Free your Android

Android-Smartphones befreien in der Medienpädagogik

“Cyanogenmod 7″ von DanielPrieto auf flickr.com (cc by-nc-sa)

Fremdbestimmtheit ist ein großes Problem, wenn es um die Nutzung von (Android-)Smartphones geht – auch im Umfeld von medienpädagogischen Projekten. Beispielsweise wird circa 30% des Speichers von Apps reserviert die der Hersteller vorinstalliert hat. Es ist jedoch nicht möglich die vorinstallierten Apps zu deinstallieren. Das wiederum liegt daran, dass der Benutzer auf seinem eigenen Gerät in der Regel nicht über die nötigen Benutzerrechte verfügt. Das wiederspricht unserem Verständnis von dem Eigentum, das wir als Käufer an diesem Handy beanspruchen.

Aufgrund der fehlenden Rechte auf meinem Telefon ist es mir auch verwehrt, selbst Updates des aktuellen Betriebssystems zu installieren es sei denn mein Hersteller stellt mir entsprechende Updates zur Verfügung. In der Regel ist damit erhöhter Entwicklungsaufwand verbunden der sich für die Hersteller nicht rechnet. Und so können die Nutzer von den Neuerungen am Betriebssystem, die herstellerunabhängig entwickelt werde, nicht profitieren.

Dies alles kann man aber ändern, weil Android Freie Software ist. Wie Sie selbst die Macht über Ihr Smartphone übernehmen können und ein neues Betriebssystem auf Ihrem Handy installieren, werde ich in diesem Artikel beschreiben.

Hintergrund

Im Internet lassen sich eine Vielzahl an verschiedenen Android Versionen finden. Eine der bekanntesten heißt CyanogenMod. Da Android auf vielen verschiedenen Smartphones installiert werden kann, muss auch für jeden Gerätetypen ein angepasstes CyanogenMod installiert werden.

Schritte zur Befreiung des Androidtelefons

  1. Um ein alternatives Betriebssystem auf dem eigenen Smartphone zu installieren müssen vorher alle wichtigen Daten auf dem Telefon gesichert werden.
  2. Das Smartphone rooten, sich als Administratorrechte verschaffen: Dazu wird meist eine Sicherheitslücke bzw. eine Backdoor für Entwickler ausgenutzt über die sich der Benutzer Administratorrechte auf seinem eigenen Telefon verschaffen kann. Root ist bei Unix Betriebssystemen der Administrator. Einige Hersteller darunter Motorola und Sony machen es ihren Benutzern sehr einfach die Gewalt über ihr Telefon zu übernehmen. Auf ihren Internetseiten sind Schritt für Schritt Anleitungen zu finden.
  3. Anschließend wird meist das Android Betriebssystem und die dazu passenden Google Apps auf der SD Karte des Telefons gespeichert.
  4. Wenn das Telefon wieder heruntergefahren ist, wird es per USB an den Comupter angeschlossen, der dann den Bootvorgang über eine Konsole fernsteuern kann.
  5. Durch eine spezielle Tastenkombination wird das Telefon nach dem Neustart vor dem Laden des Betriebssystems angehalten. Jetzt kann das herstellereigene Android-Betriebssystem gelöscht und die freie Open Source Alternative installiert werden. Mit der richtigen Anleitung (die hat mich glücklich gemacht) kann das Befreien des eigenen Telefon von den vorgegebenen Bedingungen des Herstellers in 1 Stunde erledigt sein.

Der erste Neustart dauert in der Regel recht lange weil eine ganze Reihe an Einstellungen konfiguriert werden müssen. Danach präsentiert sich das Smartphone wie kurz nach dem Kauf d.h. alle Mail-Accounts müssen neu eingerichtet werden und alle Apps neu installiert werden.

Ab jetzt hat der Nutzer die Macht über sein Telefon übernommen. Die Entwicklergemeinde von CyanogenMod stellt nahezu jeden Tag eine neue Version ihres Betriebssystems bereit. Jedes gewünschte Update, das entweder neue Funktionalitäten oder auch einfach nur Sicherheits Updates beinhaltet, kann auf dem Telefon mit Hilfe der App ROM Manager installiert werden. ROMs nennt man die für das Telefon geeigneten Betriebssystemversionen.

Bei der Befreiung des Androids geht es wie so häufig bei der Installation Freier Software um die Emanzipation des Nutzenden, die viel zu häufig und viel zu unhinterfragt den großen Internetkonzernen und Geräteherstellern überlassen wird. Die gelebte Bevormundung wird als eine besondere Form der Hilfe seitens der Hersteller wahrgenommen. Aber der große Unterschied zwischen den beiden Betriebsystem-Platzhirschen Android und iOS ist die Lizenz. Während das eine Betriebsystem mich nur als Besucher empfängt, gibt mir Android die Möglichkeit meinen ständigen digitalen Begleiter selbst zu gestalten und damit zu kontrollieren. Und leider lassen sich die meisten Benutzer noch viel zu sehr von ihren eigenen technischen Geräten beherrschen.

Bei diesem Artikel handelt es sich um ein Crossposting. Der Beitrag erscheint zeitgleich im Dotcomblog und steht unter einer CC BY-SA-Lizenz. Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: “CC BY-SA-Lizenz, Autor: Guido Brombach”.

Zum Autor: Guido Brombach, Jahrgang 1974, aufgewachsen und wohnhaft in Essen, 1995 Beginn des Studiums Dipl. Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung an der Universität Essen 1996 Beginn eines Lehramtstudiums für die Fächer Chemie und Pädagogik 2001 Beendigung des Studiums als Dipl. Erziehungswissenschaftler, 2001 pädagogischer Assistent im DGB Bildungswerk für den Bereich Computer und multimediale Kommunikation, seit 2006 Bildungsreferent für den Bereich Computer und Medien. Betreiber des Dotcomblogs.

7 Kommentare

  1. Matthias Heil am 24.09.2012:

    Habe auch ein gerootetes Android-Handy (schon etwas älter: HTC Desire), vor allem um mehr als nur ein Dutzend Apps im internen Speicher laufen lassen und Screenshots erstellen zu können. Den “Befreiungs”-Tenor des Beitrags kann ich dennoch nur teilweise unterstützen: Wunderbar ist es wenn man z.B. Werbung wegschalten oder ein intuitives Backup-System für die installierten Programme einspielen kann, zum Rooten benötigt man m.E. aber durchaus eine gewisse Vertrautheit mit dem System und vor allem einen ganz scharfen Blick für vielfach kursierende Anleitungen bzw. deren Verlässlichkeit und Aktualität. – Ein Nebeneffekte des Rootens können – insbesondere für Greenhorns – Fehler und Abstürze sein (beim ersten Versuch am dritten Tag nach dem Kauf habe ich mir z.B. den Displaytreiber zerschossen, was einigen Schweiß und nicht wenige Stunden in den einschlägigen Foren erforderte). Als Garantiefall kann man gebrickte (beim Spielen irgendwie kaputtgegangene) Geräte m.W. auch nicht reklamieren. – Es mögen sich – gerade dem pädagogischen Anspruch der Seite gemäß – also die prüfen, die nach Freiheit rufen, ob die Risiken für sie verantwortbar sind bzw. der Gewinn einiger – wenn auch m.E. durchaus wesentlicher – Funktionen den Kick wert ist…-)

  2. Fred Fredson am 24.09.2012:

    Nach langem Überlegen habe ich auch meine Android-Gerät “gerootet”. Die Sorge um die Garantie trieb mich um. ABER: Wenn man es schafft, sein Android-Handy zu rooten und sich erstmal eingelesen hat, kann man das Telefon immer wieder in seinen Ursprungzustand bringen.

    Heißt: Wer die Kompetenz gemeistert hat, sein Gerät zu rooten, der schafft es auch, es zu reparieren! Davon bin ich fest überzeugt.

    Und falls doch eine Reperatur nötig sein sollte, MUSS es ja auch erst noch mal jemand merken, dass der User Schuld ist… Solange man seinen Prozessor nicht schmelzen lässt, dürfte es im Garantiefall unbemerkt bleiben…

    Vielleicht sollte noch hervorgehoben werden, dass der Rootvorgang SEHR unterschiedlich abläuft.

    Was bedeute das für die Medienpädagogik? Vielleicht sollte man mal einen Workshop mit alten, ausgemusterten Smartphones durchführen, bei dem alle Handys gerootet werden! Die rein technische Seite der Medienpädagogik wird doch noch sehr oft unterschätzt. AUCH von den Jugendlichen!

  3. Murat am 25.09.2012:

    Ich möchte auch vanilla android auf meinem SIII haben. Muss allerdings erstmal wie der Vorredner schon bemekte, mich ordentlich einlesen in die Materie. Eine Frage is mir noch etwas unklar geblieben: ist ein gerootetes Gerät gleichzusetzen mit einem google nexus Gerät???

  4. Fred Fredson am 25.09.2012:

    @murat: Ein gerootetes Gerät ist nicht gleichzusetzten mit einem Nexus. Ich habe ein Nexus und das musste ich auch rooten (also mir administratorenrechte verschaffen) um Cyanogenmod aufzuspielen. Die Software die Du dann auf dein S3 spielen kannst ist aber dann sehr ähnlich zu der “normalen” Software einen Galaxy Nexus. Insofern schon ähnlich!

  5. gibro am 25.09.2012:

    @Matthias Heil: Hin und wieder findet man in der Nähe seines Wohnortes Workshopangebote, die dabei helfen das eigene Telefon zu rooten. Grundsätzlich kann ich dir jedoch nur beipflichten. Der Hinweis, dass mit dem rooten die Garantie verloren geht ist ganz wichtig. Wenn man das allerdings mit “Experten” zusammen macht, kann man noch eine Menge lernen und gleichzeitig am Ende ein “neues” Telefon in den Händen halten. Wenn ihr solche Workshops in eurer eigenen Stadt gefunden habt, schreibt sie doch direkt mit in die Kommentare dazu.

  6. Murat am 30.09.2012:

    Ja, vielleicht kennt ihr zufällig im Bremer Raum (für lau) ein solchen Workshop?
    und Danke +Fred für die Antwort. Nun ist es mir etwas klarer geworden.

  7. Murat am 26.10.2012:

    Mein S3 is nun auch gerootet!! Jawoll, und es ist so toll!

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