo liegen die Videoclips? Wie werden die Clips aufgerufen?
  • Wie kann der Clip geloopt, oder in Zeit und Länge verändert werden?
  • Wie funktionieren die Überlagerungsfenster?
  • Welche Effekte gibt es dort? (Ein bis zwei Effekte aussuchen!)
  • Wie funktioniert das Ausgabefenster?
  • Welche Möglichkeiten gibt es die Bilder zur Musik zu takten?
  • In der anschließenden Brainstormphase mit den Kindern werden die Möglichkeiten und Ideen für die eigenen Videoaufnahmen besprochen.
  • Was lässt sich gut in einen Loop bringen? (Ball hochwerfen – fangen/ein Tanzschritt . . .)
  • Wie viel Aufnahme brauche ich? (von Abwurf bis Fangen/eine Drehung . . . )
  • Welche Aufnahmen möchte ich heute machen?
  • Was interessiert mich?

Nachdem Ideen und Bedingungen besprochen und die Grundlagenbedienung der Videokamera erklärt sind, drehen die Kinder eigenständig Clips. Hier reicht eine Zeiteinheit von 20 Minuten. Anschließend spielen die Kinder unter Anleitung ihre Clips in ein Videoschnittprogramm und bearbeiten die Aufnahmen, wie zum Beispiel Anfang und Ende nachjustieren. Die Clips werden nun in das entsprechende Format für die VJ-Software exportiert. Alle Clips werden in der VJ-Software aufgerufen und in entsprechende Ordner abgelegt. Hier können nun die Kinder nacheinander mit den gezeigten Effekten und Überlagerungen experimentieren (Bilddelayeffekt, Farbeffekte, Spiegeleffekte…).

Es werden viele Clips gebraucht, um eine abwechselungsreiche Bild- und Raumgestaltung live zu performen. Viele Clips machen eine gute Auswahl möglich. Durch die Verwendung der eigenen und der Clips anderer Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer entsteht Clip-Sharing. Jedes Kind bekommt die Möglichkeit manche Clips nur individuell zu nutzen und einige ihrer eigenen Clips freizugeben. Die/der am Laptop mixende Visualistin bzw. Visualist macht daraus ihre eigene spezielle Performance – der/die nächste macht aus den gleichen Clips sein bzw. ihr eigenes individuelles Bildprogramm.

Zum Abschluss dieser ersten Workshopeinheit bekommt jedes Kind die Möglichkeit zu einer von ihr ausgesuchten Musik live auf eine Projektionsfläche ihren VJ-mix zu beamen. Bei einer anschließenden Party (nächster Tag) werden die jungen Visualistinnen und Visualisten eingeladen zur Partymusik ihre Visuals live zu performen. In unserem Beispiel der „vj-kids“ haben die Kinder die Möglichkeit dies bei einer Kinderparty im Wiener Rathaus im Rahmen des Wiener Ferienspiel zu machen. Die Workshopbetreuerinnen und -betreuer stehen ihnen dabei zur Seite.

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Zielgruppe

  • Kinder
  • Jugendliche

Eingesetzte Medien

  • Foto
  • Video

Ziele

  • Exploration

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

VJing hat sich als neue Kunstform besonders in der Clubkultur und Undergroundszene durchgesetzt. Visuals, Musik und Parties gehören zusammen und lassen sich nicht trennen. Visuals entstehen in Echtzeit und sind von der jeweiligen Stimmung der Menschen abhängig, die an einem Ort zusammenkommen. Wie DJs brauchen auch Visuals Jockeys (VJs) ein Publikum, das auf die Visuals reagiert und die Live-Performance beeinflusst. Es gibt viele Möglichkeiten Visuals zu machen. Manche VJs arbeiten mit analogem Equipment. Diaprojektoren und analoge Videomischer sind beliebte Werkzeuge für VJs.

In den letzten Jahren hat sich aber vor allem der PC zum Hauptwerkzeug für Videokünstlerinnen und -künstler und VJs entwickelt. Der Computer dient einer einerseits als Werkzeug die unterschiedlichen Medien zu verändern und andererseits wird er mit der geeignete Software zum digitalen Videomischer, mit dem sich unzählige kreative Möglichkeiten auftun. Mit dem PC lassen sich Fotos, Videoclips, Livebilder und Animationen immer wieder neu mischen und kombinieren. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht!

Die kunstvollen Bildercollagen bringen einen erweiterten und intuitiven Zugang zu komplexen Bildwelten und bieten einen Einblick in Computer- und Videokunst. Visuelle Kreativität und technische Komponenten ergänzen hier einander, wobei auch die medienübergreifenden Zugänge zu Musik, Bild und Performance genutzt werden. Das erste Workshopsetting ist bei der Zielgruppe Kinder oder Jugendliche ähnlich. Sprachlich und technisch an die Zielgruppe angepasst, brauchen die Kinder meist nicht mehr Zeit, um zu Ergebnissen zu kommen. Die Jugendworkshops wurden mit verschiedenen Spielarten des VJing an weiteren Tagen erweitert. Die kontinuierlichere Auseinandersetzung ermöglicht die Verdichtung zu einer aufkommenden individuelleren Bildsprache.

Tipps & Tricks

VJ-Projekte oder auch das Verbinden verschiedener Künste zu einem Event/Party schafft immer wieder Möglichkeiten mit verschiedensten Medien kreativ die Welten junger Menschen in Wort, Klang und Bild zu bringen. Explorieren, aber auch wieder verdichten, sprechen kreative Parameter der Kunst an. Flexibel sein und trotzdem fluktuieren, den Überblick behalten, intuitiv herangehen und in der Vielfalt das Eigene hervor bringen.

Der Austausch über Bilder und die Vernetzung der Clipsammlungen bereichern die Jugendlichen. Die Möglichkeit seinen individuellen Ausdruck durch die Live-Mischungen zu finden und trotzdem Bilder anderer mit zu verwenden, eröffnet soziale und kommunikative Zugänge. Wir waren selbst erstaunt, wie einfach und kreativ diese kompakte Form eines VJProjekts auch mit Kindern funktioniert. Die zehn- bis 13-jährigen Mädchen und Jungen haben einen sehr freien Zugang zu Technik und ihnen bisher weniger bekannten Medien. Die Ergebnisse, die gleich auf einer großen Wand projiziert werden, aus ihren Bildern entstehen und zu ihrer Musik getaktet werden, schaffen Eindruck.

Schwierigkeiten

VJ-Software ist meist sehr komplex. Die Aneignung der Grundfunktionen und Möglichkeiten ist autodidaktisch nicht leicht. Eine Einführung für Workshopleiterinnen und -leiter durch eine Visualistin bzw. einen Visualisten ist hier von Vorteil. Wie bei jeder Software reichen aber für die jeweiligen Workshopbedingungen Grundlagen, mit denen jeder und jede selbst weiterarbeiten kann. Wir halten eigene künstlerische Zugänge zu Visuals für notwendig. Anderenfalls empfehlen wir die Zusammenarbeit von Künstlerinnen und Künstlern und Medienpädagoginnen und -pädagogen. Der Funke der Begeisterung springt so am ehesten auf die Kinder und Jugendlichen über und die Zusammenarbeit bereichert die Kompetenzen.

Die doch sehr umfangreichen Vorgänge von Videoaufnahmen und ‚Videoschnitt‘, sowie Bedienung von VJ-Software erfordern eine genaue Einschränkung in welchem Rahmen die vielfältigen Möglichkeiten genutzt werden sollen. Vorgabe der Aufnahmenzeit mit der Kamera – Vorgabe der Rekorddauer eines Clips, Auswählen einiger weniger Effekte in der VJ-Software damit genügend Zeit bleibt, die eigenen Clips zu einer Musik zu takten.

Feedback

VJing ist nichts fürs stille Kämmerlein, sondern entwickelt erst bei Live-Performances seinen ganz besonderen Charakter. Während den Auftritten werden immer wieder weitere Kinder (und Jugendliche) von diesem Virus ‚infiziert‘. Genau in dieser Form kann so ein VJ-Projekt auch ganz von selbst organisch wachsen und eine Vernetzung von Newcomern und Insidern klappen, vorausgesetzt die Möglichkeiten der medienpädagogischen Einrichtung lassen eine kontinuierliche Arbeit zu. Diese Live-acts brauchen ein hohes Maß an Konzentration und können auch anstrengend sein – viele junge Menschen können bei einem Event zum Zug kommen.

Genügend technisches Equipment ist eine gute Ausgangsbasis, aber leider oft auch eine Hürde. Experimentiermöglichkeit und das reale Tun miteinander wurde von den jungen Menschen bisher immer gelobt. Die eigene Individualität in der Gruppe ausleben, findet hier einen handlungsorientierten, künstlerischen Ausgangspunkt und das mitten in der Lebenswelt junger Kultur – durch ihre Bilder und ihre Musik.

"kreativer Mix in Bildern und Musik in der Medienpädagogik"


Checkliste

Räumliche Rahmenbedingungen

  • ein Raum zum Verdunkeln für die Projektionen

Zeitliche Rahmenbedingungen

  • drei bis vier Stunden für den Workshop, für die Live-Performance ist eine Party der beste Rahmen

Gruppengröße

  • eine Workshopleiterin bzw. ein Workshopleiter für drei bis vier Kinder

Vorkenntnisse

  • die Workshopleiterin bzw. der Workshopleiter sollte im besten Fall selbst Visuals gestalten, mit einer Vj-Software und Videoschnitt vertraut sein

Benötigte Hard- und Software

  • zwei Laptops
  • Beamer
  • eventuell Videomischer (Ediroll V8)
  • Kleine, einfache Camcorder
  • Videoschnittprogramm (Final Cut)
  • Vj-Software (Resolume, Modul 8. Ältere Versionen (oder Testversionen) sind gratis und gut einsetzbar für Anfängerprojekte)
  • Externe Festplatte oder Netzwerkmöglichkeit

Links & Material

www.viennaremix.at ist die Website zum vj-Projekt des wienXtra-medienzentrum
www.resolume.at (auch www.modul8.ch/) sind websiten zu einer von uns verwendeten Vj-Software


About

Angelika Overbeck
wienXtra-medienzentrum
angelika.overbeck@wienxtra.at
www.medienzentrum.at

wienXtra-medienzentrum ist eine auf handlungsorientierte Medienarbeit spezialisierte Einrichtung der Wiener Jugendarbeit. Das wienXtra-medienzentrum lädt zum Experimentieren mit Medien in der Freizeit ein. Von Beratung, Geräteverleih, Schnittplätze, Workshops bis Infoabende ist das Angebot für Jugendliche unter 22 kostenlos. Das multiprofessionelle Team des medienzentrums deckt viele Bereiche der Medienproduktion und Medienpädagogik ab und erprobt laufend neue Methoden und Zugänge für die Aktive Medienarbeit.

Angelika Overbeck ist als freischaffende Künstlerin, Kunsttherapeutin, sowie als medienpädagogische Mitarbeiterin des wienxtra-medienzentrum im Bereich Medienprojekte tätig. Sie
arbeitet in Projekten, als auch in Aus- und Weiterbildung in Wien. Die beschriebenen Projekte wurden in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen des wienxtra-medienzentrum, sowie Visualistinnen und Visualisten entwickelt.

Creative Commons-LizenzDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de
GastautorIn
Verfasst am 04.12.2012

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