Rhythm Clip

"Rhythm Clip in der Medienpädagogik"Mit der Methode wird ein kurzer künstlerischer Videoclip aus aufgezeichneten Alltagsgeräuschen produziert, die so zusammengeschnitten werden, dass es eine rhythmische Collage ergibt.

Einstieg
Um ein Gefühl von Rhythmus zu aktivieren, kann sich die Gruppe vor der Produktion im Kreis aufstellen. Alle Teilnehmenden dürfen nacheinander ein kleines Rhythmusmuster vormachen, in das die anderen einstimmen (Stampfen, Schnipsen, Klatschen, Schnalzen, Schenkelklopfen). Als Motivation und zur Konkretisierung der Projektidee können zu Beginn Beispielvideos gezeigt werden.

Aufnahme
Mit einer Videokamera wird nah an Objekte herangegangen, die Geräusche machen (Close-up). Durch die große Nähe zur Geräuschquelle kann der Ton gut über das eingebaute Mikrophon aufgenommen werden. Die Geräuschquellen können frei gewählt werden oder aber nach gewissen Vorgaben (ortspezifische Geräusche wie Schule, gefühlsspezifische Geräusche wie Angstgeräusche, Glücksgeräusche). Spannend ist auch die Kombination aus Alltagsgeräuschen von Objekten und menschlichen Geräuschen (Husten, Lachen, Schnalzen, Stöhnen, Klatschen, Schnipsen et cetera).

Schnitt
Die verschiedenen kurzen Bild-Ton-Aufnahmen werden in den Computer importiert und mit einem Videoschnittprogramm bearbeitet. Wichtig ist, dass die Geräusche extrem kurz geschnitten werden und keinen langen Vorlauf und Nachlauf haben (nur das Geräusch des Fingerschnipsens an sich und nichts davor und danach). Einmal geschnittene Geräusche können immer wieder verwendet werden, so wie der Klang einer Trommel immer wieder angespielt werden kann. Wie bei einem Schlagzeug kann man aus wenigen Geräuschquellen einen Rhythmus arrangieren. Aus den gekürzten Geräuschen wird ein rhythmischer Videoclip zusammen geschnitten (rhythmclip). Rhythmus entsteht oft über Wiederholung. Es ist möglich, ein bereits im Videoschnittprogramm arrangiertes Rhythmus-Muster zu kopieren und mehrmals einzufügen.

Präsentation
Am Ende können die Videos der verschiedenen Untergruppen im Plenum präsentiert werden. Auch eine Veröffentlichung auf YouTube ist vorstellbar. Dafür muss ein Konto bei YouTube erstellt werden. In diesem Zusammenhang können auch ethische und rechtliche Aspekte thematisiert werden.


Zielgruppe

  • Kinder
  • Jugendliche
  • Fachkäfte
  • SeniorInnen

Eingesetzte Medien

  • Video
  • Audio

Ziele

  • Reflexion
  • Exploration
  • Artikulation
  • Medienanalyse und -kritik

"Rhythm Clip in der Medienpädagogik"

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Eine zeitsparende Variante besteht darin, anstelle der Videokamera eine Notebookwebcam oder eine externe Webcam zu benutzen. Dann müssen die Geräuschquellen zum Computer gebracht werden. Wenn man den Film zweimal hintereinander montiert und beim ersten die Bildebene entfernt, entsteht ein Rate-clip, der am Anfang nur die Geräusche und erst später die visuelle Auflösung präsentiert.

Tipps & Tricks

Ziel des Projekts ist, die akustische Wahrnehmung zu verfeinern und einen ästhetischen Zugang zum akustischen Alltag zu gewinnen. Junge Menschen können ihre Umgebung und ihren eigen Körper als Quelle spannender Geräusche kennen lernen und ihre rhythmischen Fähigkeiten erweitern. In kurzer Zeit kann ein künstlerisches Produkt entstehen, auf das die Macherinnen und Macher stolz sein können. Das Projekt eignet sich auch besonders dafür, ein neues Schnittprogramm kennen zu lernen. Wird die Aneignung einer neuen Schnittsoftware mit einem konkreten Videoprojekt verbunden ist es für alle Beteiligten viel spannender und motivierender.

Schwierigkeiten

Oft werden die Geräusche nicht kurz genug geschnitten bevor sie zu einem Rhythmus-Clip zusammengebaut werden. Wie bei einem Schlagzeug entsteht auch bei einem Rhythm-Clip der Rhythmus durch kurze und prägnante Geräusche. Längere Geräusche ergeben eher eine Geräuschkollage als einen Rhythmus. Teilweise versuchen Teilnehmende schon bei der Aufnahme einen Rhythmus zu machen, indem z.B. ein Schlüsselbund rhythmisch geschüttelt wird. Möglich ist das auch, aber die Kernidee des Projekts ist die Herstellung von Rhythmus beim Schnitt.

"Rhythm Clip in der Medienpädagogik"


Checkliste

  • Zeit: Mit computererfahrenen Teilnehmenden ein bis zwei Stunden, sonst zwei bis vier Stunden.
  • Produktionsgruppen von zwei bis drei Personen
  • Videokameras mit Mikrophon
  • Verbindungskabel
  • Computer
  • Videoschnittsoftware (z.B. Movie Maker oder iMovie)
  • möglichst ein (selbstgemachter) Beispiel-Clip
  • Ggf. Anleitung für das Computerschnittprogramm

Links & Material

Weiterführende Überlegungen
www.mediaculture-online.de/Close-Up-Rhythm-Clip.1031.0.html

Film-Beispiel
www.phzh.educanet2.ch/audio/.ws_gen/11/ThoRegLucexp.mov

Film-Beispiele mit Körpergeräuschen
www.youtu.be/o9698TqtY4A
www.youtu.be/RSJGro_iZPs


About

Peter Holzwarth
Pädagogische Hochschule Zürich
peter.holzwarth@phzh.ch
Idee: Frans von Lokven, Niederlande

www.phzh.ch/personen/Peter.Holzwarth
www.phzh.educanet2.ch/peter.holzwarth

PH Zürich: Der Fachbereich Medienbildung der Pädagogische Hochschule Zürich ist in den Bereichen Ausbildung, Weiterbildung, Medienberatung und Forschung aktiv.

Peter Holzwarth: Arbeitsschwerpunkte und Interessengebiete: Medienbildung, Aktive Medienarbeit (Fotografie, Video, Audio), Interkulturelle Pädagogik, Migrationsforschung, visuelle
Forschungsmethoden, Filmbildung, Bildpädagogik, Werbung und Medienkritik, Jugendforschung, Graffitiforschung, Medien und Migration, Jugendkultur und Schule
Studium an der Universität Tübingen, Forschungsprojekte an der Universität Tübingen und an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Promotion, seit 2006 im Fachbereich Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich.

Creative Commons-LizenzDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de
GastautorIn
Verfasst am 03.12.2012

2 Kommentare

  1. Stefanie van Wasen am 01.02.2013:

    Hier ein weiteres gelungenes Praxisbeispiel:

    http://www.firsturl.de/vZsB9Ys

  2. Ulrich Tausend am 11.04.2013:

    Den Aufwand für solche Videos kann man durch die Nutzung der iPhone App http://www.movbeats.com minimieren. Auf der anderen Seite ist man mit einem Schnittprogramm flexibler. Playliste mit Making Of und Beispielvideos: http://tiny.cc/beatvideo .

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