Apps zum Musik selber machen

Musik selber machen unter iOS in der MedienpädagogikCa. ein Viertel der BesucherInnen des Jugendzentrums in dem ich arbeite (Freizeitstätte KistE) haben iPhones oder iPod Touches, mehr als ein Viertel haben Android Phones. Genutzt werden diese aber oft nur zum Telefonieren, Spielen und Musik hören. Was für eierlegende Wollmilchsäue sie eigentlich in der Tasche mit sich herumtragen, ist den Kids meist nicht bekannt.

Das Musikstudio in unserem Jugendzentrum (Komplettkosten ca. 5000 Euro) hat eine hohe Anziehungskraft für viele unserer von Hip Hop begeisterten BesucherInnen. Mit kostenlosen oder günstigen Apps kann man aber auch mit Smartphones recht professionell Musik machen. Wobei es viel mehr gute Musik Apps für iOS als für Android gibt. Hintergrund ist die zu hohe Latenz (Verzögerung) bei Android die sich aber bessern soll.

Daher im Folgenden Tipps für iOS Geräte mit einem Focus auf Einsatz in der (Medien)Pädagogik:

    • Aufnahmen in guter Qualität kann man mit der vorinstallierten Sprachmemo Apps des iPhones (und vermutlich auch mit Android Phones) machen. Auch sehr günstige Smartphones haben ein Sprachmemo Funktion, diese nehmen aber oft sehr komprimiert auf. FIRE 2 (5,99 €) für das iPhone ist eine komplexere Alternative zum Apple App. Es bietet Effekte und einen Editor um die Sounds nach der Aufnahme zu verändern (iPhone auf die Seite drehen).
    • Garage Band für das iPhone und iPad (3,99 €) ist einfach zu benutzen und gleichzeitig sehr mächtig. Erstellte Tracks kann man mit Garage Band für den Mac und sogar dem professionellen Logic Pro direkt weiterbearbeiten. Die Weiterverarbeitung über andere Sequencer ist etwas komplizierter. Man kann erstellte Tracks auch direkt in iMovie importieren und damit Filme unterlegen.

    • Im Studio benutzen wir viel die hervorragende “Maschine” von Native Instruments. Mit der mächtigen iMaschinefür das iPhone (3,99 €) erstellte Tracks kann man mit der großen Maschine weiter bearbeiten.
    • Nano Studio (11,99 €) ist neben Garage Band das beliebteste “Tonstudio” für iPhone und iPad, mächtig aber auch kompliziert.
    • Das sich Smartphones hervorragend zum Loopen eignen habe ich hier beschrieben. Dort finden sich auch Tipps zur Nutzung externer Mikrofone.
    • Mit dem iRig kann man eine E-Gitarre direkt an Smartphones anschließen und das Signal mit diversen Verstärker und Effekt Apps weiterbearbeiten.
    • Movbeats (0,79 €) eignet sich hervorragend um Geräusche jeglicher Form zu Filmen und die Filmschnipsel zu einem Musikvideo anzuordnen. Folgende Videos entstanden im Rahmen eines Workshops mit Kindern und Jugendlichen und wurden direkt aus der App auf Youtube veröffentlicht.

  • MadPad (0,99 €) bietet die Möglichkeit Videoschnipsel-Sets mit anderen zu Teilen ist aber nicht so einfach zu bedienen wie Movbeats, da es keinen eingebauten sequencer hat.
  • Mit Figure (0,99 €) von den Reason-Entwicklern kann man sehr einfach und schnell Musikstücke erstellen. Seit Version 1.1 kann man auch exportieren. Für das Video zu unserem Bikefest 2011 habe ich ein mit Figure in der UBahn erstelltes Musikstück benutzt.
  • Der iKaossilator (15,99 €) ist die iOS Version des Kaossilators von Korg. Ohne Musikkenntnisse können sehr einfach Tracks erstellt und z.B. auf Soundcloud exportiert werden.
  • iPad? Die meisten der genannten Apps gibt es auch für Tablets wie das iPad. Dort sind sie  aufgrund des größeren Bildschirms leichter zu bedienen. Die Band Gorillaz haben 2010 sogar ein komplettes Album aufgenommen, das z.B. komplett mit dem iPad erstellt wurde.
  • Was zum Anfassen? Es gibt inzwischen vielfältiges Zubehör für das iPhone und iPad wie z.B. das Mini Keyboard Synthstation 25 (59,00 €) und das größere 49 (186,00 €) von Akai. Die Synthstation 25 wird aber nur von einigen Apps (wie Nano Studio) direkt unterstützt. Mittels der App Midibridge (5,99 €) kann man die Unterstützung auf alle Core Midi fähigen Apps erweitern, so lässt sich dann auch GarageBand nutzen. Die 25 eignet sich durch Batteriebetrieb auch für den Mobilen Einsatz, lässt sich aber auch Midikeyboard ohne iOS Gerät am PC nutzen.
  • Auch Piano Apprentice ist ein Minipiano und speziell zum Klavier lernen gemacht, die Tasten des Klaviers leuchten auf, wenn man sie spielen soll. Die kostenlose App zur Hardware benutzte ich mit meiner Synthstation 25. Weitere Apps zum Klavier- und Notenlernen sind PianoMan (kostenlos) und das etwas simple iNoteTrainer (3,99 €).
  • Mit Practice Pro Lite (kostenlos) kann man sich Lieder langsamer oder Teile gelooped anhören. Praktisch um sie nachzuspielen oder zu singen. Einschränkung der Lite Version, nur die erste Hälfte des Liedes ist hörbar.

Diese Liste ließe sich noch lange weiterführen. Fast jede professionelle Musikfirma hat eine vereinfachte und viel günstigere Version eines ihrer Hardware- oder Softwareprodukte auf iOS Geräten veröffentlicht.

Fakt ist, Smartphones und Tablets sind klein und mobil, oft schon verfügbar und verfügen (zumindest geladen mit den richtigen Apps) über riesige Möglichkeiten. Und mit einem Stupser in die richtige Richtung merken auch die Jugendlichen was sie da in der Tasche haben. Aber auch die Möglichkeiten der PädagogInnen multiplizieren sich. Unser erstes “Lokal Beats – vertone deinen Stadtviertel“-Projekt bei dem wir Geräusche aufgenommen, zu Beats verarbeitet und darauf gerapped haben, benötigte noch viele unterschiedliche teure Hardware und Software. Das nächste kommt vielleicht mit einem Tablet aus.

Ich freue mich auf Kommentare mit weiteren Tipps zu Applikationen und Anwendungsmöglichkeiten.

Dies ist ein Gastbeitrag von Ulrich Tausend und zeitgleich auf seiner Website erschienen. Der Autor (Jahrgang 1979, Diplom-Soziologe) befasst sich seit vielen Jahren mit Computerspielen. Als 20-jähriger gründete er die Onlinespiele Firma Neodelight.com, die im Jahr 2008 verkauft wurde. Seitdem erstellt er Lernspiele und konzipiert medienpädagogische Projekte. Er ist derzeit für den Bereich Jugendkultur bei der Freizeitstätte KistE in München angestellt. Außerdem unterrichtet er an der Mediadesign Hochschule, wo er sich mit sozialen und ethischen Aspekte von Gamedesign befasst. Er engagiert sich in den Initiativen Creative Gaming und gameLabor.

Creative Commons-LizenzDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de
GastautorIn
Verfasst am 01.10.2012

11 Kommentare

  1. Phosphatfrei am 01.10.2012:

    Obwohl die Autoren des PraxisBlogs mehrheitlich mit Apple arbeiten habe ich immer eine ausgewogene Darstellung erlebt. Wenn auf der NAMM nur noch integrierte Lösungen für iPad zu präsentiert werden ist das traurig genug und sollte zum nachdenken über die marktbeherrschende Stellung von Apple im Kreativbereich anregen. Eine Darstellung der Alternativen mit dem platten Kommentar abzutun, dass die Latenzzeiten bei Android zu hoch seien, hat mir vor dem Hintergrund, dass Latenzzeiten weit mehr von den Signalwegen der eingesetzten Hardware denn vom Betriebssystem abhängen, die weitere Lektüre des Artikels gänzlich versaut.

  2. Eike Rösch

    Eike Rösch am 01.10.2012:

    Lieber Rainer,
    an der Ausgewogenheit ändert sich auch nichts. Immer mal wieder erscheinen hier Artikel, die nur ein Beitriebssystem betreffen, egal am Desktop oder mobil. Das bedeutet dann nicht, dass wir die jeweilige Lösung für die einzig richtige erachten, sondern nur, dass wir gerade in diesem Moment auf diese Anwendung hinweisen. So ist in diesem Fall ein späterer Artikel über Android-Apps nicht ausgeschlossen.
    Wo Du meiner Meinung nach in jedem Fall recht hast: Mobile Systeme sind derzeit so geschlossen wie keins zuvor – und MedienpädagogInnen sollten genau schauen, inwiefern sie unbewusst Promotion machen.

  3. christian am 02.10.2012:

    Hi,
    erstmal goßes lob an den gesamten blog. das ist eine der seiten mit medienpädagogischen inhalt die ich immer wieder besuche und auch weiterempfehle. die medienpädagogische praxis klärt sich meistens an den fakten: “wo wohnst du? welche schule besuchst du? wieviel kohle hast du?” das entscheidet auf welcher grundlage du deine arbeit auf bauen kannst. Ich versuche in meiner tätigkeit so oft es geht mit open source programmen zu arbeiten. wegen der nachhaltigkeit und kosten. manche dinge lassen sich aber nicht so machen ( wenn ich da an filmschnitt denke :( ). was ich aber hier gut und bemerkenswert finde ist das du früher immer die technik anschaffen musstest, stationär stehen hattest und nun wandelt sich da bild und fast jeder führt dieses digitale Schweitzer Taschenmesser in seiner Hosentasche mit. ob du nun die 4,99€ für kippen aus gibst oder dir imaschine kaufst…
    nicht jeder hat einen ipod oder ein iphone. andere geräte können aber auch was. wichtig ist glaube ich auf welchen weg sich nun projekte durchführen lassen.

  4. Ulrich Tausend am 02.10.2012:

    Lieber Rainer,
    danke für den Hinweis. Dass sich der Artikel auf iOS konzentriert hat zwei Gründe. Zum einen gibt es wirklich viel weniger gute Musik Apps auf Android was nicht primär an der Hardware sondern an Android liegt. Die Entwickler haben auf geringe Latenz kein Wert gelegt. Ein Fehler, den sie inzwischen aber erkannt haben (wie auch den Link im Artikel zu entnehmen). Und der andere Grund ist, dass ich selbst erst seit kurzem ein Android Gerät habe und deswegen erst dabei bin mir dort einen Überblick zu schaffen. Und da gelobe ich Besserung. Ich habe vor die Version des Artikels auf meiner Seite weiter zu updaten. (http://ulrichtausend.com/smartphonemusik/), was ich hier per Kommentar dann auch mitteile.
    Der Punkt mit der unbewussten Promotion ist relevant. Deswegen haben wir z.B. im Musikstudio der KistE ganz bewusst auf Windows statt Apple gesetzt, damit die Jugendlichen sehen, dass sie mit dem was (die meisten) daheim haben, weiter arbeiten können.

  5. finefin am 02.10.2012:

    Die Audio-Latenzen unter Android kann ich als Entwickler nur bestätigen. Die openAL-Schnittstelle ist hier miserabel umgesetzt, selbst auf neuesten Geräten mit 4 Prozessorkernen machen die Latenzen jede ernstzunehmende Musikanwendung unbrauchbar. Zumindest im Moment sind iOS-Geräte für Musiker und Musik-App-Begeisterte die erste Wahl!

    Hier noch ein paar Apps, die in der Liste fehlen:

    - SunrizerXS
    Ein Synthesizer, der auch mit der Synthsation perfekt harmoniert. Viele Presets, toller Sound. Schon öfters hier im Büro bei Jam-Sessions zum Einsatz gekommen.

    - Triqtraq
    Ein minimalistischer Loop-Tracker, der erstmal komplizierter aussieht, als er ist.

    - Bebot
    Ein kleiner Roboter, dem durch Streicheln über das bildschirmfüllende x/y-Pad wunderbar schräge Chiptune-Sounds entlockt werden können.

    - Baby Scratch (kostenlos)
    Plattenteller-Scratchen in babyleicht. Man kann per Mikro Sounds einspielen und dann damit scratchen.

    viele grüße
    -finefin

  6. Phosphatfrei am 03.10.2012:

    Hallo Ulrich,

    angeheizt durch Deinen Artikel (und Eikes Ermunterung selbst einen entsprechenden Artikel für Android-Geräte zu schreiben) habe ich mich im Web mal umgeschaut und mich in die Thematik eingelesen. Und weil der Erkenntnisgewinn so ernüchternd war, bleibt mir an dieser Stelle nichts übrig als zuzugeben, dass ich was die Latenzen von Android-Geräten angeht Mist erzählt habe. Da braucht man auch keine aufwändigen Latenzmessungen, es reicht, sich die wirklich gute (und kostengünstige) App Caustic 2 aus dem PlayStore runterzuladen und ein bisschen damit rumzuspielen, um zu merken, dass hier von “Echtzeit” keine Rede sein kann. Da bleibt nur zu hoffen, dass Android 4.1 Jelly Bean das Problem löst und die DAW-Programmierer dazu animiert, ihre Zeit und Energie auch in Android-Projekte zu stecken.
    Allen iPad-Besitzern, denen jetzt ein Lächeln über die Mundwinkel zuckt, wünsche ich viel Fun bei der Umsetzung ihrer kreativen Ideen.

    Keep on skanking. Let the good vibes flow! ;-)

  7. Ulrich Tausend am 04.10.2012:

    Und ich habe mir schon mal zehn Android Musik Apps in den Urlaub mitgenommen. Da ist auch einiges interessantes dabei. Nur eben nur mit der besagten Latenz. Ein Artikel ist mit Eike schon abgesprochen.

  8. Ulrich Tausend am 10.01.2013:

    Audiobus liefert großartige neue Möglichkeiten iOS Musik Apps gleichzeitig zu nutzen. Auch kann inzwischen über zusätzliche Hardware jegliche Midigeräte und Mikrofone an an iPhone und iPad anschließen. Oder man steuert Ableton und Cubase mit selbstgebauten Interfaces mit dem iPad mittels TouchOSC oder Lemure. Mehr dazu im Crosspostingartikel auf http://ulrichtausend.com/smartphonemusik/

  9. Apps zum Musik selber machen auf Tablets unter Android | Medienpädagogik Praxis-Blog am 28.01.2013:

    [...] dem Workshop immer verfügbar in der Hosentasche dabei. iOS Apps für iPhone/iPod/iPad haben wir im ersten Artikel zu dem Thema behandelt. In diesem Teil zwei geht es um Apps für die Android Plattform. Und hier [...]

  10. Ulrich Tausend am 28.01.2013:

    Teil Zwei des Artikels ist heute erschienen. Thema ist Android:
    http://www.medienpaedagogik-praxis.de/2013/01/28/musik-selber-machen-mit-android-apps/
    Es gibt beide Artikel auch kombiniert und aktualisiert hier:
    http://ulrichtausend.com/smartphonemusik/

  11. Apps zum Musik selber machen – Medienpädagogik Praxis-Blog | geewebdotme.wordpress.com am 05.10.2013:

    […] See on http://www.medienpaedagogik-praxis.de […]

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