Cloud Computing: Wolken in der Kristallkugel
Ich schaue persönlich nicht gerne in die Kristallkugel, weil Mutmaßungen über die Zukunft sich insbesondere in der Technikwelt meist als falsch herausstellen. Bei “Cloud Computing” ist die Entwicklung aber schon einen Schritt weiter und es ist an der Zeit, hier mal Grundinfos, eine kleine Begriffsklärung, Beispiele und erste Gedanken zur Bedeutung für die Medienpädagogik zu posten:
Der Begriff erfreut sich in letzter Zeit großer Beliebtheit und ist nicht ganz so nebulös wie auf den ersten Blick (über einzelne Angebote wurde hier auch schon geschrieben): Bei Cloud Computing geht es vor allem um webbasierte Desktopanwendungen wie Google Docs, Adobes acrobat.com und Photoshop Express, Microsoft Office Live oder Apples MobileMe.
Lange dachte ich, die Cloud würde nur dafür sorgen, dass die Daten zentral auf einem Webserver gespeichert und dann auf allen Endgeräten synchronisiert werden (wie es auch Apples Visualisierung zeigt). Letztendlich ist aber die Idee, zentrale, serverbasierte Anwendungen bereitzustellen, die im Webbrowser laufen, alle persönlichen Daten zentral speichern und letztendlich den Computerdesktop in den Browser verlegen. Lokale Programme werden überflüssig, alle (persönlichen) Daten werden online gespeichert. Hier findet sich auch eine gute Einführung.
Cloud Computing wird derzeit als Trend(begriff) gehandelt und oft als Nachfolger von “Web 2.0″ gesehen (hier ein ganz unterhaltsames Video zu den Trendbegriffen). Ich persönlich finde beides nicht unbedingt vergleichbar, denn der Innovationsumfang von Cloud Computing und insbesondere die Auswirkungen auf Kommunikation und Internetverhalten ist meiner Meinung nach nicht so groß wie bei Web2.0-Anwendungen, die gerade mit Communities die Alltagskommunikation in letzter Zeit stark verändert haben.
Es ist aber nicht unrealistisch, dass sich der Trend verstärkt und CloudComputing-Anwendungen sich mehr und mehr durchsetzen. Dann sind sie meiner Meinung nach für die Medienpädagogik in zweierlei Hinsicht relevant:
- Als potenzielle Arbeitsbasis: Wie heute möglicherweise schon Photoshop Express, Google Docs und Co. können CloudComputing-Anwendungen in medienpädagogischen Projekten als Arbeitsmittel eingesetzt werden.
- Als Gegenstand der Medienerziehung und Teil von Medienkompetenz: Neben den neuen, schönen Anwendungsmöglichkeiten der neuen Anwendungen sollten Jugendliche auch sensibiliert werden für Datenschutz-Aspekte, politische Implikationen usw. Jugendmedienschutz also.
Es ist also sicher gut, informiert zu sein und Cloud Computing und seine Manifestationen im Blick zu behalten. Wir werden weiter genau hinschauen. Stay tuned.



2 Kommentare
Matthias am 09.05.2009:
Cloud-Computing wird leidergottes immer noch von sehr vielen Quellen falsch interpretiert. Bei Cloud-Computing handelt es sich nicht um acrobat.com, MobileMe oder ähnliches – das wären SaaS (Software as a Service).
Dieses Saas (wie auch immer es aussehen würde) läuft unter der Architektur einer Cloud. Die Cloud macht nichts anderes, als die Rechenleistung zur Verfügung zu stellen, die gerade notwendig ist, um die Software as a Service zu betreiben.
Wenn also am Montag früh viele Leute Ihre E-Mail-Konten checken und ein tolles PDF bekommen haben, würden sie es zB. via acrobat.com verteilen um andere genauo daran teilhaben lassen zu können. Dass dann bei hoher Nutzerzahlen auch Adobe-Online-Services in die Knie gehen können und zusammenbrechen ist irgendwo klar. Um dieses Szenario nun bewältigen zu können, schaltet man einfach zusätzliche Rechenleistung zum Service dazu, welche die Hauptserver entlasten und somit riesige Nuterzahlen bewältigen zu können.
Selbst kann ich dabei aus Erfahrung sprechen, da ich für meine Kunden gerade eine Cloud aufbaue, damit diese ihre 3D-Renderings und Videos mit ca. 50GHz Leistung rendern können. Wenn meine Kunden es dann eilig haben bzw. mehrere gleichzeitig meine Services nutzen wollen, erweitert sich die Leistung automatisch auf bis zu 150GHz. Ohne Cloud-Computing wäre das nicht möglich, da die Auslastung nie gleichmäßig genug wäre, um alleine die Stromkosten damit bezahlen zu können.
Manuel Dejonghe am 10.05.2009:
Na endlich mal eine kurze, knappe und korrekte Antwort zu dem Thema. Danke !
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