Digitaler Selbstmord
Screenshot der "Web 2.0 Suicide Machine"
Nein, das ist kein unmoralischer Aufruf an MedienpädagogInnen, ihren Schützlingen die Verlockungen des Jenseits nahe zu bringen. Hier geht es vielmehr um Datenschutz, Jugendschutz, die Selbstbestimmung über die eigene (Daten)Identität, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Medienkonsum und auch um Datensicherheit.
Auch wenn Jugendlichen nicht unbedingt nahegelegt werden kann, sämtliche Web2.0-Aktivitäten ad acta zu legen, gibt es sicher Gründe, sich gegen den eigenen Account bei Facebook oder Twitter zu entscheiden. Und dann bietet die neue “Web 2.0 Suicide Machine” sowohl einen effektiven wie ästhetischen Weg, die eigenen Daten samt des Accounts zu löschen: Der/die NutzerIn kann den Löschvorgang beobachten und sieht so ‘sein/ihr digitales Leben an sich vorbeiziehen’. Das kann sicher auch ein guter Einstieg in einen Workshop zum Thema Web 2.0 sein.
Bisher werden Facebook, Twitter und MySpace ‘unterstützt’, weitere Communities sollen folgen.



4 Kommentare
Henning am 11.01.2010:
Aha. Und wann wird der Medienpädagogik-Praxis-Blog und der dazugehörige Twitter Account “umgebracht”? … Ich hoffe überhaupt nicht.
Meiner Auffassung nach sollte es genau so Tabu sein, Jugendliche dazu zu bewegen, ihr digitales Leben aufzugeben wie Ihnen dazu zu raten sich unbedingt überall blind anzumelden. Eine Löschung von Facebook und Twitter mag für einige Einzelne in bestimmten Situationen sinnvoll sein, einen solchen Kill-All-Switch als medienpädagogisches Tool zu verkaufen halte ich gelinde ausgedrückt für absoluten Blödsinn.
Eike Rösch am 11.01.2010:
Genau, es geht hier um wenn-dann: Wenn diese Einzelnen sich entscheiden sollten, einen Account aufzugeben, dann _kann_ (!) das Tool passen. Ob das dann so ist, das müssen der/die Betroffene und der/die MedienpädagogIn für sich entscheiden.
Ich war noch nie ein missionarischer Daten- und Jugendschützer.
Rudolf Lex am 20.01.2010:
Ds Internet vergisst sowieso nichts. Ein gelöschter Account löscht noch lange nicht alle Daten im Umlauf. Deshalb ist dieser Weg nur sehr begrenzt wirksam.
Wichtiger ist es sich bei jeder Eingabeaktion von Daten Gedanken zu machen, was ich der Internetwelt zeige und was nicht.
Mario von Wantoch-Rekowski am 19.03.2010:
UPDATE:
The “Web2.0 Suicide Machine” committed suicide itself, on Facebook! Why?! Because of this! Ob die suizidalen Aktionen mancher UserInnen umfassend sind oder nicht. Hier wird, zwischen den Zeilen gelesen, deutlich, was der Riese im Geschäft der Social Communities für ein Problem mit dem institutionalisierten Selbstmord hat. Die Schwierigkeit an der Angelegenheit ist ja, meines Erachtens, nicht der Selbstmord an sich (der wird höchstens geächtet), sondern die Sterbehilfe.
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