Semantisches Internet oder web3.0

Das Mitmach-Internet oder web2.0 ist nun schon fast durch, jeder kennt es und hat eine Einstellung dazu. Jetzt kommt das Semantische Internet oder, um in der Entwickler-Zählerei zu bleiben, das web3.0. Der Unterschied zum bislang etablierten Internet ist, dass Informationen nicht nur gesammelt, sondern deren Bedeutung maschinell zueinander in Bezug gesetzt werden. Der Computer beginnt Informationen zu verstehen und trifft eine Bedeutungsselektion. Der User hat damit die Möglichkeit effizient gesuchte und relevante Informationen zu erhalten und den Überblick in der stetig wachsenden Informationsfülle zu behalten.
Um dem Computer aufmerksam auf semantische Zusammenhänge zu machen werden Metadaten vergeben, nach denen dann in unterschiedlichen Quellen gesucht wird. Die Vergabe von Metadaten erfolgt nach einem festgelegten Muster mit festem Vokabular und Ontologien. Ein anschauliches Beispiel bietet die noch im Aufbau befindliche Suchmaschine WolframAlpha. Hier werden Internetseiten nicht nach Suchbegriffen abgescannt und dann eine Linkliste ausgegeben, hier werden sämtliche verfügbaren Informationen gedeutet, nach Sinnzusammenhängen gesucht und das Ergebnis geliefert. Wer beispielsweise nach unserem Blog bei WolframAlpha sucht, der bekommt eine Vielzahl an Informationen für die mensch im web2.0 noch spezielle Seiten oder gar Software nutzen musste. Damit aber nicht genug. Von fast jeder Teilinformation geht es weiter in die Tiefe. Wer nach dem Wetter am 18. Janur 2007 in Hamburg sucht bekommt beispielsweise eine Windgeschwindigkeit in Spitzen von 21 m/s genannt. Klickt mensch auf das entsprechende Feld wird dieser Wert in andere Einheiten umgerechnet. Soll der Wert in Knoten ausgegeben werden, schreibt mensch in das Suchfeld zusätzlich “in knots”.
Das ist nicht nur für die Medienpädagogik interessant, aber insbesondere hier bietet es sich an neue Überlegungen anzustellen. Der Medienkompetenzbegriff nach heutiger Definition (ob nun nach Baacke oder Goebel oder wem auch immer) und die Methodik wird angepasst werden müssen. Dem Teilbereich der Orientierungs- und Selektionskompetenz kommt eine ganz neue Bedeutung zu. Abzuwarten bleibt nämlich inwiefern die Quellen der in Bezug gesezten Informationen offen gelegt und transparent gemacht werden. Der Service einer Vorauswahl ist aufgrund der Fülle an Informationen an sich zu begrüßen, birgt aber gleichzeitig viel Raum für Manipulationen – ob wirtschaftlich oder politisch motiviert. Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Zensurdebatte im Zusammenhang mit der Zugangsbeschränkung zu kinderpornografischen Inhalten erscheint mir das ein wichtiger Punkt. Unklar bin ich mir auch wenn ich an den Wirtschaftsfaktor Internet denke. Shops und dergleichen werden wohl (zumindest eine Zeit lang) weiter bestehen bleiben, doch wie wird sich das Werben verändern? Wie wird sich Google verändern (müssen), deren Haupteinnahmequelle im Werben liegt? Fußt das alles in eine neue Diskussion um (Schleichwerbung ist ja schon abgeschafft) Product-Placement?!
Ferner ist die Frage spannend was mit uns passiert. Werden Teile unserer Beiträge mit anderen Informationen durchmischt wenn nach Medienpädagogik und z.B. StoppTrick gesucht wird? Dann könnte mensch es sich eigentlich schenken eine Seite oder einen Blog zu führen, dann sind wir eher in Richtung Wiki unterwegs, einer zentralen Datenbank des Weltwissens.
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2 Kommentare
matthias am 23.06.2009:
ich halte es für eine maßlose Unterstellung, wenn behauptet wird, im Internet würde “Manipulation” stattfinden
Mario von Wantoch-Rekowski am 23.06.2009:
Hm, ich merke: Ich habe mich wohl doch ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt?! Aber wenn es doch mal wider erwarten zu Manipulationsverdächtigungen kommen sollte, dann plädiere ich eindeutig für eine Zensur von Manipulationen im Internet. Doppel –
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